
3. Betrachtungsweisen der natrlichen Lebendigkeit
So wre denn also die Natur berhaupt als sinnliche Darstellung des konkreten Begriffs und der Idee schn zu nennen, insofern nmlich bei Anschauung der begriffsmigen Naturgestalten ein solches Entsprechen geahnt ist und bei sinnlicher Betrachtung dem Sinne zugleich die innere Notwendigkeit und das Zusammenstimmen der totalen Gliederung aufgeht. Weiter als bis zu dieser Ahnung des Begriffs dringt die Anschauung der Natur als schner nicht vorwrts. Dann bleibt aber dies Auffassen, fr welches die Teile, obschon sie als frei fr sich selber hervorgegangen erscheinen, dennoch ihr Zusammenstimmen in Gestalt, Umrissen, Bewegung usf. sichtbar machen, nur unbestimmt und abstrakt. Die innere Einheit bleibt innerlich, sie tritt fr die Anschauung nicht in konkret ideeller Form heraus, und die Betrachtung lt es bei der Allgemeinheit eines notwendigen beseelenden Zusammenstimmens berhaupt bewenden.
a) Jetzt also haben wir zunchst nur den in sich beseelten Zusammenhang in der begriffsmigen Gegenstndlichkeit der Naturgebilde als die Schnheit der Natur vor uns. Mit diesem Zusammenhang ist die Materie unmittelbar identisch, die Form wohnt der Materie, als deren wahrhaftes Wesen und gestaltende Macht, unmittelbar ein. Dies gibt die allgemeine Bestimmung fr die Schnheit auf dieser Stufe. So verwundert uns z. B. der natrliche Kristall durch seine regelmige Gestalt, welche durch keine nur uerlich mechanische Einwirkung, sondern durch innere eigentmliche Bestimmung und freie Kraft hervorgebracht ist, frei von Seiten des Gegenstandes selbst. Denn eine demselben uere Ttigkeit knnte als solche zwar ebenfalls frei sein, in den Kristallen aber ist die gestaltende Ttigkeit keine dem Objekt fremdartige, sondern eine ttige Form, die diesem Mineral seiner eigenen Natur nach angehrt; es ist die freie Kraft der Materie selbst, welche durch immanente Ttigkeit sich formt und nicht passiv ihre Bestimmtheit von auen erhlt. Und so bleibt die Materie in ihrer realisierten Form als ihrer eigenen frei bei sich selber. In noch hherer konkreterer Weise zeigt sich die hnliche Ttigkeit der immanenten Form in dem lebendigen Organismus und dessen Umrissen, Gestalt der Glieder und vor allem in der Bewegung und dem Ausdruck der Empfindungen. Denn hier ist es die innere Regsamkeit selbst, welche lebendig hervorspringt.
b) Doch auch bei dieser Unbestimmtheit der Naturschnheit als innerer Beseelung machen wir
α) nach der Vorstellung der Lebendigkeit sowie nach der Ahnung ihres wahren Begriffs und den gewohnten Typen ihrer gemen Erscheinung wesentliche Unterschiede, nach welchen wir Tiere schn oder hlich nennen, wie das Faultier z. B., das sich nur mhsam schleppt und dessen ganzer Habitus die Unfhigkeit zu rascher Bewegung und Ttigkeit dartut, durch diese schlfrige Trgheit mifllt. Denn Ttigkeit, Beweglichkeit bekunden gerade die hhere Idealitt des Lebens. Ebenso knnen wir Amphibien, manche Fischarten, Krokodile, Krten, so viele Insektenarten usf. nicht schn finden; besonders aber werden Zwitterwesen, welche den bergang von einer bestimmten Form zur anderen bilden und deren Gestalt vermischen, uns wohl auffallen, aber unschn erscheinen, wie das Schnabeltier, das ein Gemisch von Vogel und vierfigem Tiere ist. Auch dies kann uns zunchst als bloe Gewohnheit vorkommen, indem wir einen festen Typus der Tiergattungen in der Vorstellung haben. Aber in dieser Gewohnheit ist zugleich die Ahnung nicht unttig, da die Bildung z. B. eines Vogels in notwendiger Weise zusammengehrt und ihrem Wesen nach Formen, welche anderen Gattungen eigen sind, nicht aufnehmen kann, ohne nicht Zwittergeschpfe hervorzubringen. Solche Vermischungen erweisen sich deshalb als fremdartig und widersprechend. Weder die einseitige Beschrnktheit der Organisation, welche mangelhaft und unbedeutend erscheint und nur auf uerliche begrenzte Bedrftigkeit hindeutet, noch solche Vermischungen und bergnge, die, obschon sie in sich nicht so einseitig sind, doch aber die Bestimmtheiten der Unterschiede nicht festzuhalten vermgen, gehren dem Gebiete der lebendigen Naturschnheit an.
β) In einem anderen Sinne sprechen wir ferner von der Schnheit der Natur, wenn wir keine organisch lebendigen Gebilde vor uns haben, wie z. B. bei Anschauung einer Landschaft. Hier ist keine organische Gliederung der Teile als durch den Begriff bestimmt und zu seiner ideellen Einheit sich belebend vorhanden, sondern einerseits nur eine reiche Mannigfaltigkeit der Gegenstnde und uerliche Verknpfung verschiedener Gestaltungen, organischer oder unorganischer: Konturen von Bergen, Windungen der Flsse, Baumgruppen, Htten, Huser, Stdte, Palste, Wege, Schiffe, Himmel und Meer, Tler und Klfte; andererseits tritt innerhalb dieser Verschiedenheit eine gefllige oder imponierende uere Zusammenstimmung hervor, die uns interessiert.
γ) Eine eigentmliche Beziehung endlich gewinnt die Naturschnheit durch das Erregen von Stimmungen des Gemts und durch Zusammenstimmen mit denselben. Solche Bezglichkeit z. B. erhlt die Stille einer Mondnacht, die Ruhe eines Tales, durch welches ein Bach sich hinschlngelt, die Erhabenheit des unermelichen, aufgewhlten Meeres, die ruhige Gre des Sternenhimmels. Die Bedeutung gehrt hier nicht mehr den Gegenstnden als solchen an, sondern ist in der erweckten Gemtsstimmung zu suchen. Ebenso nennen wir Tiere schn, wenn sie einen Seelenausdruck zeigen, der mit menschlichen Eigenschaften einen Zusammenklang hat, wie Mut, Strke, List, Gutmtigkeit usf. Es ist dies ein Ausdruck, der einerseits allerdings den Gegenstnden eigen ist und eine Seite des Tierlebens darstellt, andererseits aber in unserer Vorstellung und unserem eigenen Gemte liegt.
c) Wie sehr nun aber auch das tierische Leben als Gipfel der Naturschnheit schon eine Beseelung ausdrckt, so ist doch jedes Tierleben durchaus beschrnkt und an ganz bestimmte Qualitten gebunden. Der Kreis seines Daseins ist eng und seine Interessen durch das Naturbedrfnis der Ernhrung, des Geschlechtstriebes usf. beherrscht. Sein Seelenleben als das Innere, das in der Gestalt Ausdruck gewinnt, ist arm, abstrakt und gehaltlos. - Ferner tritt dies Innere nicht als Inneres in die Erscheinung hinaus, das Natrlich- Lebendige offenbart seine Seele nicht an ihm selbst, denn das Natrliche ist eben dieses, da seine Seele nur innerlich bleibt, d. h. sich nicht selber als Ideelles uert. Die Seele des Tiers nmlich ist, wie wir schon andeuteten, nicht fr sich selbst diese ideelle Einheit; wre sie fr sich, so manifestierte sie sich auch in diesem Frsichsein fr andere. Erst das bewute Ich ist das einfach Ideelle, welches, als fr sich selber ideell, von sich als dieser einfachen Einheit wei und sich deshalb eine Realitt gibt, die keine nur uerlich sinnliche und leibliche, sondern selbst ideeller Art ist. Hier erst hat die Realitt die Form des Begriffes selbst, der Begriff tritt sich gegenber, hat sich zu seiner Objektivitt und ist in derselben fr sich. Das tierische Leben dagegen ist nur an sich diese Einheit, in welcher die Realitt als Leiblichkeit eine andere Form hat als die ideelle Einheit der Seele. Das bewute Ich aber ist fr sich selbst diese Einheit, deren Seiten die gleiche Idealitt zu ihrem Elemente haben. Als diese bewute Konkretion manifestiert sich das Ich auch fr andere. Das Tier jedoch lt durch seine Gestalt fr die Anschauung eine Seele nur ahnen, denn es hat selber nur erst den trben Schein einer Seele, als Hauch, Duft, der sich ber das Ganze breitet, die Glieder zur Einheit bringt und im ganzen Habitus den ersten Beginn eines besonderen Charakters offenbar macht. Dies ist der nchste Mangel des Naturschnen, auch seiner hchsten Gestaltung nach betrachtet, ein Mangel, der uns auf die Notwendigkeit des Ideals als des Kunstschnen hinleiten wird. Ehe wir aber zum Ideal gelangen, fallen zwei Bestimmungen dazwischen, welche die nchsten Konsequenzen jenes Mangels aller Naturschnheit sind.
Wir sagten, die Seele erscheine in der tierischen Gestalt nur getrbt als Zusammenhang des Organismus, als Einheitspunkt der Beseelung, der es an gehaltvoller Erfllung fehlt. Nur eine unbestimmte und ganz beschrnkte Seelenhaftigkeit kommt zum Vorschein. Diese abstrakte Erscheinung haben wir kurz fr sich zu betrachten.