34. Notales Geld


34. B. Notales Geld ist natrlich stets: Verwaltungsgeld. Fr eine soziologische Theorie ist stets, genau die Urkunde bestimmter chartaler Formen (einschlielich des Aufdrucks bestimmten formalen Sin-

nes) das Geld, nie: die etwaige keineswegs notwendig wirklich durch sie reprsentierte Forderung (die ja bei reinem uneinlslichen Papiergeld vllig fehlt).

Es kann formal rechtlich eine, offiziell, einlsliche Inhaberschuldurkunde:

a) eines Privaten (z.B. im 17. Jahrhundert in England eines Goldschmieds),

b) einer privilegierten Bank (Banknoten),

c) eines politischen Verbandes (Staatsnoten) sein. Ist es effektiv einlslich, also nur Umlaufsmittel, und also provisorisches Geld, so kann es sein:

1. voll gedeckt: Zertifikat,

2. nur nach Kassenbedarf gedeckt: Umlaufsmittel. Die Deckung kann geordnet sein:

a. durch pensatorisch normierte Metallbestnde (Bankowhrung),

. durch Metallgeld. Primr emittiert worden ist notales Geld ganz regelmig als provisorisches (einlsbares) Geld, und zwar in modernen Zeiten typisch als Umlaufsmittel, fast immer als: Banknote, daher durchweg auf schon vorhandene Nominale von Metallwhrungen lautend.

1. Natrlich gilt der erste Teil des letzten Satzes nicht in Fllen, wo eine notale Geldart durch eine neue ersetzt wurde, Staatsnoten durch Banknoten oder umgekehrt. Aber dann ist eben keine primre Emission vorhanden.

2. Zum Eingangssatz von B: Gewi kann es Tausch- und Zahlungsmittel geben, die nicht chartal, also weder Mnzen noch Urkunden noch andere sachliche Objekte sind: das ist ganz zweifellos. Aber diese wollen wir dann nicht Geld, sondern je nachdem Rechnungseinheit oder wie immer ihre Eigenart dies nahelegt, nennen. Dem Gelde ist eben dies charakteristisch: da es an Quantitten von chartalen Artefakten gebunden ist, eine ganz und gar nicht nebenschliche und nur uerliche Eigenschaft.

Im Fall der faktischen Sistierung der Einlsung von bisher provisorischem Gelde ist zu unterscheiden, ob dieselbe von dem Interessenten eingeschtzt wird: gilt:

a) als eine transitorische Maregel,

b) als fr absehbare Zeit definitiv. Im ersten Fall pflegt sich, da ja Metallgeld oder Metallbarren zu allen intervalutarischen Zahlungen gesucht sind, ein Disagio der notalen Zahlungsmittel gegen die im Nominal gleichen metallischen einzustellen; doch ist dies nicht unbedingt notwendig, und das Disagio pflegt (aber auch dies wiederum: nicht notwendig, da jener Bedarf ja sehr akut sein kann) mig zu sein.

Im zweiten Fall entwickelt sich nach einiger Zeit definitive (autogenische) Papiergeldwhrung. Von Disagio kann man dann nicht mehr sprechen, sondern (historisch!) von Entwertung.

Denn es ist dann sogar mglich, da das Whrungsmetall jenes frheren, jetzt des obstruierten Verkehrsgeldes, auf welches die Noten ursprnglich lauteten, aus gleichviel welchen Grnden auf dem Markt sehr stark im Preise gegenber den intervalutarischen Zahlungsmitteln sinkt, die Papierwhrung aber in geringem Grade. Was die Folge haben mu (und in sterreich und Ruland gehabt hat): da schlielich die frhere Nominalgewichtseinheit (Silber) zu einem geringeren Nominalbetrag in den inzwischen autogenisch gewordenen Noten kuflich war. Das ist vllig verstndlich. Wenn also auch das Anfangsstadium der reinen Papierwhrung intervalutarisch wohl ausnahmslos eine Niedrigerbewertung der Papiernominale gegenber der gleichnamigen Silbernominale bedeutete, weil sie stets Folge von aktueller Zahlungsunfhigkeit ist, so hing z.B. in sterreich und Ruland die weitere Entwicklung doch 1. von den intervalutarisch sich entwickelnden sog. Zahlungsbilanzen, welche die Nachfrage des Auslands nach einheimischen Zahlungsmitteln bestimmen, 2. von dem Ma der Papiergeldemissionen, 3. von dem Erfolg der Emissionsstelle: intervalutarische Zahlungsmittel zu beschaffen (der sog. Devisenpolitik) ab. Diese drei Momente konnten und knnen sich so gestalten und gestalteten sich in diesem Fall so, da die Schtzung des betreffenden Papiergelds im Weltmarktverkehr, d.h. in seiner Relation zum intervalutarischen Zahlungsmittel (heute: Gold) sich im Sinn zunehmend stabiler, zeitweise wieder: steigender Bewertung entwickelte, whrend das frhere Whrungsmetall aus Grnden a) der vermehrten und verbilligten Silberproduktion,

b) der zunehmenden Demonetisierung des Silbers zunehmend im Preise, am Gold gemessen, sank. Eine echte (autogenische) Papierwhrung ist eben eine solche, bei welcher auf eine effektive Restitution der alten Einlsungsrelation in Metall gar nicht mehr gezhlt wird.


 © textlog.de 2004 08.09.2026 08:36:40
Seite zuletzt aktualisiert: 28.09.2004 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright