
c. Edelsteine und Glas
Diesen vornehmlichsten Arten des Materials haben wir zum Schlu noch Edelsteine und Glas beizugesellen.
Die alten Gemmen, Kameen und Pasten sind unschtzbar, indem sie uns im kleinsten Mastabe dennoch in hchster Vollendung den ganzen Umkreis der Skulptur von der einfachen Gttergestalt an durch die mannigfaltigsten Arten der Gruppierung hindurch bis zu allen mglichen Einfallen im Heiteren und Artigen hin wiederholen. Doch macht Winckelmann in betreff der Stoschischen Sammlung die Bemerkung (Bd. III, Vorrede, S. XXVII): Ich kam hier zuerst auf die Spur einer Wahrheit, die mir nachher in Erklrung der schwersten Denkmale von groem Nutzen gewesen, und diese besteht in dem Satze, da auf geschnittenen Steinen sowohl als in erhabenen Arbeiten die Bilder sehr selten von Begebenheiten genommen sind, die nach dem Trojanischen Kriege oder nach der Rckkehr des Ulysses in Ithaka vorgefallen, wenn man etwa die Herakliden oder Abkmmlinge des Herkules ausnimmt: denn die Geschichte derselben grenzt noch mit der Fabel, die der Knstler eigener Vorwurf. Es ist mir jedoch nur ein einziges Bild der Geschichte der Herakliden bekannt.
Was erstens die Gemmen betrifft, so zeigen die echten und vollendeteren Figuren von hchster Schnheit, wie organische Naturwerke, und knnen doch durch die Lupe betrachtet werden, ohne von der Reinheit ihrer Zge zu verlieren. Ich fhre dies nur deshalb an, weil die Kunsttechnik hier beinahe zu einer Kunst des Gefhls wird, indem der Knstler nicht wie der Bildhauer mit dem Auge seinem Tun zusehen und es damit regieren kann, sondern es fast im Gefhl haben mu. Denn er hlt den auf Wachs geklebten Stein gegen kleine scharfe, durch ein Schwungrad gedrehte Rdchen und lt so die Formen ausschrfen. In dieser Weise ist es der Tastsinn, der die Konzeption, die Intention der Striche und Zeichnung innehat und so vollkommen dirigiert, da man bei diesen Steinen, wenn man sie durchs Lift sieht, eine erhobene Arbeit vor sich zu haben glaubt.
Von entgegengesetzter Art zweitens sind die Kameen, welche die Gestalten erhaben aus dem Stein herausgeschnitten darstellen. Besonders der Onyx wurde hierzu als Material benutzt, wobei die Alten die verschieden gefrbten Lagen, besonders die weiliche und gelbbrunliche, mit Sinn und Geschmack geistreich hervorzuheben verstanden. milius Paullus hat eine groe Menge solcher Steine und kleinen Gefe mit nach Rom geschleppt.
Bei den Darstellungen in diesen vielfachen Arten des Materials nun haben die griechischen Knstler keine erdichteten Situationen zugrunde gelegt, sondern ihren Stoff jedesmal, auer Bacchanalen und Tnzen, aus den Gttermythen und Sagen geschpft und selbst bei Urnen und Darstellungen von Leichenbegngnissen bestimmte Bezge vor Augen gehabt, welche im Verhltnis zu dem Individuum standen, das durch dieses Begngnis geehrt werden sollte. Das ausdrcklich Allegorische dagegen gehrt dem echten Ideal nicht an, sondern kommt mehr erst in der neueren Kunst zum Vorschein.