
9. Formale und materiale Rationalitt der Wirtschaft
9. Als formale Rationalitt eines Wirtschaftens soll hier das Ma der ihm technisch mglichen und von ihm wirklich angewendeten Rechnung bezeichnet werden. Als materiale Rationalitt soll dagegen bezeichnet werden der Grad, in welchem die jeweilige Versorgung von gegebenen Menschengruppen (gleichviel wie abgegrenzter Art) mit Gtern durch die Art eines wirtschaftlich orientierten sozialen Handelns sich gestaltet unter dem Gesichtspunkt bestimmter (wie immer gearteter) wertender Postulate, unter welchen sie betrachtet wurde, wird oder werden knnte. Diese sind hchst vieldeutig.
1. Die vorgeschlagene Art der Bezeichnung (brigens lediglich eine Przisierung dessen, was in den Errterungen ber Sozialisierung, Geld- und Natural-Rechnung als Problem immer wiederkehrt) mchte lediglich der greren Eindeutigkeit in der sprachgebruchlichen Verwendung des Wortes rational auf diesem Problemgebiet dienen.
2. Formal rational soll ein Wirtschaften je nach dem Ma heien, in welchem die jeder rationalen Wirtschaft wesentliche Vorsorge sich in zahlenmigen, rechenhaften, berlegungen ausdrkken kann und ausdrckt (zunchst ganz unabhngig davon, wie diese Rechnungen technisch aussehen, ob sie also als Geld- oder als Naturalschtzungen vollzogen werden). Dieser Begriff ist also (wenn auch, wie sich zeigen wird, nur relativ) eindeutig wenigstens in dem Sinn, da die Geldform das Maximum dieser formalen Rechenhaftigkeit darstellt (natrlich auch dies: ceteris paribus!).
3. Dagegen ist der Begriff der materialen Rationalitt durchaus vieldeutig. Er besagt lediglich dies Gemeinsame: da eben die Betrachtung sich mit der rein formalen (relativ) eindeutig feststellbaren Tatsache: da zweckrational, mit technisch tunlichst adquaten Mitteln, gerechnet wird, nicht begngt, sondern ethische, politische, utilitarische, hedonische, stndische, egalitre oder irgendwelche anderen Forderungen stellt und daran die Ergebnisse des sei es auch formal noch so rationalen, d.h. rechenhaften Wirtschaftens wertrational oder material zweckrational bemit. Der mglichen, in diesem Sinn rationalen, Wertmastbe sind prinzipiell schrankenlos viele, und die unter sich wiederum nicht eindeutigen sozialistischen und kommunistischen, in irgendeinem Grade stets: ethischen und egalitren, Wertmastbe sind selbstverstndlich nur eine Gruppe unter dieser Mannigfaltigkeit (stndische Abstufung, Leistung fr politische Macht-, insbesondere aktuelle Kriegszwecke und alle denkbaren sonstigen Gesichtspunkte sind in diesem Sinn gleich material), Selbstndig, gegenber auch dieser materialen Kritik des Wirtschaftsergebnisses, ist dagegen berdies eine ethische, asketische, sthetische Kritik der Wirtschaftsgesinnung sowohl wie der Wirtschaftsmittel mglich, was wohl zu beachten ist. Ihnen allen kann die blo formale Leistung der Geldrechnung als subaltern oder geradezu als ihren Postulaten feindlich erscheinen (noch ganz abgesehen von den Konsequenzen der spezifisch modernen Rechnungsart). Hier ist nicht eine Entscheidung, sondern nur die Feststellung und Begrenzung dessen, was formal heien soll, mglich. Material ist hier also auch selbst ein formaler , d.h. hier: ein abstrakter Gattungsbegriff.