
3. Gottesbegriff. Religise Ethik. Tabu
Die einfachste Frage: ob man einen bestimmten Gott oder Dmon berhaupt durch Zwang oder Bitte zu beeinflussen versuchen soll, ist zunchst lediglich eine Frage des Erfolgs. Wie der Zauberer sein Charisma, so hat der Gott seine Macht zu bewhren. Zeigt sich der Versuch der Beeinflussung dauernd nutzlos, so ist entweder der Gott machtlos oder die Mittel seiner Beeinflussung sind unbekannt, und man gibt ihn auf. In China gengen noch heute wenige eklatante Erfolge, um einem Gtterbild den Ruf, Macht (Shen, Ling) zu besitzen, und damit die Frequenz der Glubigen zu verschaffen. Der Kaiser als Vertreter der Untertanen gegenber dem Himmel verleiht den Gttern im Fall der Bewhrung Titel und andere Auszeichnungen. Aber wenige eklatante Enttuschungen gengen eventuell, einen Tempel fr immer zu leeren. Der historische Zufall, da der, aller Wahrscheinlichkeit spottende, felsenfeste Prophetenglaube des Jesaia: sein Gott werde Jerusalem, wenn nur der Knig fest bleibe, dem Assyrerheer nicht in die Hnde fallen lassen, wirklich eintraf, war das seitdem unerschtterliche Fundament der Stellung dieses Gottes sowohl wie seiner Propheten. Nicht anders erging es schon dem pranimistischen Fetisch und dem Charisma des magisch Begabten. Erfolglosigkeit bt der Zauberer eventuell mit dem Tode. Eine Priesterschaft ist ihm gegenber dadurch im Vorteil, da sie die Verantwortung der Mierfolge von sich persnlich auf den Gott abschieben kann. Aber mit dem Prestige ihres Gottes sinkt auch das ihrige. Es sei denn, da sie Mittel findet, diese Mierfolge berzeugend so zu deuten, da die Verantwortung dafr nicht mehr auf den Gott, sondern auf das Verhalten seiner Verehrer fllt. Und auch dies ermglicht die Vorstellung vom Gottesdienst gegenber dem Gotteszwang. Die Glubigen haben den Gott nicht gengend geehrt, seine Begierde nach Opferblut oder Somasaft nicht gengend gestillt, womglich ihn darin zugunsten anderer Gtter zurckgesetzt. Daher erhrt er sie nicht. Aber unter Umstnden hilft auch erneute und gesteigerte Verehrung nicht: die Gtter der Feinde bleiben die strkeren. Dann ist es um seine Reputation geschehen. Man fllt zu diesen strkeren Gttern ab, es sei denn, da es auch jetzt noch Mittel gibt, das renitente Verhalten des Gottes derart zu motivieren, da sein Prestige nicht gemindert, ja sogar noch gefestigt wird. Auch solche Mittel auszudenken ist aber einer Priesterschaft unter Umstnden gelungen. Am eklatantesten derjenigen Jahves, dessen Beziehung zu seinem Volke sich aus Grnden, die noch zu errtern sein werden, um so fester knpfte, in je tieferes Ungemach es verstrickt wurde. Damit dies aber geschehen knne, bedarf es zunchst der Entwicklung einer Reihe von neuen Attributen des Gttlichen.
Den anthropomorphisierten Gttern und Dmonen kommt zunchst eine eigentlich qualitative berlegenheit dem Menschen gegenber nur relativ zu. Ihre Leidenschaften sind malos wie die starker Menschen, und malos [ist] ihre Gier nach Genu. Aber sie sind weder allwissend, noch allmchtig im letzteren Fall knnten ihrer ja nicht mehrere sein , noch auch, weder in Babylon noch bei den Germanen, notwendig ewig: nur wissen sie sich oft die Dauer ihrer glanzvollen Existenz durch magische Speisen oder Trnke, die sie sich vorbehalten haben, zu sichern, so wie ja auch der Zaubertrank des Medizinmannes den Menschen das Leben verlngert. Qualitativ geschieden werden unter ihnen die fr die Menschen ntzlichen von den schdlichen Mchten und natrlich die ersteren regelmig als die guten und hheren Gtter, die man anbetet, den letzteren entgegengesetzt als den niederen Dmonen, die nun oft mit allem Raffinement einer irgend ausdenkbaren, verschmitzten Tcke ausgestattet, nicht angebetet, sondern magisch gebannt werden. Aber nicht immer vollzieht sich eine Scheidung auf dieser Basis und erst recht nicht immer in Form einer solchen Degradation der Herren der schdlichen Mchte zu Dmonen. Das Ma von kultischer Verehrung, welches Gtter genieen, hngt nicht von ihrer Gte und auch nicht einmal von ihrer universellen Wichtigkeit ab. Gerade den ganz groen guten Gttern des Himmels fehlt ja oft jeder Kultus, nicht weil sie dem Menschen zu fern sind, sondern weil ihr Wirken zu gleichmig und durch seine feste Regelmigkeit auch ohne besondere Einwirkung gesichert erscheint. Mchte von ziemlich ausgeprgt diabolischem Charakter dagegen, wie etwa der Seuchengott Rudra in Indien, sind nicht immer die schwcheren gegenber den guten Gttern, sondern knnen mit ungeheurer Machtflle bekleidet werden.


Inhalt:
|
|
