a. Die byzantinische Malerei


Was nun nher erstens die byzantinische Malerei anbetrifft, so hatte sich eine gewisse Kunstbung bei den Griechen noch immer erhalten, und dieser besseren Technik kamen auerdem fr Stellung, Gewandung usf. die antiken Muster zugute. Dagegen ging dieser Kunst Natur und Lebendigkeit ganz ab, in den Formen des Gesichts blieb sie traditionell, in den Figuren und Ausdrucksweisen typisch und starr, in der Anordnung mehr oder weniger architektonisch; die Naturumgebung und der landschaftliche Hintergrund fehlten, die Modellierung durch Licht und Schatten, Hell und Dunkel und deren Verschmelzung erreichte wie die Perspektive und Kunst lebendiger Gruppierung entweder gar keine oder nur eine sehr geringfgige Ausbildung. Bei solchem Festhalten an ein und demselben frh schon fertigen Typus erhielt die selbstndige knstlerische Produktion nur wenig Spielraum, die Kunst der Malerei und Musivarbeit sank hufig zum Handwerk herunter und wurde dadurch lebloser und geistloser, wenn diese Handwerker auch, wie die Arbeiter antiker Vasen, vortreffliche Vorbilder vor sich hatten, denen sie in Stellung und Faltenwurf folgen konnten. - Der hnliche Typus der Malerei bedeckte mit einer traurigen Kunst nun auch den zerstrten Westen und breitete sich vornehmlich in Italien aus. Hier aber, wenn auch zunchst in schwachen Anfngen, zeigte sich schon frh der Trieb, nicht bei abgeschlossenen Gestalten und Arten des Ausdrucks stehenzubleiben, sondern, wenn auch zunchst roh, dennoch einer hheren Entwicklung entgegenzugehen, whrend man es den byzantinischen Gemlden, wie Herr von Rumohr (Italienische Forschungen, Bd. l, S. 279)*) von griechischen Madonnen und Christusbildern sagt, auch in den gnstigsten Beispielen ansieht, da sie sogleich als Mumie entstanden waren und knftiger Ausbildung im voraus entsagt hatten. In hnlicher Weise strebten die Italiener bereits vor den Zeiten ihrer selbstndigen Kunstentwicklung in der Malerei den Byzantinern gegenber nach einer geistigeren Auffassung christlicher Gegenstnde. So fhrt z. B. der soeben genannte Forscher (Bd. l, S. 280) als einen merkwrdigen Beleg dieses Unterschiedes die Art und Weise an, in welcher Neugriechen und Italiener den Leib Christi an Kruzifixen darstellten. Die Griechen nmlich, sagt er, denen der Anblick grausamer Leibesstrafen Gewohnheit war, dachten sich den Heiland am Kreuze mit der ganzen Schwere des Leibes herabhngend, den Unterleib geschwellt und die erschlafften Knie links ausgebogen, den gesenkten Kopf mit den Qualen eines grausamen Todes ringend. Ihr Gegenstand war demnach das krperliche Leiden an sich selbst ... . Die Italiener hingegen, in deren lteren Denkmlern, wie nicht zu bersehen ist, die Darstellung sowohl der Jungfrau mit dem Kinde als des Gekreuzigten nur hchst selten vorkommt, pflegten die Gestalt des Heilandes am Kreuze aufzurichten, verfolgten also, wie es scheint, die Idee des Sieges des Geistigen, nicht wie jene des Erliegens des Krperlichen.

Diese unleugbar edlere Auffassungsart ... tritt in mehr begnstigten Kreisen des Abendlandes frh ans Licht. Mit dieser Andeutung mu ich es hier genug sein lassen.

 

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*) Karl Friedrich von Rumohr, Italienische Forschungen, 3 Bde., Berlin und Stettin 1826-31

 


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Seite zuletzt aktualisiert: 14.09.2004 
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