
3. Ruhe des Ideals
Die hchste Reinheit des Idealen nach dem bereits frher Ausgefhrten wird auch hier nur darin bestehen knnen, da die Gtter, da Christus, Apostel, Heilige, Ber und Fromme in ihrer seligen Ruhe und Befriedigung vor uns hingestellt werden, in welcher sie das Irdische mit der Not und dem Drang seiner mannigfachen Verflechtungen, Kmpfe und Gegenstze nicht berhrt. In diesem Sinne hat besonders die Skulptur und Malerei Gestalten fr die einzelnen Gtter, ebenso fr Christus als Welterlser, die einzelnen Apostel und Heiligen, in idealer Weise gefunden. Das an sich selbst Wahrhaftige im Dasein kommt hier nur in seinem Dasein, als auf sich selber bezogen und nicht aus sich heraus in endliche Verhltnisse hineingezerrt, zur Darstellung.
Dieser Abgeschlossenheit in sich fehlt es zwar nicht an Partikularitt, aber die im uerlichen und Endlichen auseinanderlaufende Besonderheit ist zur einfachen Bestimmtheit gereinigt, so da die Spuren eines ueren Einflusses und Verhltnisses durchweg getilgt erscheinen. Diese tatlos ewige Ruhe in sich oder dies Ausruhen - wie beim Herkules z. B. - macht auch in der Bestimmtheit das Ideale als solches aus. Werden daher die Gtter auch in Verwicklung gestellt, so mssen sie dennoch in ihrer unvergnglichen, unantastbaren Hoheit verbleiben. Denn Jupiter, Juno, Apollo, Mars z. B. sind zwar bestimmte, aber feste Mchte und Gewalten, welche ihre selbstndige Freiheit in sich bewahren, auch wenn ihre Ttigkeit nach auen gewandt ist. Und so darf denn innerhalb der Bestimmtheit des Ideals nicht nur eine einzelne Partikularitt erscheinen, sondern die geistige Freiheit mu sich an sich selbst als Totalitt und in diesem Beruhen auf sich als die Mglichkeit zu allem zeigen.
Weiter herunter in dem Gebiet des Weltlichen und Menschlichen nun erweist sich das Ideale in der Weise wirksam, da irgendein substantieller Gehalt, der den Menschen ausfllt, das nur Partikulre der Subjektivitt zu bewltigen die Kraft behlt. Dadurch wird nmlich das Besondere im Empfinden und Tun der Zuflligkeit entrissen und die konkrete Partikularitt in grerer Zusammenstimmung mit ihrer eigentlichen inneren Wahrheit dargestellt; wie denn berhaupt, was man das Edle, Vortreffliche und Vollkommene in der menschlichen Brust heit, nichts anderes ist, als da die wahre Substanz des Geistigen, Sittlichkeit, Gttlichkeit sich als das Mchtige im Subjekt bekundet und der Mensch deshalb seine lebendige Ttigkeit, Willenskraft, seine Interessen, Leidenschaften usf. nur in dies Substantielle hineinlegt, um darin seinen wahren inneren Bedrfnissen Befriedigung zu geben.
Wie sehr nun aber auch im Ideal die Bestimmtheit des Geistes und seiner uerlichkeit einfach in sich resmiert erscheint, so ist dennoch mit der ins Dasein herausgekehrten Besonderheit zugleich das Prinzip der Entwicklung und damit in dem Verhltnis nach auen der Unterschied und Kampf der Gegenstze unmittelbar verbunden. Dies fhrt uns zur nheren Betrachtung der in sich differenten, prozessierenden Bestimmtheit des Ideals, welche wir im allgemeinen als Handlung fassen knnen.