35. Formale und materiale Geltung des Geldes


35. Da die Rechtsordnung und Verwaltung des Staats die formale legale und auch die formale regiminale Geltung einer Geldart als Whrung im Gebiet ihrer Zwangsgewalt heute bewerkstelligen kann, falls sie selbst in dieser Geldart berhaupt zahlungsfhig bleibt, ist richtig. Sie bleibt es nicht mehr, sobald sie eine bisher akzessorische Geldart oder provisorische zu freiem Verkehrsgeld (bei Metallgeld) oder zu autogenem Papiergeld (bei Notalgeld) werden lt, weil dann diese Geldarten sich bei ihr so lange aufstauen, bis sie selbst nur noch ber sie verfgt, also sie bei Zahlungen aufdrngen mu.

Von Knapp richtig als das normale Schema der obstruktionalen Whrungsnderung dargelegt.

Damit ist aber natrlich ber dessen materiale Geltung, d.h. darber: in welcher Tauschrelation es zu anderen, naturalen Gtern genommen wird, noch nichts gesagt, also auch nicht darber: ob und wieweit die Geldverwaltung darauf Einflu gewinnen kann. Da die politische Gewalt durch Rationierungen des Konsums, Produktionskontrolle und Hchst- (natrlich auch: Mindest-) Preis-Verordnungen weitgehend auch darauf Einflu nehmen kann, soweit es sich um im Inland schon vorhandene oder im Inland hergestellte Gter (und: Arbeitsleistungen im Inland) handelt, ist ebenso erfahrungsmig beweisbar wie: da dieser Einflu auch da seine hchst fhlbaren Grenzen hat (worber anderwrts). Jedenfalls aber sind solche Manahmen ersichtlich nicht solche der Geldverwaltung.

Die modernen rationalen Geldverwaltungen stecken sich vielmehr, der Tatsache nach, ein ganz anderes Ziel: die materiale Bewertung der Inlandswhrung in auslndischer Whrung, den Valutakurs genannten Brsenpreis der fremden Geldsorten also zu beeinflussen, und zwar, in aller Regel, zu befestigen, d.h. mglichst stetig (unter Umstnden: mglichst hoch) zu halten. Neben Prestige- und politischen Machtinteressen sind dabei Finanzinteressen (bei Absicht knftiger Auslandsanleihen), auerdem die Interessen sehr mchtiger Erwerbsinteressenten: der Importeure, der mit fremden Rohstoffen arbeitenden Inlandsgewerbe, endlich Konsuminteressen der Auslandsprodukte begehrenden Schichten magebend. Lytrische Politik ist unstreitig heute, der Tatsache nach, primr intervalutarische Kurspolitik.

Auch dies und das Folgende durchaus gem Knapps Staatlicher Theorie. Das Buch ist formell und inhaltlich eines der grten Meisterstcke deutscher schriftstellerischer Kunst und wissenschaftlicher Denkschrfe. Die Augen fast aller Fachkritiker aber waren auf die (relativ wenigen, freilich nicht ganz unwichtigen) beiseite gelassenen Probleme gerichtet.

Whrend England s.Z. noch vielleicht halb widerwillig in die Goldwhrung hineingeriet, weil das als Whrungsstoff gewnschte Silber in der Whrungsrelation zu niedrig tarifiert war, sind alle anderen modern organisierten und geordneten Staaten unzweifelhaft deshalb entweder zur reinen Goldwhrung oder zur Goldwhrung mit akzessorischem Silbersperrgeld, oder zur Sperrgeldsilberwhrung oder regulierten Notalwhrung mit (in beiden Fllen) einer auf Goldbeschaffung fr Auslandszahlungen gerichteten lytrischen Politik bergegangen, um eine mglichst feste intervalutarische Relation zum englischen Goldgeld zu erhalten. Flle des bergangs zur reinen Papierwhrung sind nur im Gefolge politischer Katastrophen, als eine Form der Abhilfe gegen die eigene Zahlungsunfhigkeit im bisherigen Whrungsgeld aufgetreten, so jetzt massenhaft.

Es scheint nun richtig, da fr jenen intervalutarischen Zweck (fester Kurs, heute: gegen Gold) nicht ausschlielich die eigene effektive Gold-Hylodromie (Chrysodromie) das mgliche Mittel ist. Auch das Mnzpari chrysodromer chartaler Mnzsorten kann aktuell sehr heftig erschttert werden, wenn auch die Chance, eventuell durch Versendung und Umprgung von Geld intervalutarische Zahlungsmittel fr Leistungen vom auslndischen Verkehr zu erlangen, durch eigene Chrysodromie immerhin sehr stark erleichtert wird und, solange diese besteht, nur durch natrliche Verkehrsobstruktion oder durch Goldausfuhrverbot zeitweise stark gestrt werden kann. Andererseits kann aber erfahrungsgem unter normalen Friedensverhltnissen recht wohl auch ein Papierwhrungsgebiet mit geordnetem Rechtszustand, gnstigen Produktionsbedingungen und planvoll auf Goldbeschaffung fr Auslandszahlungen gerichteter lytrischer Politik einen leidlich stabilen Devisenkurs erreichen, wenn auch, ceteris paribus, mit merklich hheren Opfern fr: die Finanzen, oder: die Goldbedrftigen. (Ganz ebenso lge es natrlich, wenn das intervalutarische Zahlungsmittel Silber wre, also Argyrodromie in den Haupthandelsstaaten der Welt herrschte.)


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Seite zuletzt aktualisiert: 28.09.2004 
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