c. Wiederherstellung der Ehre


Dadurch ist jede Ehrenverletzung als etwas in sich selbst Unendliches angesehen und kann deswegen nur auf unendliche Weise gutgemacht werden. Zwar gibt es auch wieder viele Grade der Beleidigung und ebensoviel Grade der Satisfaktion; was ich aber berhaupt in diesem Kreise als eine Verletzung nehme, inwieweit ich mich als beleidigt empfinden und eine Genugtuung fordern will, das hngt auch hier wieder ganz von der subjektiven Willkr ab, die bis zur skrupulsesten Reflexion und gereiztesten Empfindlichkeit fortzugehen das Recht hat. Bei solch einer Genugtuung, die gefordert ist, mu dann der Verletzende, ebenso wie ich selbst, als ein Ehrenmann anerkannt werden. Denn ich will die Anerkennung meiner Ehre von selten des anderen; um nun aber Ehre fr ihn und durch ihn zu haben, mu er mir selbst als ein Mann von Ehre, d. h. er mu mir, der Verletzung, die er mir angetan, und meiner subjektiven Feindschaft gegen ihn unerachtet, in seiner Persnlichkeit als ein Unendliches gelten.

So ist es denn im Prinzip der Ehre berhaupt eine Grundbestimmung, da keiner durch seine Handlungen irgendwem ein Recht ber sich geben darf und deshalb, was er auch getan und begangen haben mag, sich nach wie vor als ein unverndertes Unendliches betrachtet und in dieser Qualitt genommen und behandelt sein will.

Da nun die Ehre in ihren Streitigkeiten und ihrer Genugtuung in dieser Rcksicht auf der persnlichen Selbstndigkeit beruht, die sich durch nichts beschrnkt wei, sondern aus sich selbst handelt, so sehen wir hier das zuerst wieder herausgekehrt, was bei den heroischen Gestalten des Ideals eine Grundbestimmung ausmachte, die Selbstndigkeit der Individualitt. In der Ehre aber haben wir nicht nur das Festhalten an sich selber und das Handeln aus sich, sondern die Selbstndigkeit ist hier verbunden mit der Vorstellung von sich selbst, und diese Vorstellung gerade macht den eigentlichen Inhalt der Ehre aus, so da sie in dem uerlichen und Vorhandenen das Ihrige und sich darin ihrer ganzen Subjektivitt nach vorstellt. Die Ehre ist somit die in sich reflektierte Selbstndigkeit, welche nur diese Reflexion zu ihrem Wesen hat und es schlechthin zufllig lt, ob ihr Inhalt das in sich selbst Sittliche und Notwendige oder das Zufllige und Bedeutungslose ist.


 © textlog.de 2004 07.09.2026 09:23:38
Seite zuletzt aktualisiert: 14.09.2004 
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