b. Stil


Le style c'est l'homme mme, ist ein bekanntes franzsisches Wort. Hier heit Stil berhaupt die Eigentmlichkeit des Subjekts, welche sich in seiner Ausdrucksweise, der Art seiner Wendungen usf. vollstndig zu erkennen gibt. Umgekehrt sucht Herr von Rumohr (Italienische Forschungen*), Bd. l, S. 87) den Ausdruck Stil als ein zur Gewohnheit gediehenes Sichfgen in die inneren Forderungen des Stoffes (zu) erklren, in welchem der Bildner seine Gestalten wirklich bildet, der Maler sie erscheinen macht, und teilt in dieser Beziehung hchst wichtige Bemerkungen ber die Darstellungsweise mit, welche das bestimmte sinnliche Material der Skulptur z. B. erlaubt oder verbietet. Jedoch braucht man das Wort Stil nicht blo auf diese Seite des sinnlichen Elementes zu beschrnken, sondern kann es auf diejenigen Bestimmungen und Gesetze knstlerischer Darstellung ausdehnen, welche aus der Natur einer Kunstgattung, innerhalb derer ein Gegenstand zur Ausfhrung kommt, hervorgehen. In dieser Rcksicht unterscheidet man in der Musik Kirchenstil und Opernstil, in der Malerei historischen Stil von dem der Genremalerei. Der Stil betrifft dann eine Darstellungsweise, welche den Bedingungen ihres Materials ebensosehr nachkommt, als sie den Forderungen bestimmter Kunstgattungen und deren aus dem Begriff der Sache herflieenden Gesetzen durchgngig entspricht. Der Mangel an Stil in dieser weiteren Wortbedeutung ist dann entweder das Unvermgen, sich eine solche in sich selbst notwendige Darstellungsweise aneignen zu knnen, oder die subjektive Willkr, statt des Gesetzmigen nur der eigenen Beliebigkeit freien Lauf zu lassen und eine schlechte Manier an die Stelle zu setzen. Deshalb ist es auch, wie schon Herr von Rumohr bemerkt, unstatthaft, die Stilgesetze der einen Kunstgattung auf die der anderen zu bertragen, wie es Mengs z. B. in seiner bekannten Musenversammlung in der Villa Albani tat, wo er die kolorierten Formen seines Apollo im Prinzipe der Skulptur auffate und ausfhrte. In hnlicher Weise sieht man es vielen Drerschen Gemlden an, da Drer den Stil des Holzschnittes sich ganz zu eigen gemacht und auch in der Malerei besonders im Faltenwurf vor sich hatte.

 

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*) Karl Friedrich von Rumohr, Italienische Forschungen, 3 Bde., Berlin und Stettin 1826-31

 


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Seite zuletzt aktualisiert: 14.09.2004 
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