
c. Auflsung der klassischen Kunst in ihrem eigenen Bereich
Ehe wir nun aber die neue Kunstform, deren Gegensatz gegen die alte dem Verlauf der Kunstentwicklung, wie wir ihn hier seinen wesentlichen Momenten nach zu betrachten haben, nicht angehrt, in ihrer Tiefe zu erkennen versuchen, mssen wir vorerst denjenigen bergang, der in die alte Kunst selber hineinfllt, uns in seiner nchsten Gestalt zur Anschauung bringen. Das Prinzip dieses berganges liegt darin, da der Geist, dessen Individualitt bisher mit den wahren Substanzen der Natur und des menschlichen Daseins als im Einklang angeschaut wurde und der sich, seinem eigenen Leben, Wollen und Wirken nach, in diesem Einklang wute und fand, jetzt in die Unendlichkeit des Innern sich zurckzuziehen anfngt, doch statt der wahren Unendlichkeit nur eine formelle und selber noch endliche Rckkehr in sich gewinnt.
Werfen wir einen nheren Blick auf die konkreten Zustnde, die dem angegebenen Prinzip entsprechen, so sahen wir bereits, da die griechischen Gtter zu ihrem Gehalt die Substanzen des wirklichen menschlichen Lebens und Handelns hatten. Auer der Anschauung von den Gttern ist nun die hchste Bestimmung, das allgemeine Interesse und der Zweck im Dasein zugleich als ein Existierendes vorhanden gewesen. Wie es der griechischen geistigen Kunstgestalt wesentlich war, auch als uerlich und wirklich zu erscheinen, so hat sich auch die absolute geistige Bestimmung des Menschen zu einer erscheinenden realen Wirklichkeit herausgearbeitet, mit deren Substanz und Allgemeinheit in Einklang zu sein das Individuum die Forderung machte. Dieser hchste Zweck war in Griechenland das Staatsleben, die Staatsbrgerschaft und deren Sittlichkeit und lebendiger Patriotismus. Auer diesem Interesse gab es kein hheres, wahrhafteres. Das Staatsleben nun aber als weltliche und uerliche Erscheinung fllt, wie die Zustnde der weltlichen Wirklichkeit berhaupt, der Vergnglichkeit anheim. Es ist nicht schwer, zu zeigen, da ein Staat in solcher Art der Freiheit, so unmittelbar identisch mit allen Brgern, welche als solche schon die hchste Ttigkeit in allen ffentlichen Angelegenheiten in ihren Hnden haben, nur klein und schwach sein kann und sich teils durch sich selbst zerstren mu, teils uerlich im Verlauf der Weltgeschichte zertrmmert wird. - Denn bei diesem unmittelbaren Zusammengeschlossensein des Individuums mit der Allgemeinheit des Staatslebens ist einerseits die subjektive Eigentmlichkeit und deren private Partikularitt noch nicht zu ihrem Rechte gelangt und findet keinen Raum fr eine dem Ganzen unschdliche Ausbildung. Als unterschieden aber von dem Substantiellen, in welches sie nicht mit aufgenommen ist, bleibt sie die beschrnkte, natrliche Selbstsucht, die nun fr sich ihre eigenen Wege geht, ihre von dem wahren Interesse des Ganzen abliegenden Interessen verfolgt und dadurch zum Verderben des Staates selbst wird, dem sie sich zuletzt entgegenzustellen die subjektive Macht erringt. Andererseits erwacht innerhalb dieser Freiheit selbst das Bedrfnis einer hheren Freiheit des Subjekts in sich selbst, das nicht nur im Staat, als substantiellem Ganzen, nicht nur in der gegebenen Sitte und Gesetzlichkeit, sondern in seinem eigenen Innern frei zu sein den Anspruch macht, insofern es das Gute und Rechte aus sich selbst in seinem subjektiven Wissen sich erzeugen und zur Anerkenntnis bringen will. Das Subjekt verlangt das Bewutsein, in sich selbst als Subjekt substantiell zu sein, und dadurch entsteht in jener Freiheit ein neuer Zwist zwischen dem Zweck fr den Staat und fr sich selbst als in sich freies Individuum. Ein solcher Gegensatz hat schon zur Zeit des Sokrates angefangen, whrend nach der anderen Seite hin Eitelkeit, Selbstsucht und die Zgellosigkeit der Demokratie und Demagogie den wirklichen Staat in einer Weise zerrtteten, da Mnner wie Xenophon und Platon einen Ekel vor den Zustnden ihrer Vaterstadt empfanden, in welcher die Besorgung der allgemeinen Angelegenheiten in selbstschtigen und leichtsinnigen Hnden lag.
Der Geist des bergangs beruht deshalb zunchst auf der Entzweiung berhaupt zwischen dem fr sich selbstndigen Geistigen und dem uerlichen Dasein. Das Geistige in dieser Trennung von seiner Realitt, in welcher es sich nicht mehr wiederfindet, ist damit das abstrakt Geistige, doch nicht etwa der eine orientalische Gott, sondern im Gegenteil das sich wissende wirkliche Subjekt, welches alles Allgemeine des Gedankens, das Wahre, Gute, die Sitte, in seiner subjektiven Innerlichkeit hervorbringt und festhlt und darin nicht das Wissen einer vorhandenen Wirklichkeit, sondern nur seine eigenen Gedanken und berzeugungen hat. Dies Verhltnis, insoweit es bei dem Gegensatze stehenbleibt und die Seiten desselben als blo entgegengesetzte einander gegenberstellt, wre ganz prosaischer Natur. Zu dieser Prosa jedoch kommt es auf dieser Stufe noch nicht. Einerseits nmlich ist zwar ein Bewutsein vorhanden, das als fest in sich das Gute will, die Erfllung seines Verlangens, die Realitt seines Begriffs sich in der Tugend seines Gemts sowie in den alten Gttern, Sitten und Gesetzen vorstellt; zugleich aber ist es gegen das Dasein als Gegenwart, gegen das wirkliche politische Leben seiner Zeit, die Auflsung der alten Gesinnung, des frheren Patriotismus und der Staatsweisheit gereizt und steht damit allerdings im Gegensatz des subjektiven Innern und der ueren Realitt. Denn in seinem eigenen Innern geniet es in jenen bloen Vorstellungen von der wahrhaftigen Sittlichkeit nicht seine volle Befriedigung und wendet sich deshalb gegen das uere hinaus, auf welches es sich negativ, feindselig, mit dem Zweck, dasselbe zu verndern, bezieht. Es ist damit, wie gesagt, einerseits allerdings ein innerer Gehalt vorhanden, der sich bestimmt und fest aussprechend es zugleich mit einer vorliegenden, jenem Gehalt widersprechenden Welt zu tun hat und diese Wirklichkeit in den Zgen ihres dem Guten und Wahren entgegengesetzten Verderbens zu schildern die Aufgabe erhlt; andererseits jedoch findet dieser Gegensatz noch in der Kunst selbst seine Lsung. Es kommt nmlich eine neue Kunstform hervor, in welcher der Kampf des Gegensatzes nicht durch Gedanken gefhrt wird und beim Zwiespalt stehenbleibt, sondern die Wirklichkeit in der Torheit ihres Verderbens selber wird in der Weise zur Darstellung gebracht, da sie sich in sich selbst zerstrt, damit eben in dieser Selbstzerstrung des Richtigen das Wahre sich als feste, bleibende Macht aus diesem Widerscheine zeigen knne und der Seite der Torheit und Unvernunft nicht die Kraft eines direkten Gegensatzes gegen das in sich Wahrhaftige gelassen werde. Von dieser Art ist die Komik, wie sie Aristophanes unter den Griechen in bezug auf die wesentlichsten Gebiete der Wirklichkeit seiner Zeit zornlos, in reiner, heiterer Lustigkeit gehandhabt hat.