a. Inhalt beider Auffassungen


Was zunchst den Inhalt angeht, der sich fr die poetische Konzeption eignet, so knnen wir, relativ wenigstens, sogleich das uerliche als solches, die Naturdinge, ausschlieen; die Poesie hat nicht Sonne, Berge, Wald, Landschaften oder die uere Menschengestalt, Blut, Nerven, Muskeln usf., sondern geistige Interessen zu ihrem eigentlichen Gegenstande. Denn wie sehr sie auch das Element der Anschauung und Veranschaulichung in sich trgt, so bleibt sie doch auch in dieser Rcksicht geistige Ttigkeit und arbeitet nur fr die innere Anschauung, der das Geistige nhersteht und gemer ist als die Auendinge in ihrer konkreten sinnlichen Erscheinung. Dieser gesamte Kreis tritt deshalb in die Poesie nur ein, insofern der Geist in ihm eine Anregung oder ein Material seiner Ttigkeit findet, als Umgebung des Menschen also, als seine Auenwelt, welche nur in Beziehung auf das Innere des Bewutseins einen wesentlichen Wert hat, nicht aber auf die Wrde Anspruch machen darf, fr sich selbst der ausschlieliche Gegenstand der Poesie zu werden. Ihr entsprechendes Objekt dagegen ist das unendliche Reich des Geistes. Denn das Wort, dies bildsamste Material, das dem Geiste unmittelbar angehrt und das allerfhigste ist, die Interessen und Bewegungen desselben in ihrer inneren Lebendigkeit zu fassen, mu, wie es in den brigen Knsten mit Stein, Farbe, Ton geschieht, auch vorzglich zu dem Ausdrucke angewendet werden, welchem es sich am meisten gem erweist.

Nach dieser Seite wird es die Hauptaufgabe der Poesie, die Mchte des geistigen Lebens, und was berhaupt in der menschlichen Leidenschaft und Empfindung auf und nieder wogt oder vor der Betrachtung ruhig vorberzieht, das alles umfassende Reich menschlicher Vorstellung, Taten, Handlungen, Schicksale, das Getriebe dieser Welt und die gttliche Weltregierung zum Bewutsein zu bringen. So ist sie die allgemeinste und ausgebreiteteste Lehrerin des Menschengeschlechts gewesen und ist es noch. Denn Lehren und Lernen ist Wissen und Erfahren dessen, was ist. Sterne, Tiere, Pflanzen wissen und erfahren ihr Gesetz nicht; der Mensch aber existiert erst dem Gesetze seines Daseins gem, wenn er wei, was er selbst und was um ihn her ist; er mu die Mchte kennen, die ihn treiben und lenken, und solch ein Wissen ist es, welches die Poesie in ihrer ersten substantiellen Form gibt.


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Seite zuletzt aktualisiert: 14.09.2004 
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