
b. Aufbewahrung der alten Gtter in der Kunstdarstellung
Klarer zweitens scheint die Verehrung und Aufbewahrung der alten Gtter in die Kunstdarstellung selber hinein. Auf der vorigen Stufe z. B. sprachen wir von Prometheus als dem bestraften Titan. Ebenso aber finden wir ihn als befreit wieder. Denn wie die Erde und wie die Sonne ist auch das Feuer, das Prometheus den Menschen herabgebracht, das Essen des Fleisches, das er sie gelehrt hatte, ein wesentliches Moment des menschlichen Daseins, eine notwendige Bedingung fr die Befriedigung der Bedrfnisse, und so ist auch dem Prometheus dauernd seine Ehre geworden. Im dipus auf Kolonos des Sophokles heit es z. B. (v. 54 ff):
Die ganze Hhe hier ist heilig - Eigentum
Poseidons, des Gewaltgen. Auch Prometheus, der
Titan, der Fackeltrger, teilt sie. (bers. Roman Woerner)
und der Scholiast fgt hinzu, da Prometheus auch in der Akademie mit der Athene verehrt werde wie der Hephaistos, und man zeige einen Tempel im Haine der Gttin und ein altes Piedestal bei dem Eingange, auf welchem sowohl eine Abbildung des Prometheus als auch des Hephaistos sei; Prometheus aber, nach dem Bericht des Lysimachides, werde als erster und lterer dargestellt, in der Hand ein Zepter haltend, Hephaistos als jngerer und zweiter, und beiden sei der Altar auf dem Piedestal gemeinsam. Prometheus hat denn auch der Mythe nach nicht fortdauernd seine Strafe erleiden mssen, sondern ist durch Herkules seiner Fesseln entledigt worden. In dieser Befreiungsgeschichte kommen wieder einige merkwrdige Zge vor.
Prometheus nmlich wird deshalb seine Qual los, weil er dem Zeus die Gefahr ankndigt, die dem Reiche des Zeus von dem dreizehnten Nachkommen desselben drohe. Dieser Nachkomme ist Herkules, dem z. B. Poseidon in den Vgeln des Aristophanes (v. 1645 bis 48) sagt, er werde sich selber schaden, wenn er den Vertrag wegen der Abtretung der Gtterherrschaft eingehe, denn alles, was Zeus im Hinscheiden hinterliee, werde ja sein werden. Und in der Tat ist Herkules der einzige Mensch, der, in den Olymp bergegangen, aus einem Sterblichen zum Gott geworden ist und hher steht als Prometheus, der ein Titan blieb. An Herkules und der Herakliden Namen ist auch die Umwlzung der alten Herrschergeschlechter geknpft. Die Herakliden brechen die Gewalt der alten Dynastien und Knigshuser, in denen der herrschende Selbstwille fr seine eigenen Zwecke und Unbndigkeiten sowie im Verhltnis zu den Bewohnern kein Gesetz ber sich anerkennt und deshalb ungeheure greuelhafte Taten vollbringt. Herkules, selber im Dienste eines Herrschers, nicht als Freier, besiegt die Roheit dieses gewaltigen Willens. - In der hnlichen Art knnen wir, um bei den frher schon gebrauchten Beispielen stehenzubleiben, an dieser Stelle auch wieder an die Eumeniden des Aischylos erinnern. Der Kampf zwischen dem Apoll und den Eumeniden soll durch den Ausspruch des Areopag geschlichtet werden. Ein menschliches Gericht als Ganzes, an dessen Spitze Athene als der konkrete Volksgeist selber steht, soll die Kollision zur Lsung bringen. Die Richter nun geben gleiche Stimmen fr die Verdammung und Lossprechung ab, indem sie die Eumeniden und den Apoll in derselben Weise ehren, der weie Stein der Athene aber entscheidet den Streit fr Apollo. Die Eumeniden erheben, aufgebracht ber diesen Urteilsspruch der Athene, ihre Stimme, doch Pallas beschwichtigt sie, indem sie ihnen in dem berhmten Haine zu Kolonos Verehrung und Altre zusagt. Was die Eumeniden ihrem Volke dafr leisten sollen, ist (v. 901 ff.) Schutz gegen bel, welche von natrlichen Elementen, der Erde, dem Himmel, dem Meer und den Winden herkommen, Abwehrung von Unfruchtbarkeit in den Ernten, von Miraten der lebendigen Samen, Erzeugnisse, Geburten. Pallas aber bernimmt fr sich in Athen die Sorge fr die Kriegsstreitigkeiten und heiligen Kmpfe. - Gleichmig lt Sophokles in seiner Antigone nicht nur die Antigone leiden und untergehen; im Gegenteil sehen wir ebensosehr den Kreon durch den schmerzlichen Verlust seiner Gattin und des Haimon gestraft, die durch den Tod der Antigone gleichfalls ihren Untergang finden.