Prophet im Gegensatz zum Priester und Zauberer


Beides kann ineinander bergehen, und insbesondere ist nicht die Absicht des Propheten selbst magebend dafr, ob aus seiner Verkndigung eine neue Gemeinschaft entsteht; dazu knnen auch die Lehren unprophetischer Reformatoren den Anla geben. Auch ob mehr die Anhngerschaft an die Person wie bei Zarathustra, Jesus, Muhammed, oder mehr an die Lehre als solche wie bei Buddha und der israelitischen Prophetie hervortritt, soll uns in diesem Zusammenhang nichts angehen. Entscheidend ist fr uns die persnliche Berufung. Das scheidet ihn vom Priester. Zunchst und vor allem, weil dieser im Dienst einer heiligen Tradition, der Prophet dagegen [ zufolge] persnlicher Offenbarung oder kraft [seines] Charisma Autoritt beansprucht. Es ist kein Zufall, da, mit verschwindenden Ausnahmen, kein Prophet aus der Priesterschaft auch nur hervorgegangen ist. Die indischen Heilslehrer sind regelmig keine Brahmanen, die israelitischen keine Priester, und nur Zarathustra knnte vielleicht aus Priesteradel stammen. Im Gegensatz zum Propheten spendet der Priester Heilsgter kraft seines Amtes. Freilich kann das Priesteramt an ein persnliches Charisma geknpft sein. Aber auch dann bleibt der Priester als Glied eines vergesellschafteten Heilsbetriebs durch sein Amt legitimiert, whrend der Prophet ebenso wie der charismatische Zauberer lediglich kraft persnlicher Gabe wirkt. Vom Zauberer unterscheidet er sich dadurch, da er inhaltliche Offenbarungen verkndet, der Inhalt seiner Mission nicht in Magie, sondern in Lehre oder Gebot besteht. uerlich ist der bergang flssig. Der Zauberer ist sehr hufig Divinationskndiger, zuweilen nur dies. Die Offenbarung funktioniert in diesem Stadium kontinuierlich als Orakel oder als Traumeingebung. Ohne Befragung der Zauberer kommen Neuregelungen von Gemeinschaftsbeziehungen ursprnglich kaum irgendwo zustande. In Teilen Australiens sind es noch heute nur die im Traum eingegebenen Offenbarungen von Zauberern, welche den Versammlungen der Sippenhupter zur Annahme unterbreitet werden, und es ist sicherlich eine Skularisation, wenn dies dort vielfach schon jetzt fortgefallen ist. Und ferner: ohne jede charismatische, und das heit normalerweise: magische, Beglaubigung hat ein Prophet nur unter besonderen Umstnden Autoritt gewonnen. Zum mindesten die Trger neuer Lehren haben ihrer fast immer bedurft. Es darf keinen Augenblick vergessen werden, da Jesus seine eigene Legitimation und den Anspruch, da er und nur er den Vater kenne, da nur der Glaube an ihn der Weg zu Gott sei, durchaus auf das magische Charisma sttzte, welches er in sich sprte, da dieses Machtbewutsein weit mehr als irgend etwas anderes es zweifellos auch war, was ihn den Weg der Prophetie betreten lie. Die Christenheit des apostolischen und nachapostolischen Zeitalters kennt den wandernden Propheten als eine regulre Erscheinung. Immer wird dabei der Beweis des Besitzes der spezifischen Gaben des Geistes, bestimmter magischer oder ekstatischer Fhigkeiten verlangt. Sehr oft wird die Divination ebenso wie die magische Therapeutik und Beratung berufsmig ausgebt. So von den im Alten Testament, besonders in den Chroniken und prophetischen Bchern, massenhaft erwhnten Propheten (nabi, neb'm). Aber eben von ihnen unterscheidet sich der Prophet im hier gemeinten Sinn des Worts rein konomisch: durch die Unentgeltlichkeit seiner Prophetie. Zornig wehrt sich Amos dagegen, ein nabi genannt zu werden. Und der gleiche Unterschied besteht auch gegenber den Priestern. Der typische Prophet propagiert die Idee um ihrer selbst willen, nicht wenigstens nicht erkennbar und in geregelter Form um Entgelts willen. Die Unentgeltlichkeit der prophetischen Propaganda, z.B. der ausdrcklich festgehaltene Grundsatz: da der Apostel, Prophet, Lehrer des alten Christentums kein Gewerbe aus seiner Verkndigung mache, nur kurze Zeit die Gastfreundschaft seiner Getreuen in Anspruch nehme, entweder von seiner Hnde Arbeit oder (wie der Buddhist) von dem ohne ausdrckliche Bitte Gegebenen leben mu, wird in den Episteln des Paulus (und, in jener anderen Wendung, in der buddhistischen Mnchsregel) immer erneut mit grtem Nachdruck betont (wer nicht arbeitet, soll nicht essen gilt den Missionaren) und ist natrlich auch eines der Hauptgeheimnisse des Propagandaerfolges der Prophetie selbst.

Die Zeit der lteren israelitischen Prophetie, etwa des Elia, ist in ganz Vorderasien und auch in Hellas eine Epoche stark prophetischer Propaganda gewesen. Vielleicht im Anschlu an die Neubildung der groen Weltreiche in Asien und die nach lngerer Unterbrechung wieder zunehmende Intensitt des internationalen Verkehrs beginnt, namentlich in Vorderasien, die Prophetie in allen ihren Formen. Griechenland ist damals der Invasion des thrakischen Dionysoskultes ebenso wie der allerverschiedensten Prophetien ausgesetzt gewesen. Neben den halbprophetischen Sozialreformern brachen rein religise Bewegungen in die schlichte magische und kultische Kunstlehre der homerischen Priester ein. Emotionale Kulte ebenso wie die emotionale, auf Zungenreden beruhende Prophetie und die Schtzung der Rauschekstasen brachen die Entwicklung von theologisierendem Rationalismus. (Hesiod) und der Anfnge der kosmogonischen und philosophischen Spekulationen, der philosophischen Geheimlehren und Erlsungsreligionen und gingen parallel mit der berseeischen Kolonisation und vor allem der Polisbildung und Umbildung auf der Basis des Brgerheeres. Wir haben hier diese von Rohde glnzend analysierten Vorgnge des 8. und 7. Jahrhunderts, die teilweise bis ins 6. und selbst 5. Jahrhundert hinabreichen also zeitlich sowohl der jdischen wie der persischen wie der indischen Prophetie, wahrscheinlich auch den uns nicht mehr bekannten vorkonfuzianischen Leistungen der chinesischen Ethik, darin entsprachen nicht zu schildern. Sowohl was die konomischen Merkmale: Gewerbsmigkeit oder nicht, betrifft, und was das Vorhandensein einer Lehre anlangt, sind diese hellenischen Propheten untereinander sehr verschieden. Auch der Hellene (Sokrates) unterschied gewerbsmige Lehre und unentgeltliche Ideenpropaganda. Und auch in Hellas war die einzige wirkliche Gemeindereligiositt: die orphische und ihre Erlsung durch das Merkmal einer wirklichen Heilslehre von aller anderen Art von Prophetie und Erlsungstechnik, insbesondere derjenigen der Mysterien, klar unterschieden. Wir haben hier vor allem die Typen der Prophetie von denen der sonstigen religisen oder anderen Heilbringer zu sondern.


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Seite zuletzt aktualisiert: 25.10.2004 
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