2. Anhnger und Nachfolger Ockhams


Wilhelm von Ockham gewann bald zahlreichen Anhang. Trotz der feierlichen Verwerfung seiner Lehre durch die Universitt Paris (1340), gingen bald nicht blo zahlreiche Ordensgenossen (Franziskaner), sondern auch Augustiner und Dominikaner zum Nominalismus ber. Zu den bedeutendsten unter seinen unmittelbaren Schlern gehrt

1. Johann Buridan, 1327 und 1348 Rektor der Pariser Universitt. Er beschftigte sich weniger mit theologischen als mit psychologischen und physikalischen Problemen, in blo uerlicher Anlehnung an die Auslegung aristotelischer Schriften. Siebeck a. a. O. nennt ihn den Herbartianer unter den Scholastikern Besonders interessierte ihn die Frage der Willensfreiheit. Der Wille ist zu unterscheiden vom sinnlichen und intellektuellen Begehren. Er ist passiv oder aktiv, je nachdem er durch den Intellekt angeregt oder vllig selbstndig (liberum arbitrium) entscheidet. Diese letztere Freiheit der bloen Opposition (libertas oppositionis) ist uns aber nur gegeben, damit wir die wahre ethische Freiheit der Zweckordnung (libertas finalis ordinationis) erlangen, wobei dem Intellekt ein gewisser Einflu zukommt. Die Tiere dagegen sind unfrei und folgen ihren Trieben. Das bekannte Beispiel von dem Esel zwischen den beiden Heubndeln, dessen Urheberschaft man ihm zuschreibt, ist vielleicht von ihm oder einem seiner Schler bei mndlichen Vortrgen gebraucht worden; mglicherweise aber auch eine Erfindung seiner Gegner. In seinen gedruckten Schriften wenigstens findet es sich nicht, ebensowenig die sogen. Eselsbrcke (pons asinorum), d.h. der Rat, beim logischen Schlieen den Mittelbegriff aufzusuchen, als Hilfsmittel fr beschrnkte Kpfe.

Das Verbot der nominalistischen Lehre, das namentlich die Pariser Universitt noch mehrmals (zuletzt 1473) versuchte, konnte nicht mehr durchgefhrt werden. Im Gegenteil, whrend zur Bltezeit der Scholastik die Aussprche der Pariser Fakultt als Normen galten, machte sich jetzt, unter dem Einflu der Nominalisten, eine Dezentralisation der gelehrten Ttigkeit bemerkbar. So soll Buridans Einflu mitbestimmend bei der Errichtung der Wiener Universitt (1365) gewesen sein. Sicher war sein jngerer Freund

2. Marsilius (Marcel) von Inghen (in der Moselgegend) an der Grndung der Universitt Heidelberg (1386) beteiligt, deren Lehrer er bis 1392 gewesen ist. Auch Marcel untersuchte den Inhalt der inneren Erfahrung und die Willensverhltnisse, wobei er namentlich die instinktive Seite des Wollens und Begehrens infolge der Gewhnung, sowie die Ttigkeit des Knstlers betonte.

3. Pierre d'Ailly (Petrus de Alliaco, 1350-1425) hebt den Primat des Willens krftig hervor, gibt aber eine Mitwirkung der Erkenntnis beim Entschlsse zu. Er sucht Ockhams Satz, dass die Selbsterkenntnis das Gewisseste sei, gewisser insbesondere als die Wahrnehmung uerer Gegenstnde, nher zu begrnden. Die letztere bestehe nur unter der Voraussetzung des gewhnlichen Naturlaufs, den Gott an sich ndern kann. Ebenso ist Snde nur, was Gott als solche bezeichnet. Peter von Ailly war lange Jahre Kanzler der Universitt Paris, Beichtvater des franzsischen Knigs und die Seele des Konstanzer Konzils. Er starb 1420 als Kardinallegat in Avignon. Er stellt das Konzil ber den Papst, die Bibel ber die Tradition. Mit seinem philosophischen Skeptizismus verbindet sich bereits eine ausgesprochene Neigung zur Mystik.

4. Noch strker tritt dieser Zug hervor bei seinem Schler und jngeren Freunde Johannes Gerson (1363 bis 1429) - eigentlich Jean Charlier aus dem Dorfe Gerson bei Rheims -, seinem Nachfolger in der Kanzlerwrde von Paris, das er zu Konstanz vertrat. Er erstrebt eine Konkordanz unserer, d.h. der Ockhamschen Scholastik, mit der mystischen Theologie Besser als alle menschliche Weisheit, als Plato und Aristoteles ist die Befolgung des Wortes: Tut Bue und glaubt dem Evangelium! Die mystische Theologie geht von dem Erleben und Erfahren Gottes aus und ist auch dem Einfltigen mglich. Wegen dieser seiner Wertschtzung des Evangeliums, des Glaubens, der inneren Bue und der subjektiven Frmmigkeit hat man Gerson, obwohl er sich noch als treuer Sohn seiner Kirche zeigt, vielfach zu den Vorreformatoren gerechnet.

5. Als letzter Scholastiker wird gewhnlich der Tbinger Professor Gabriel Biel ( 1495) bezeichnet, der Ockhams Lehren klar und bersichtlich darstellt, und dessen Lehre - durch Staupitz - bereits auf Luther und Melanchthon von Einflu gewesen ist; er gehrte dem Orden der Brder vom gemeinen Leben an.


 © textlog.de 2004 06.09.2026 15:05:09
Seite zuletzt aktualisiert: 14.11.2004 
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