7. Primre Konsequenzen typischen Geldgebrauchs, Kredit


7. Die primren Konsequenzen typischen Geldgebrauches sind:

1. der sogenannte indirekte Tausch als Mittel der Bedarfsversorgung von Konsumenten. Das heit die Mglichkeit: a) rtlicher, b) zeitlicher, c) personaler, d) (sehr wesentlich auch:) mengenhafter Trennung der jeweils zum Abtauschen bestimmten Gter von den zum Eintausch begehrten. Dadurch: die auerordentliche Ausweitung der jeweils gegebenen Tauschmglichkeiten, und, in Verbindung, damit:

2. die Bemessung gestundeter Leistungen, insbesondere: Gegenleistungen beim Tausch (Schulden), in Geldbetrgen;

3. die sogenannte Wertaufbewahrung, das heit: die Thesaurierung von Geld in natura oder von jederzeit einzufordernden Geldforderungen als Mittel der Sicherung von knftiger Verfgungsgewalt ber Eintausch chancen;

4. die zunehmende Verwandlung konomischer Chancen in solche: ber Geldbetrge verfgen zu knnen;

5. die qualitative Individualisierung und damit, indirekt, Ausweitung der Bedarfsdeckung derjenigen, die ber Geld oder Geldforderungen oder die Chancen von Gelderwerb verfgen, und also: Geld fr beliebige Gter und Leistungen anbieten knnen;

6. die heute typische Orientierung der Beschaffung von Nutzleistungen am Grenznutzen jener Geldbetrge, ber welche der Leiter einer Wirtschaft in einer von ihm bersehbaren Zukunft voraussichtlich verfgen zu knnen annimmt. Damit:

7. Erwerbsorientierung an allen jenen Chancen, welche durch jene zeitlich, rtlich, personal und sachlich vervielfltigte Tauschmglichkeit (Nr. 1) dargeboten werden. Dies alles auf Grund des prinzipiell wichtigsten Moments von allen, nmlich:

8. der Mglichkeit der Abschtzung aller fr den Abtausch oder Eintausch in Betracht kommenden Gter und Leistungen in Geld; Geldrechnung.

Material bedeutet die Geldrechnung zunchst: da Gter nicht nur nach ihrer derzeitigen, rtlichen und personalen, Nutzleistungsbedeutung geschtzt werden. Sondern da bei der Art ihrer Verwendung (gleichviel zunchst ob als Konsum- oder als Beschaffungsmittel) auch alle knftigen Chancen der Verwertung und Bewertung, unter Umstnden durch unbestimmt viele Dritte fr deren Zwecke, insoweit mit in Betracht gezogen werden, als sie sich in einer dem Inhaber der Verfgungsgewalt zugnglichen Geldabtauschchance ausdrcken. Die Form, in welcher dies bei typischer Geldrechnung geschieht, ist: die Marktlage.

 

Das Vorstehende gibt nur die einfachsten und wohlbekannten Elemente jeglicher Errterung ber Geld wieder und bedarf daher keines besonderen Kommentars. Die Soziologie des Marktes wird an dieser Stelle noch nicht verfolgt (s. ber die formalen Begriffe 8, 10).

 

Kredit im allgemeinsten Sinn soll jeder Abtausch gegenwrtig innegehabter gegen Eintausch der Zusage knftig zu bertragender Verfgungsgewalt ber Sachgter gleichviel welcher Art heien. Kreditgeben bedeutet zunchst die Orientierung an der Chance: da diese knftige bertragung tatschlich erfolgen werde. Kredit in diesem Sinn bedeutet primr den Austausch gegenwrtig fehlender, aber fr knftig im berschu erwarteter Verfgungsgewalt einer Wirtschaft ber Sachgter oder Geld gegen derzeit vorhandene, nicht zur eigenen Verwertung bestimmte Verfgungsgewalt einer andern. Wovon im Rationalittsfall beide Wirtschaften sich gnstigere Chancen (gleichviel welcher Art) versprechen, als sie die Gegenwartsverteilung ohne diesen Austausch darbte.

 

1. Die in Betracht gezogenen Chancen mssen keineswegs notwendig wirtschaftlicher Art sein. Kredit kann zu allen denkbaren Zwecken (karitativen, kriegerischen) gegeben und genommen werden.

2. Kredit kann in Naturalform oder in Geldform und in beiden Fllen gegen Zusage von Naturalleistungen oder von Geldleistungen gegeben und genommen werden. Die Geldform bedeutet aber die geldrechnungsmige Kreditgewhrung und Kreditnahme mit allen ihren Konsequenzen (von denen alsbald zu reden ist).

3. Im brigen entspricht auch diese Definition dem Landlufigen. Da auch zwischen Verbnden jeder Art, insbesondere: sozialistischen oder kommunistischen Verbnden, Kredit mglich (und bei Nebeneinanderbestehen mehrerer nicht konomisch autarker Verbnde dieser Art unumgnglich) ist, versteht sich von selbst. Ein Problem bedeutete dabei freilich im Fall vlligen Fehlens des Geldgebrauches die rationale Rechnungsbasis. Denn die bloe (unbestreitbare) Tatsache der Mglichkeit des Kompensationsverkehrs wrde, zumal fr langfristigen Kredit, fr die Beteiligten noch nichts ber die Rationalitt der gewhrten Bedingungen aussagen. Sie wren etwa in der Lage, wie in der Vergangenheit Oikenwirtschaften (s. spter), welche ihre berschsse gegen Bedarfsartikel abtauschten. Mit dem Unterschied jedoch, da in der Gegenwart ungeheure Masseninteressen und dabei: solche auf lange Sicht, im Spiel wren, whrend fr die schwach versorgten Massen grade der Grenznutzen der aktuellen Befriedigung besonders hoch steht. Also: Chance ungnstigen Eintausches dringend bentigter Gter.

4. Kredit kann zum Zweck der Befriedigung gegenwrtiger unzulnglich gedeckter Versorgungsbedrfnisse (Konsumtivkredit) genommen werden. Im konomischen Rationalittsfall wird er auch dann nur gegen Einrumung von Vorteilen gewhrt. Doch ist dies (bei dem geschichtlich ursprnglichen Konsumtions- , insbesondre beim Notkredit) nicht das Ursprngliche, sondern der Appell an Brderlichkeitspflichten. (darber bei Errterung des Nachbarschaftsverbandes, Kap. V).

5. Die allgemeinste Grundlage des entgeltlichen Sach- oder Geld-Kredits ist selbstverstndlich: da bei dem Kreditgeber infolge besserer Versorgtheit (was, wohl zu beachten, ein relativer Begriff ist) meist der Grenznutzen der Zukunftserwartung hher steht als beim Kreditnehmer.


 © textlog.de 2004 08.09.2026 08:39:14
Seite zuletzt aktualisiert: 25.09.2004 
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