c) Krause


8. Krause und seine Anhnger. K. Chr. Fr. Krause (1781 - 1832), aus Eisenberg in Sachsen-Altenburg, hrte in Jena Fichte und Schelling, war Privatdozent daselbst 1802 - 05, 1814 kurze Zeit in Berlin, 1824 bis 1831 in Gttingen und starb 1832 zu Mnchen in Drftigkeit. Er verkndet eine Philosophie des Absoluten, die von Gott oder dem Wesen als Grundschauung ausgeht, also eine All-in-Gott-Lehre (Panentheismus), welche zeigt, wie die als Persnlichkeit zu denkende Gottheit an und in dem Proze der gesamten endlichen Dinge sich entwickelt oder: wie die Welt in, unter und durch Gott ist. Seine Grundwissenschaft unterscheidet zwei Lehrgnge: 1. einen von der Selbstschauung zu Gott analytisch-aufsteigenden und 2. einen von der Wesenschauung synthetischabsteigenden. Gott ist das ungegenheitliche, das Or-Wesen oder Wesen-als-Urwesen Die Welt, der Wesengliedbau, wird, hnlich wie bei Schelling und Baader, durch eine innere Entgegensetzung der Wesenheit im Urwesen abgeleitet. Die Natur ist die Offenbarung des einen inneren Lebens, die wahre Naturansicht daher die dynamische. Die Hauptsache ist ihm jedoch die Vereinwesenlehre (Anthropologie) mit der sich ihr anschlieenden Religions-, Sittenund Rechtslehre und Geschichtsphilosophie. Ihrer aller Quell ist Gott. Religion ist Verein des Menschenlebens mit dem Leben Gottes; das oberste Gebot der an Kant sich anlehnenden Sittenlehre: Wolle du selbst und tue das Gute als das Gute, ahme Gott nach im Leben!

Als beste Leistung Krauses gilt seine Rechtsphilosophie, wenn sich auch mit seiner Definition des Rechts als des Gliedbaus aller zeitlich freien Lebensbedingnisse des inneren Selblebens Gottes und in und durch selbiges auch des wesengemen Selblebens und Vereinlebens aller Wesen mit Gott methodisch wenig anfangen lt. Das Recht soll nicht auf die Bedingungen des ueren Freiheitsgebrauchs beschrnkt sein, sondern das Gesamtleben der Menschheit so ordnen, dass jeder sich ungehindert dem Endziele der sittlichen Vollendung nhern kann: sowohl die einzelnen wie ihre Vereinigungen in Ehe-, Freund -, Ort-, Stamm-, Volkvereinen, in Wissenschafts-, Kunst-, Tugend- und anderen Bnden. Die Geschichtsphilosophie legt dar, wie der Gliedbau der Ideen in der Zeit sich darbildet, wie jede Gemeinschaft die Lebensalter der Kindheit (Keimalter), Jugend (Wachsalter), Reife, Hochreife (Gegenjugend) und Greisalter (Gegenkindheit) durchmacht. Das schne, aber phantastische Ideal, das der arme, trotz aller bitteren Enttuschungen in seinem unerschtterlichen Optimismus verharrende Philosoph sich in seiner weltabgewandten Studierstube ausgedacht, war ein die ganze Welt Umfassender Menschheitsbund (vgl. Das Urbild der Menschheit, 1811), dessen Keime er eine Zeitlang in der Freimaurerei erblickte.

Whrend Krause bei seinen Lebzeiten und in seinem Vaterlande fast unbeachtet blieb, verbreitete sein Schler Ahrens (1808 - 1874, zuletzt Professor in Leipzig) die Lehre des Meisters in Frankreich und Belgien, und del Rio ( 1869) mit noch mehr Erfolg in Spanien, wo noch heute die Gegner der Scholastik und des Jesuitismus unter den Universittslehrern in der Regel als Krausistas bezeichnet werden. In den letzten Jahrzehnten versuchten einige begeisterte Anhnger (Leonhardi, Rder, Hohlfeld, Wnsche u. a.) auch in Deutschland Krauses Philosophie zu neuem Leben zu erwecken, indem sie aus dem schier unerschpflichen Nachla des Philosophen eine wahre Flut von greren und kleineren Schriften verffentlicht haben; bisher indes mit geringem Erfolg.


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Seite zuletzt aktualisiert: 29.10.2006 
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