2. Friedrich Engels


Whrend Marx mit der Fertigstellung seines konomischen Systems (im Kapital) beschftigt war, berlie er den philosophischen und naturwissenschaftlichen Ausbau sowie die Popularisierung des historischen Materialismus seinem vertrauten Freunde Friedrich Engels (aus Barmen, 1820-96), der vorher bereits Die Lage der arbeitenden Klassen in England (1843) geschildert und mit Marx zusammen die Streitschrift gegen Bruno Bauer und Konsorten: Die Heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik (1845)*), sowie das Kommunistische Manifest (s. oben) abgefat hatte. Engels' Buch Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats (1884, jetzt in 13. Auflage) gibt im Anschlu an die prhistorischen Forschungen des Amerikaners L. H. Morgan eine Ergnzung der sozialen Entwicklungsgeschichte des Kapital durch die hinzugefgte Darstellung der vor- oder urgeschichtlichen Periode. Philosophisch wichtiger ist die Streitschrift gegen Dhring (s. 77): Herrn Eugen Dhrings Umwlzung der Wissenschaft (1878, jetzt in 7. Auflage), heute gewhnlich kurz als Antidhring bezeichnet, die, obschon zunchst scharfe Polemik, doch eine mehr oder minder zusammenhngende Darstellung der von Marx und mir vertretenen dialektischen Methode und kommunistischen Weltanschauung, und dies auf einer ziemlich umfassenden Reihe von Gebieten gibt (Vorwort S. XI f.). Als philosophisch interessant heben wir aus dem - in der 2. Auflage neubearbeiteten - Abschnitt Theoretisches folgende, die Selbstndigkeit des Menschen gegenber der Natur besonders deutlich hervorhebende Stelle hervor: Mit der Besitzergreifung der Produktionsmittel durch die Gesellschaft ist die Warenproduktion beseitigt und damit die Herrschaft des Produkts ber die Produzenten..., die nun zum erstenmal bewute, wirkliche Herren der Natur, weil und indem sie Herren ihrer eigenen Vergesellschaftung werden... Erst von da an werden die Menschen ihre Geschichte mit vollem Bewutsein selbst machen... Es ist der Sprung der Menschheit aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit (3. Aufl. S. 305 f.).

Es sei bei dieser Gelegenheit bemerkt, dass die historischen Materialisten, obwohl von dem franzsischen Materialismus des 18. Jahrhunderts beeinflut, sich doch von dem vulgren naturphilosophischen Materialismus der Bchner, Vogt usw. stets sorgfltig geschieden, vielmehr als Erben der klassischen Philosophie von Kant, Fichte, Hegel betrachtet haben. Ferner, dass die materialistische Geschichtsauffassung nicht als Dogma, sondern als Methode gemeint ist und von Marx ausdrcklich nur als Leitfaden fr seine Studien bezeichnet wird. Endlich hat Engels im letzten Jahrzehnt seines Lebens - und zwar ausdrcklich auch als die Ansicht seines verstorbenen Freundes Marx von jeher - erklrt, dass das konomische Moment nicht das einzige, sondern nur das in letzter Instanz bestimmende Moment der sozial-geschichtlichen Entwicklung sei; je mehr politisch-juristisch-philosophisch-religiser berbau sich entwickle, desto mehr trete eine Wechselwirkung zwischen allen diesen Momenten ein. Den ideologischen Faktoren wird eine relative Selbstndigkeit, ein rckwirkender Einflu auf die ganze gesellschaftliche Entwicklung, selbst auf die konomische, zugesprochen.

 

___________________

*) Diese Abhandlung findet man jetzt mit den brigen Jugendschriften und -aufstzen beider Freunde am besten in dem mit ausfhrlichen, gut orientierenden Einleitungen und Anmerkungen versehenen Sammelwerke von Franz Mehring, Aus dem literarischen Nachla von Karl Marx, Friedrich Engels und Ferd. Lassalle, 4 Bde., Stuttg. 1902. Der 4. Band enthlt Lassalles Briefe an Marx. Dazu ist Herbst 1913 der gesamte Briefwechsel zwischen F. Engels und K. Marx, 4 Bde., hsg. von A. Bebel und E. Bernstein, getreten.


 © textlog.de 2004 06.09.2026 16:04:57
Seite zuletzt aktualisiert: 31.10.2006 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright