Stellung der Kunst im Verhltnis zur endlichen Wirklichkeit
und zur Religion und Philosophie

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Indem wir aus der Einleitung in die wissenschaftliche Betrachtung unseres Gegenstandes hineintreten, ist es vorerst die allgemeine Stellung des Kunstschnen im Gebiete der Wirklichkeit berhaupt sowie der sthetik im Verhltnis zu anderen philosophischen Disziplinen, welche wir kurz zu bezeichnen haben, um den Punkt auszumachen, von welchem eine wahre Wissenschaft des Schnen ausgehen msse.
Da knnte es zweckmig scheinen, zunchst von den verschiedenen Versuchen, das Schne denkend zu fassen, eine Erzhlung zu geben und diese Versuche zu zergliedern und zu beurteilen. Doch ist dies teils in der Einleitung bereits geschehen, teils kann es berhaupt einer wahrhaften Wissenschaftlichkeit nicht darauf ankommen, nur nachzusehen, was andere recht oder unrecht qemacht haben, oder von ihnen nur zu lernen. Eher schon liee sich umgekehrt noch einmal darber ein Wort vorausschicken, da viele der Meinung sind, das Schne liee sich berhaupt, eben darum, weil es das Schne sei, nicht in Begriffe fassen und bleibe daher fr das Denken ein unbegreiflicher Gegenstand. Auf solche Behauptung ist an dieser Stelle kurz zu erwidern, da, wenn auch heutigentags alles Wahre fr unbegreiflich und nur die Endlichkeit der Erscheinung und die zeitliche Zuflligkeit fr begreiflich ausgegeben wird, gerade das Wahre allein schlechthin begreiflich ist, weil es den absoluten Begriff und nher die Idee zu seiner Grundlage hat. Die Schnheit aber ist nur eine bestimmte Weise der uerung und Darstellung des Wahren und steht deshalb dem begreifenden Denken, wenn es wirklich mit der Macht des Begriffes ausgerstet ist, durchaus nach allen Seiten hin offen. Freilich ist es in neuerer Zeit keinem Begriffe schlechter gegangen als dem Begriffe selber, dem Begriffe an und fr sich, denn unter Begriff pflegt man gewhnlich eine abstrakte Bestimmtheit und Einseitigkeit des Vorstellens oder des verstndigen Denkens zu verstehen, mit welcher natrlich weder die Totalitt des Wahren noch die in sich konkrete Schnheit denkend kann zum Bewutsein gebracht werden. Denn die Schnheit, wie bereits gesagt und spter noch auszufhren ist, ist nicht solche Abstraktion des Verstandes, sondern der in sich selbst konkrete absolute Begriff und, bestimmter gefat, die absolute Idee in ihrer sich selbst gemen Erscheinung.
Wenn wir, was die absolute Idee in ihrer wahrhaftigen Wirklichkeit sei, kurz bezeichnen wollen, so mssen wir sagen, sie sei Geist, und zwar nicht etwa der Geist in seiner endlichen Befangenheit und Beschrnktheit, sondern der allgemeine unendliche und absolute Geist, der aus sich selber bestimmt, was wahrhaft das Wahre ist. Fragen wir nur unser gewhnliches Bewutsein, so drngt sich freilich vom Geist die Vorstellung auf, als ob er der Natur gegenberstehe, der wir dann die gleiche Wrde zuschreiben. Doch in diesem Nebeneinander und Bezogensein der Natur und des Geistes als gleich wesentlicher Gebiete ist der Geist nur in seiner Endlichkeit und Schranke, nicht in seiner Unendlichkeit und Wahrheit betrachtet. Dem absoluten Geiste nmlich steht die Natur weder als von gleichem Werte noch als Grenze gegenber, sondern erhlt die Stellung, durch ihn gesetzt zu sein, wodurch sie ein Produkt wird, dem die Macht einer Grenze und Schranke genommen ist. Zugleich ist der absolute Geist nur als absolute Ttigkeit und damit als absolute Unterscheidung seiner in sich selbst zu fassen. Dies Andere nun, als das er sich von sich unterscheidet, ist einerseits eben die Natur, und der Geist [ist] die Gte, diesem Anderen seiner selbst die ganze Flle seines eigenen Wesens zu geben. Die Natur haben wir deshalb selber als die absolute Idee in sich tragend zu begreifen, aber sie ist die Idee in der Form, durch den absoluten Geist als das Andere des Geistes gesetzt zu sein. Wir nennen sie insofern ein Geschaffenes. Ihre Wahrheit aber ist deshalb das Setzende selber, der Geist als die Idealitt und Negativitt, indem er sich zwar in sich besondert und negiert, aber diese Besonderung und Negation seiner als die durch ihn gesetzte ebenso aufhebt und, statt darin eine Grenze und Schranke zu haben, mit seinem Anderen sich in freier Allgemeinheit mit sich selbst zusammenschliet. Diese Idealitt und unendliche Negativitt macht den tiefen Begriff der Subjektivitt des Geistes aus. Als Subjektivitt nun aber ist der Geist zunchst nur erst an sich die Wahrheit der Natur, indem er seinen wahren Begriff noch nicht fr sich selber gemacht hat. Die Natur steht ihm somit nicht als das durch ihn gesetzte Andere, in welchem er zu sich selber zurckkehrt, gegenber, sondern als unberwundenes, beschrnkendes Anderssein, auf welches, als auf ein vorgefundenes Objekt, der Geist als das Subjektive in seiner Existenz des Wissens und Wollens bezogen bleibt und nur die andere Seite zur Natur zu bilden vermag. In diese Sphre fllt die Endlichkeit des theoretischen sowohl als des praktischen Geistes, die Beschrnktheit im Erkennen und das bloe Sollen im Realisieren des Guten. Auch hier wie in der Natur ist die Erscheinung ihrem wahrhaften Wesen ungleich, und wir erhalten noch den verwirrenden Anblick von Geschicklichkeiten, Leidenschaften, Zwecken, Ansichten und Talenten, die sich suchen und fliehen, fr- und gegeneinander arbeiten und sich durchkreuzen, whrend sich bei ihrem Wollen und Bestreben, Meinen und Denken die mannigfaltigsten Gestalten des Zufalls frdernd oder strend einmischen. Dies ist der Standpunkt des nur endlichen, zeitlichen, widersprechenden und dadurch vergnglichen, unbefriedigten und unseligen Geistes. Denn die Befriedigungen, die diese Sphre bietet, sind in der Gestalt ihrer Endlichkeit selbst immer noch beschrnkt und verkmmert, relativ und vereinzelt. Der Blick, das Bewutsein, Wollen und Denken erhebt sich deshalb ber sie und sucht und findet seine wahre Allgemeinheit, Einheit und Befriedigung anderswo: im Unendlichen und Wahren. Diese Einheit und Befriedigung, zu welcher die treibende Vernnftigkeit des Geistes den Stoff seiner Endlichkeit hinaufhebt, ist dann erst die wahre Enthllung dessen, was die Erscheinungswelt ihrem Begriff nach ist. Der Geist erfat die Endlichkeit selber als das Negative seiner und erringt sich dadurch seine Unendlichkeit. Diese Wahrheit des endlichen Geistes ist der absolute Geist. - In dieser Form nun aber wird der Geist nur wirklich als absolute Negativitt; er setzt in sich selber seine Endlichkeit und hebt sie auf. Dadurch macht er sich in seinem hchsten Gebiete fr sich selbst zum Gegenstande seines Wissens und Wollens. Das Absolute selber wird Objekt des Geistes, indem der Geist auf die Stufe des Bewutseins tritt und sich in sich als Wissendes und diesem gegenber als absoluter Gegenstand des Wissens unterscheidet. Von dem frheren Standpunkte der Endlichkeit des Geistes aus ist der Geist, der von dem Absoluten als gegenberstehendem unendlichen Objekte wei, dadurch als das davon unterschiedene Endliche bestimmt. In der hheren spekulativen Betrachtung aber ist es der absolute Geist selber, der, um fr sich das Wissen seiner selbst zu sein, sich in sich unterscheidet und dadurch die Endlichkeit des Geistes setzt, innerhalb welcher er sich absoluter Gegenstand des Wissens seiner selber wird. So ist er absoluter Geist in seiner Gemeinde, das als Geist und Wissen seiner wirkliche Absolute.
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