
a. Attribute, Waffen, Putz usf.
Was nun erstens die Attribute und sonstiges uerliches Beiwesen angeht, Art des Putzes, Waffen, Gerte, Gefe, berhaupt Dinge, welche zur Beziehung auf die Umgebung gehren, so sind diese uerlichkeiten in den hohen Werken der Skulptur sehr einfach, mig und beschrnkt gehalten, so da nicht mehr davon vorhanden ist, als zur Andeutung und zum Verstndnis gehrt. Denn es ist die Gestalt fr sich, ihr Ausdruck und nicht das uerliche Beiwesen, was die geistige Bedeutung und deren Anschauung geben mu. Umgekehrt aber werden dergleichen Bezeichnungen ebenso notwendig, um die bestimmten Gtter wiedererkennen zu lassen. Die allgemeine Gttlichkeit nmlich, welche in jedem einzelnen Gotte das Substantielle der Darstellung abgibt, bringt durch diese gleiche Grundlage eine nahe Verwandtschaft des Ausdrucks und der Gestalten hervor, so da nun jeder Gott auch wieder seiner Besonderheit enthoben werden und auch ebenso andere Zustnde und Darstellungsweisen durchgehen kann als die ihm sonst eigentmlichen. Dadurch tritt an ihm die besondere Charakteristik berhaupt nicht durchweg in vollem Ernste hervor, und es sind oft nur solche uerlichkeiten, die brigbleiben, um ihn erkennbar zu machen. Aus diesen Bezeichnungen nun will ich nur die folgenden andeuten.
α) Von den eigentlichen Attributen habe ich schon bei Gelegenheit der klassischen Kunstform und ihrer Gtter gesprochen. In der Skulptur verlieren dieselben noch mehr ihren selbstndigen, symbolischen Charakter und behalten nur das Recht, als die mit irgendeiner Seite der bestimmten Gtter in Verwandtschaft stehende uerliche Bezeichnung an der Gestalt, die nur sich selber darstellt, oder neben derselben zu erscheinen. Sie sind vielfach von Tieren hergenommen, wie z. B. Zeus mit dem Adler dargestellt wird, Juno mit dem Pfau, Bacchus mit Tiger und Panther, die seinen Wagen ziehen, weil, wie Winckelmann (Werke, Bd. II, S. 503) sagt, dieses Tier einen bestndigen Durst hat und begierig ist nach Wein; ebenso Venus mit dem Hasen oder der Taube. - Andere Attribute sind Gertschaften oder Werkzeuge, die auf Ttigkeiten und Handlungen Bezug haben, welche jedem Gott seiner bestimmten Individualitt gem zugeschrieben werden. So wird z. B. Bacchus mit dem Thyrsusstab abgebildet, um den sich Efeubltter und Bnder schlingen, oder er hat einen Kranz von Lorbeerblttern, um ihn als Sieger auf seinem Zuge nach Indien zu bezeichnen, oder auch eine Fackel, mit welcher er der Ceres leuchtete.
Dergleichen Bezglichkeiten, von denen ich allerdings hier nur die allbekanntesten angefhrt habe, setzen besonders den Scharfsinn und die Gelehrsamkeit der Antiquare in Bewegung und bringen sie zu einer Kleinigkeitskrmerei, die dann freilich oft zu weit geht und Bedeutsamkeit in Dingen sieht, in welchen keine liegt. So z. B. nahm man zwei berhmte in Schlummer liegende weibliche Figuren im Vatikan und der Villa Medici blo deswegen fr Darstellungen der Kleopatra, weil sie ein Armband von der Gestalt einer Viper trugen und den Archologen beim Anblick der Schlange sogleich der Tod der Kleopatra ganz ebenso einfiel, wie einem frommen Kirchenvater etwa die erste Schlange, welche im Paradiese die Eva verfhrte, in Gedanken kommt. Nun war es aber allgemein die Sitte griechischer Frauen, Armbnder in Form von Schlangenwindungen zu tragen, und die Armbnder selbst hieen Schlangen. So hat denn auch schon Winckelmanns richtiger Sinn (Bd. V, 6. Buch, Kap. 2, S. 56; Bd. VI, 11. Buch, Kap. 2, S. 222) diese Figuren nicht mehr fr Kleopatra angesehen und Visconti (Museo Pio-Cle-mentino, Bd. II, S. 89-92*) ) sie endlich bestimmt fr eine Ariadne erkannt, wie sie vor Schmerz ber die Entfernung des Theseus zuletzt in Schlummer gesunken ist. - Wie unendlich oft man sich nun auch in solchen Beziehungen hat irrefhren lassen und sosehr die Art des Scharfsinns kleinlich erscheint, die von dergleichen unbedeutenden uerlichkeiten ausgeht, so ist diese Untersuchungsweise und Kritik doch notwendig, weil oft die nhere Bestimmtheit einer Gestalt nur auf solchem Wege zu ermitteln ist. Doch kommt auch hierbei wieder die Schwierigkeit vor, da wie die Gestalt so auch die Attribute nicht jedesmal nur auf einen Gott schlieen lassen, sondern mehreren gemeinschaftlich sind. Die Schale z. B. sieht man auer bei Jupiter, Apoll, Merkur, skulap auch noch bei Ceres und Hygiea; die Kornhre haben gleichfalls mehrere weibliche Gottheiten; die Lilie findet sich in der Hand der Juno, Venus und Hoffnung, und selbst den Blitz fhrt nicht nur Zeus, sondern auch Pallas, welche wiederum ihrerseits die gide nicht allein, sondern gleichmig mit Zeus, Juno und dem Apollo trgt (Winckelmann, Bd. II, S. 491). Der Ursprung der individuellen Gtter aus einer gemeinschaftlichen, unbestimmteren allgemeinen Bedeutung fhrt selbst alte Symbole mit sich, die dieser allgemeineren und dadurch gemeinschaftlichen Natur der Gtter angehrten.
β) Anderweitiges Beiwesen, Waffen, Gefe, Pferde usf., findet mehr in solchen Werken Platz, welche schon aus der einfachen Ruhe der Gtter zur Darstellung von Handlungen, Gruppen, Reihen von Figuren, wie dies in Reliefs der Fall sein darf, heraustreten und deshalb auch von uerlich mannigfaltigen Bezeichnungen und Andeutungen einen breiteren Gebrauch machen knnen. Auch auf Weihgeschenken, die in Kunstwerken aller Art, vornehmlich in Statuen, bestanden, auf den Statuen der olympischen Sieger, hauptschlich aber auf Mnzen und geschnittenen Steinen hatte dann der reiche, schpferische Witz der griechischen Erfindsamkeit einen groen Spielraum, symbolische und sonstige Bezglichkeiten - z. B. auf die Lokalitt der Stadt usf. - anzubringen.
γ) Tiefer nun schon aus der uerlichkeit in die Individualitt der Gtter hineingenommen sind solche Kennzeichen, welche der bestimmten Gestalt selber angehren und einen integrierenden Teil derselben ausmachen. Hierher ist die spezifische Art der Bekleidung, Bewaffnung, des Haarschmucks, Putzes usf. zu zhlen, in bezug auf welche ich mich jedoch zur nheren Erluterung mit wenigen Anfhrungen aus Winckelmann begngen will, der in der Auffassung solcher Unterschiede sehr scharfsichtig war. Unter den besonderen Gttern ist Zeus vornehmlich durch die Art des Haarwurfs zu erkennen, so da Winckelmann behauptet (Bd. IV, 5. Buch, Kap. 1, 29), ein Kopf wrde schon durch die Haare seiner Stirn oder durch seinen Bart, wenn auch weiter nichts vorhanden wre, als ein Jupiterkopf bestimmt werden knnen. Auf der Stirne, sagt Winckelmann nmlich (l. c., 31), erheben sich die Haare aufwrts, und deren verschiedene Abteilungen fallen in einen engen Bogen gekrmmt wieder herunter. Und diese Art, das Haar darzustellen, war so durchgreifend, da sie selbst bei den Shnen und Enkeln des Zeus beibehalten wurde. So z. B. ist in dieser Rcksicht das Haupt des Jupiter von dem des skulap kaum zu unterscheiden, der dafr aber einen anderen Bart hat, besonders auf der Oberlippe, wo derselbe mehr im Bogen gelegt ist, whrend er bei Jupiter sich mit einmal um die Winkel des Mundes herumdreht und sich mit dem Bart auf dem Kinne vermischt. Auch den schnen Kopf einer Statue des Neptun in der Villa Medici, spter in Florenz, wei Winckelmann durch den krauseren Bart, der ber der Oberlippe auerdem auch dicker ist, und durch das lockigere Haupthaar von Kpfen des Jupiter zu unterscheiden. Pallas, ganz im Unterschiede der Diana, trgt das Haar lang vom Haupt ab gebunden und dann unter dem Bande in Locken reihenweise herabhngend, Diana dagegen von allen Seiten hinaufgestrichen und auf dem Wirbel in einen Knaul gebunden. Das Haupt der Ceres ist bis auf das Hinterteil mit ihrem Gewnde bedeckt, dabei trgt sie nebst hren ein Diadem wie Juno, vor welchem sich die Haare, wie Winckelmann bemerkt (Bd. IV, 5. Buch, Kap. 2, 10), in einer lieblichen Verwirrung zerstreut erheben, so da dadurch vielleicht ihre Betrbnis ber den Raub ihrer Tochter Proserpina angedeutet werden soll . - Die hnliche Individualitt geht nun auch durch andere uerlichkeiten, wie z. B. Pallas an ihrem Helm und dessen bestimmter Gestalt, an ihrer Art der Bekleidung usf. zu erkennen ist.
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*) Ennio Quirino Visconti, Museo Pio-Clementino, 7 Bde., 1782-1807