
Die Kulturreligionen und der Kapitalismus
Kapitalismus hat es auf dem Boden aller dieser Religiositten gegeben. Eben solchen, wie es [ihn] in der okzidentalen Antike und im abendlndischen Mittelalter auch gab. Aber keine Entwicklung, auch keine Anstze einer solchen, zum modernen Kapitalismus und vor allem: keinen kapitalistischen Geist in dem Sinn, wie er dem asketischen Protestantismus eignete. Es hiee den Tatsachen in das Gesicht schlagen, wollte man dem indischen oder chinesischen oder islmischen Kaufmann, Krmer, Handwerker, Kuli einen geringeren Erwerbstrieb zuschreiben als etwa dem protestantischen. So ziemlich das gerade Gegenteil ist wahr: gerade die rationale ethische Bndigung der Gewinnsucht ist das dem Puritanismus Spezifische. Und jede Spur eines Beweises dafr fehlt: da geringere natrliche Begabung fr technischen und konomischen Rationalismus den Grund des Unterschieds abgebe. Alle diese Vlker lassen sich heute eben dies Gut als wichtigstes Erzeugnis des Okzidents importieren, und die Hemmungen dabei liegen nicht auf dem Gebiet des Knnens oder Wollens, sondern der gegebenen festen Traditionen, ebenso wie bei uns im Mittelalter. Soweit dabei nicht die spter zu errternden rein politischen Bedingungen (die inneren Strukturformen der Herrschaft) mitspielen, ist der Grund vornehmlich in der Religiositt zu suchen. Nur der asketische Protestantismus machte der Magie, der Auerweltlichkeit der Heilssuche und der intellektualistischen kontemplativen Erleuchtung als deren hchster Form wirklich den Garaus, nur er schuf die religisen Motive, gerade in der Bemhung im innerweltlichen Beruf und zwar im Gegensatz zu der streng traditionalistischen Berufskonzeption des Hinduismus: in methodisch rationalisierter Berufserfllung das Heil zu suchen. Fr die asiatische volkstmliche Religiositt jeder Art blieb dagegen die Welt ein groer Zaubergarten, die Verehrung oder Bannung der Geister oder ritualistische, idolatrische, sakramentale Heilssuche der Weg, sich in ihr, fr das Diesseits und Jenseits, praktisch zu orientieren und zu sichern. Und so wenig wie von der Weltanpassung des Konfuzianismus oder der Weltablehnung des Buddhismus oder der Weltwaltung des Islm oder den Pariahoffnungen und dem konomischen Pariarecht des Judentums fhrte von jener magischen Religiositt der asiatischen Nichtintellektuellen ein Weg zur rationalen Lebensmethodik.