Angebliche Anstze zur Wandlung der rmischrechtlichen Grundstze.


Im allgemeinen mu dies entschieden in Abrede gestellt werden, fr das Gebiet des Privatrechts unbedingt.

Man knnte in einzelnen Bestimmungen eine Ueberschreitung jener Grenzen finden wollen. So wenn dem socius das Recht gegeben wird D 63 5 pro socio bei Zahlungsunfhigkeit eines socius sich an diejenigen anderen socii zu halten, welche ihren Teil von demselben voll beigetrieben haben.

Diese anscheinende berschreitung der rein quotenmigen Regelung des Verhltnisses ist indessen nur eine Konsequenz der Natur der actio pro socio, bei welcher es handelt sich nur um das Verhltnis unter den socii die bona fides gleichmige Teilung der Verluste fordert.

Rler6 hat ferner D. 44 1 de aed. ed. herangezogen: Proponitur actio ex hoc Edicto in eum, cujus maxima pars in venditione fuit, quia plerumque venaliciarii ita societatem count, ut quid-quid agant, in commune videantur agere; aequum enim Aedilibus visum est, vel in unum ex his, cujus major pars, aut nulla parte minor esset, aedilicias actiones competere, ne cogatur emptor cum singulis litigare. In der Tat liegt in dieser, der Praxis des Marktgerichts entwachsenen Bestimmung eine von den Juristen durch die prsumtive Interessengemeinschaft der venaliciarii als billig motivierte, juristisch nicht weiter analysierbare Singularitt vor, deren Grundlage im Soziettsrecht nicht zu suchen ist. Die prsumtive Soziett wird nicht als rechtliches Fundament der erweiterten Klage, sondern nur als legislatorisches Motiv der Aedilen dargestellt.

Schon eher knnte das Verhltnis der plures argentarii als eine wirkliche Modifikation der rmischen Auffassung gelten. Die davon handelnden Quellenstellen7 ergeben in der Tat eine wohl aus Besonderheiten des Litteralkontrakts und der Buchfhrung (nomina simul facta) der Bankiers hervorgehende Rechtsbildung, jedoch nicht eigentlich ein Institut des Soziettsrechts. Das Bestehen einer Soziett wird nicht als der Rechtsgrund hervorgehoben.

Tatschlich aus dem Rechtsgrund der Soziett hervorgehende Solidarberechtigungen enthlt dagegen anscheinend das Statut der latinischen Colonia Malaca8 in der, hinsichtlich der Bedeutung des Ausdrucks socius freilich nicht zweifelsfreien Bestimmung: Lex Malac. c. 65 (es handelt sich um den Verkauf der praedes praediaque):

... ut ei qui eos praedes cognitores ea praedia mercati erunt praedes socii heredesque eorum i[i]que ad quos ea res pertinebit de is rebus agere easque res petere persequi recte possit.

Also: der socius des Kufers hat eine direkte Klage wie der heres. Zu bercksichtigen ist, da wir uns auf dem Boden des Verwaltungsrechts befinden und ein durch die Hand des Magistrats geschlossener Kontrakt vorliegt. Wie weit hier die besondere Natur der ffentlichrechtlichen leges contractus9 einwirkt, und daher das Privatrecht zessiert, steht dahin10.

Auf dem Boden des Privatrechts11 finden wir jedenfalls auch im sptrmischen und im Recht der Basiliken und ihrer Scholien12 noch keine Modifikationen der alten Grundstze. Da jene erwhnten Spezialrechtsstze oder da lokale Rechtsbildungen des Vulgrrechts. Anknpfungspunkte fr die sptere, dem mittelalterlichen Groverkehr angehrige Entwicklung der von uns zu behandelnden Institute geboten haben sollten, dafr fehlt zum mindesten jeder Anhalt.

 

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6 Zeitschr. fr Handelsr. Bd. 4.

7 D. 9 pr. de pactis: Si plures sint, qui eandem actionem habent, unius loco habentur. Ut uta plures sunt rei stipulandi vel plures argentarii, quorum nomina simul facta sunt ... unum debitum est, und D. 34 pr. de recept. (III, 8): Si duo rei sunt aut credendi aut debendi et unus compromiserit ... videndum est, an si alius petat, vel ab alio petatur, poena committatur. Idem est in duobus argentariis, quorum nomina simul eunt (erunt Hal.).

8 Vgl. Mommsen, Stadtrechte zu der im folgenden zit. Stelle.

9 Vgl. Heyrowsky, Die leges contractus.

10 In der Kaiserzeit begegnet die entsprechende Bestimmung auch sonst, vgl. lex Metalli Vipascensis Z. 5 ( Bruns, Fontes p. 247) conductori socio actorive ejus und weiter passim. Aus republikanischer Zeit ist mir Aehnliches nicht bekannt. Die lex Julia municip. Z. 49 (Bruns, Fontes p. 104) spricht nur von redemptorei, quoi e lege locationis dari oportebit, heredeive eius im verwandten Fall.

11 Mit Lastigs in der zit. Abh. skizzierter historischer Ansicht uns auseinanderzusetzen fehlt vor umfangreicherer Darlegung derselben die Veranlassung und hier der Raum. Ob die Herbeiziehung des Kollationsrechts ein glcklicher Gedanke ist, mu dahinstehen, bekanntlich ist dasselbe ein relativ nicht altes Institut.

12 Bemerkenswert knnte sein, da daselbst societas auch den Inhalt der arca communis, den Soziettsfonds bezeichnet, entsprechend, wie spter in Italien. Doch findet sich dieser abgekrzte Ausdruck schon D. 63 3 pro socio z.B.

 


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Seite zuletzt aktualisiert: 14.09.2004 
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