3. Die Attribute der Substanz: Geist (Denken) und Krper (Ausdehnung)


Die Substanz, Gott oder die Natur, tritt, wie wir sahen, in unendlich vielen Eigenschaften oder Attributen auf. Wir Menschen knnen jedoch nur zwei derselben deutlich und klar erkennen: Denken (Bewutsein, Geist) und Ausdehnung (Krper, Materie). Der zweite Teil der Ethik handelt De mente, genauer von der Natur und dem Ursprung des Geistes Auch er beginnt mit (7) Definitionen.

Krper heit diejenige Art (modus), welche Gottes Wesen, insoweit es als Ausdehnung (res extensa) betrachtet wird, auf sichere und bestimmte Weise ausdrckt. Zum Wesen eines Dinges gehrt das, wodurch es notwendig gesetzt wird. Idee ist der vom Geist gebildete Begriff (conceptus, nicht perceptio); sie heit adquat, wenn sie alle Eigenschaften einer wahren Idee besitzt. Dauer bezeichnet eine unbestimmte Fortsetzung der Existenz, Realitt ist = Vollkommenheit; Einzeldinge (res singulares) sind diejenigen Dinge, die bestimmt sind und eine abhngige Existenz haben.

Gott ist ein denkendes, aber zugleich ausgedehntes Wesen und als solches die bewirkende Ursache aller Ideen und Krper (Dinge); d.h. die Ideen folgen nur aus seinem Denken, die Dinge nur aus seiner Ausdehnung. Aber die Ordnung und der Zusammenhang der Ideen ist mit der Ordnung und dem Zusammenhang der Dinge identisch; der blo gedachte und der ausgedehnte Kreis z.B. sind eine und dieselbe Sache, nur auf verschiedene Weise aufgefat. Der Mensch ist, weil seine Existenz nicht notwendig ist, selbst keine Substanz, sondern nur ein Modus (Art, sich auszudrcken) der Gottheit, als solcher mithin ebenfalls zugleich denkend und ausgedehnt. Der menschliche Krper ist ein Objekt des menschlichen Geistes. Alle Krper bewegen sich langsamer oder schneller oder ruhen; die einfachsten sind diejenigen, welche sich nur durch diesen ihren verschiedenen Bewegungsgrad voneinander unterscheiden. Durch die Zusammensetzung gleicher Teile entsteht ein Individuum. Der menschliche Krper besteht aus sehr vielen Individuen verschiedener Art (harten, weichen und flssigen), von denen ein jedes wieder sehr zusammengesetzt ist und von ueren Dingen auf mannigfaltige Weise beeinflut wird, wie es seinerseits auf dieselben Einflu hat. Alles, was seinen Krper betrifft, nimmt auch der Geist des Menschen wahr. Wie der Krper von einem oder mehreren ueren Gegenstnden affiziert wird, so auch der Geist; nur auf diese Weise z.B. vermag letzterer die Existenz des menschlichen Krpers selbst zu erkennen. Der Geist ist die Idee des Krpers. Wie der Krper sich zum Geist verhlt (nmlich mit ihm geeint und zugleich sein Objekt), so verhlt sich der Geist wiederum zur Idee des Geistes (wir wrden heute sagen: dem Selbstbewutsein). Der Geist erkennt sich selbst nur, insofern er die Vorstellungen von krperlichen Affektionen fat. Eine adquate, klare und deutliche Erkenntnis freilich des menschlichen Krpers wie der ueren Gegenstnde knnen diese Vorstellungen ebensowenig verschaffen, wie die Vorstellung dieser Vorstellungen dies bewirkt, sondern nur eine verworrene.

Desgleichen haben wir von der Dauer unseres eigenen Krpers wie der Einzeldinge nur eine hchst unvollkommene Vorstellung. Dagegen sind alle Vorstellungen wahr, d.h. stimmen mit dem Vorgestellten (ideatum) vollkommen berein, sofern sie in Gott sind, d. i. auf die eine unendliche Substanz bezogen werden. brigens sind beide, die adquaten wie die inadquaten, Vorstellungen dem Kausalnexus (der necessitas) unterworfen, und Vorstellungen, die aus adquaten folgen, sind selbst adquat.


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Seite zuletzt aktualisiert: 30.10.2006 
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