
Erwerb, Kapitalrechnung, Kalkulation
11. Erwerben soll ein an den Chancen der (einmaligen oder regelmig wiederkehrenden: kontinuierlichen) Gewinnung von neuer Verfgungsgewalt ber Gter orientiertes Verhalten, Erwerbsttigkeit die an Chancen des Erwerbes mit orientierte Ttigkeit, wirtschaftliches Erwerben ein an friedlichen Chancen orientiertes, marktmiges Erwerben ein an Marktlagen orientiertes, Erwerbsmittel solche Gter und Chancen, welche dem wirtschaftlichen Erwerben dienstbar gemacht werden, Erwerbstausch ein an Marktlagen zu Erwerbszwecken orientierter Ab- oder Eintausch im Gegensatz zum Ab- und Eintausch fr Bedarfsdeckungszwecke (haushaltsmigem Tausch), Erwerbskredit der zur Erlangung der Verfgungsgewalt ber Erwerbsmittel gegebene und genommene Kredit heien.
Dem rationalen wirtschaftlichen Erwerben ist zugehrig eine besondere Form der Geldrechnung: die Kapitalrechnung. Kapitalrechnung ist die Schtzung und Kontrolle von Erwerbschancen und -erfolgen durch Vergleichung des Geldschtzungsbetrages einerseits der smtlichen Erwerbsgter (in Natur oder Geld) bei Beginn und andererseits der (noch vorhandenen und neu beschafften) Erwerbsgter bei Abschlu des einzelnen Erwerbsunternehmens oder, im Fall eines kontinuierlichen Erwerbsbetriebes: einer Rechnungsperiode, durch Anfangs- bzw. Abschlu- Bilanz. Kapital heit die zum Zweck der Bilanzierung bei Kapitalrechnung festgestellte Geldschtzungssumme der fr die Zwecke des Unternehmens verfgbaren Erwerbsmittel, Gewinn bzw. Verlust der durch die Abschlubilanz ermittelte Mehr- bzw. Minderbetrag der Schtzungssumme gegenber derjenigen der Anfangsbilanz, Kapitalrisiko die geschtzte Chance bilanzmigen Verlustes, wirtschaftliches Unternehmen ein an Kapitalrechnung autonom orientierbares Handeln. Diese Orientierung erfolgt durch Kalkulation: Vorkalkulation des bei einer zu treffenden Manahme zu erwartenden Risikos und Gewinns, Nachkalkulation zur Kontrolle des tatschlich eingetretenen Gewinn- oder Verlust-Erfolges. Rentabilitt bedeutet (im Rationalittsfall) 1. den, als mglich und durch die Maregeln des Unternehmers zu erstrebend, durch Vorkalkulation errechneten , 2. den laut Nachkalkulation tatschlich erzielten und ohne Schdigung knftiger Rentabilittschancen fr den Haushalt des (oder der) Unternehmers verfgbaren Gewinn einer Periode, ausgedrckt blicherweise im Quotienten- (heute: Prozent-) Verhltnis zum bilanzmigen Anfangskapital.
Kapitalrechnungsmige Unternehmungen knnen an Markterwerbschancen oder an der Ausnutzung anderer z.B. durch Gewaltverhltnisse bedingter (Steuerpacht-, Amtskauf-) Erwerbschancen orientiert sein.
Alle Einzelmanahmen rationaler Unternehmen werden durch Kalkulation am geschtzten Rentabilittserfolg orientiert. Kapitalrechnung setzt bei Markterwerb voraus: 1. da fr die Gter, welche der Erwerbsbetrieb beschafft, hinlnglich breite und gesicherte, durch Kalkulation abschtzbare, Absatzchancen bestehen, also (normalerweise): Marktgngigkeit,
2. da ebenso die Erwerbsmittel: sachliche Beschaffungsmittel und Arbeitsleistungen, hinlnglich sicher und mit durch Kalkulation errechenbaren Kosten auf dem Markt zu erwerben sind, endlich: 3. da auch die technischen und rechtlichen Bedingungen der mit den Beschaffungsmitteln bis zur Absatzreife vorzunehmenden Maregeln (Transport, Umformung, Lagerung usw.) prinzipiell berechenbare (Geld-) Kosten entstehen lassen. Die auerordentliche Bedeutung optimaler Berechenbarkeit als Grundlage optimaler Kapitalrechnung wird uns in der Errterung der soziologischen Bedingungen der Wirtschaft stets neu entgegentreten. Weit entfernt, da hier nur wirtschaftliche Momente in Betracht kmen, werden wir sehen, da uere und innere Obstruktionen verschiedenster Art an dem Umstand schuld sind, da Kapitalrechnung als eine Grundform der Wirtschaftsrechnung nur im Okzident entstand.
Die Kapitalrechnung und Kalkulation des Marktunternehmers kennt, im Gegensatz zur Haushaltsrechnung, keine Orientierung am Grenznutzen, sondern an der Rentabilitt. Deren Chancen sind ihrerseits letztlich von den Einkommensverhltnissen und durch diese von den Grenznutzen-Konstellationen der verfgbaren Geldeinkommen bei den letzten Konsumenten der genureifen Gter (an deren Kaufkraft fr Waren der betreffenden Art, wie man zu sagen pflegt) bedingt. Technisch aber sind Erwerbsbetriebsrechnung und Haushaltsrechnung ebenso grundverschieden, wie Bedarfsdeckung und Erwerb, denen sie dienen. Fr die konomische Theorie ist der Grenzkonsument der Lenker der Richtung der Produktion. Tatschlich, nach der Machtlage, ist dies fr die Gegenwart nur bedingt richtig, da weitgehend der Unternehmer die Bedrfnisse des Konsumenten weckt und dirigiert, wenn dieser kaufen kann.
Jede rationale Geldrechnung und insbesondere daher jede Kapitalrechnung ist bei Markterwerb orientiert an Preischancen, die sich durch Interessenkampf (Preis- und Konkurrenzkampf) und Interessenkompromi auf dem Markt bilden. Dies tritt in der Rentabilittsrechnung besonders plastisch bei der technisch (bisher) hchst entwickelten Form der Buchfhrung (der sog. doppelten Buchfhrung) darin hervor: da durch ein Kontensystem die Fiktion von Tauschvorgngen zwischen den einzelnen Betriebsabteilungen oder gesonderten Rechnungsposten zugrunde gelegt wird, welches technisch am vollkommensten die Kontrolle der Rentabilitt jeder einzelnen Maregel gestattet. Die Kapitalrechnung in ihrer formal rationalsten Gestalt setzt daher den Kampf des Menschen mit dem Menschen voraus. Und zwar unter einer weiteren sehr besondersartigen Vorbedingung. Fr keine Wirtschaft kann subjektiv vorhandene Bedarfsempfindung gleich effektivem, das heit: fr die Deckung durch Gterbeschaffung in Rechnung zu stellendem, Bedarf sein. Denn ob jene subjektive Regung befriedigt werden kann, hngt von der Dringlichkeitsskala einerseits, den (vorhandenen, oder, in aller Regel, dem Schwerpunkt nach: erst zu beschaffenden) zur Deckung schtzungsweise verfgbaren Gtern andererseits ab. Die Deckung bleibt versagt, wenn Nutzleistungen fr diese Bedarfsdeckung nach Deckung der an Dringlichkeit vorgehenden nicht vorhanden und gar nicht oder nur unter solchen Opfern an Arbeitskraft oder Sachgtern zu beschaffen wren, da knftige, aber schon in ihrer Gegenwartsschtzung dringlichere Bedrfnisse leiden wrden. So in jeder Konsumwirtschaft, auch einer kommunistischen.
In einer Wirtschaft mit Kapitalrechnung, also: mit Appropriation der Beschaffungsmittel an Einzelwirtschaften, also: mit Eigentum (s. Kap. I 10), bedeutet dies Abhngigkeit der Rentabilitt von den Preisen, welche die Konsumenten (nach dem Grenznutzen des Geldes gem ihrem Einkommen) zahlen knnen und wollen: es kann nur fr diejenigen Konsumenten rentabel produziert werden, welche (nach eben jenem Prinzip) mit dem entsprechenden Einkommen ausgestattet sind. Nicht nur, wenn dringlichere (eigene) Bedrfnisse, sondern auch wenn strkere (fremde) Kaufkraft (zu Bedrfnissen aller Art) vorgeht, bleibt die Bedarfsdeckung aus. Die Voraussetzung des Kampfes des Menschen mit dem Menschen auf dem Markt als Bedingung der Existenz rationaler Geldrechnung setzt also weiter auch die entscheidende Beeinflussung des Resultates durch die berbietungsmglichkeiten reichlicher mit Geldeinkommen versorgter Konsumenten und die Unterbietungsmglichkeit vorteilhafter fr die Gterbeschaffung ausgestatteter insbesondere: mit Verfgungsgewalt ber beschaffungswichtige Gter oder Geld ausgestatteter Produzenten absolut voraus. Insbesondere setzt sie effektive nicht konventionell zu irgendwelchen rein technischen Zwecken fingierte Preise und also effektives, als begehrtes Tauschmittel umlaufendes Geld voraus (nicht bloe Zeichen fr technische Betriebsabrechnungen). Die Orientierung an Geldpreischancen und Rentabilitt bedingt also, 1. da die Unterschiede der Ausstattung der einzelnen Tauschreflektanten mit Besitz an Geld oder an spezifisch marktgngigen Gtern magebend werden fr die Richtung der Gterbeschaffung, soweit sie erwerbsbetriebsmig erfolgt: indem nur der kaufkrftige Bedarf befriedigt wird und werden kann. Sie bedingt also: 2. da die Frage, welcher Bedarf durch die Gterbeschaffung gedeckt wird, durchaus abhngig wird von der Rentabilitt der Gterbeschaffung, welche ihrerseits zwar formal eine rationale Kategorie ist, aber eben deshalb materialen Postulaten gegenber sich indifferent verhlt, falls diese nicht in Form von hinlnglicher Kaufkraft auf dem Markt zu erscheinen fhig sind.
Kapitalgter (im Gegensatz zu Besitzobjekten oder Vermgensteilen) sollen alle solchen Gter heien, ber welche und solange ber sie unter Orientierung an einer Kapitalrechnung verfgt wird. Kapitalzins soll im Gegensatz zum Leihezins der verschiedenen mglichen Arten 1. die in einer Rentabilittsrechnung den sachlichen Erwerbsmitteln als normal angerechnete Mindest-Rentabilittschance, 2. der Zins, zu welchem Erwerbsbetriebe Geld oder Kapitalgter beschaffen, heien.