2. Das Zusammenstimmen des konkreten Ideals mit seiner uerlichen Realitt

 

Das allgemeine Gesetz, welches wir in dieser Beziehung knnen geltend machen, besteht darin, da der Mensch in der Umgebung der Welt msse heimisch und zu Hause sein, da die Individualitt in der Natur und in allen ueren Verhltnissen msse eingewohnt und dadurch frei erscheinen, so da die beiden Seiten, die subjektive innere Totalitt des Charakters und seiner Zustnde und Handlungen und die objektive des ueren Daseins, nicht als gleichgltig und disparat auseinanderfallen, sondern ein Zusammenstimmen und Zueinandergehren zeigen. Denn die uere Objektivitt, insofern sie die Wirklichkeit des Ideals ist, mu ihre bloe objektive Selbstndigkeit und Sprdigkeit aufgeben, um sich als in Identitt mit dem zu erweisen, dessen ueres Dasein sie ausmacht.

Wir haben in dieser Rcksicht drei verschiedene Gesichtspunkte fr solche Zusammenstimmung festzustellen.

Erstlich nmlich kann die Einheit beider ein bloes Ansich bleiben und nur als ein geheimes inneres Band erscheinen, durch welches der Mensch mit seiner ueren Umgebung verknpft ist.

Zweitens jedoch, da die konkrete Geistigkeit und deren Individualitt den Ausgangspunkt und wesentlichen Inhalt des Ideals abgibt, hat das Zusammenstimmen mit dem ueren Dasein auch von der menschlichen Ttigkeit auszugehen und sich als durch dieselbe hervorgebracht kundzutun.

Drittens endlich ist diese vom menschlichen Geiste hervorgebrachte Welt selbst wieder eine Totalitt, die in ihrem Dasein fr sich eine Objektivitt bildet, mit welcher die auf diesem Boden sich bewegenden Individuen in wesentlichem Zusammenhange stehen mssen.

a) In betreff auf den ersten Punkt nun knnen wir davon ausgehen, da die Umgebung des Ideals, da sie hier noch nicht als durch die menschliche Ttigkeit gesetzt erscheint, zunchst noch das dem Menschen berhaupt uere, die uere Natur bleibt. Von der Darstellung derselben im idealen Kunstwerk ist deshalb zunchst zu sprechen. Wir knnen auch hier drei Seiten herausheben.

α) Die uere Natur erstens, sobald sie ihrer Auengestalt nach hervorgekehrt wird, ist eine nach allen Richtungen hin in bestimmter Weise gestaltete Realitt. Soll dieser nun ihr Recht, das sie in betreff auf die Darstellung zu fordern hat, wirklich geschehen, so mu sie in voller Naturtreue aufgenommen werden. Welche Unterschiede jedoch von unmittelbarer Natur und Kunst auch hier zu respektieren sind, haben wir frher schon gesehen. Im ganzen aber ist es gerade der Charakter der groen Meister, da sie auch in Rcksicht auf die uere Naturumgebung treu, wahr und vollkommen bestimmt sind. Denn die Natur ist nicht nur Erde und Himmel berhaupt, und der Mensch schwebt nicht in der Luft, sondern empfindet und handelt in bestimmtem Lokal von Bchen, Flssen, Meer, Hgeln, Bergen, Ebenen, Wldern, Schluchten usf. Homer z. B., obschon er nicht etwa moderne Naturschilderungen liefert, ist dennoch in seinen Bezeichnungen und Angaben so treu und gibt uns von dem Skamander, dem Simois, der Kste, den Meerbuchten eine so richtige Anschauung, da man die gleiche Gegend auch jetzt noch geographisch mit seiner Beschreibung bereinstimmend gefunden hat. Dagegen ist die traurige Bnkelsngerei wie in den Charakteren so auch hierin kahl, leer und ganz nebulos. Auch die Meistersnger, wenn sie altbiblische Geschichten in Versmae bringen und z. B. Jerusalem zum Lokal haben, geben nichts als den Namen. In dem Heldenbuche geht es hnlich zu; Ortnit reitet in die Tannen, kmpft mit dem Drachen, ohne Umgebung von Menschen, bestimmter rtlichkeit usf., so da der Anschauung in dieser Beziehung so gut als nichts gegeben ist. Selbst im Nibelungenliede ist es nicht anders; wir hren zwar von Worms, dem Rhein, der Donau; doch auch hier bleibt es beim Unbestimmten und Kahlen stehen. Aber die vollkommene Bestimmtheit macht die Seite der Einzelheit und Wirklichkeit aus, die sonst nur ein Abstraktum ist, was ihrem Begriffe uerer Realitt widerspricht.

 


 © textlog.de 2004 06.09.2026 12:47:01
Seite zuletzt aktualisiert: 14.09.2004 
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