
2. Die Assoziationspsychologie
(Hartley und Priestley)
a) David Hartley (1705-57), anfangs Theologe, dann Arzt geworden, fhrt in seinen Beobachtungen ber den Menschen, seinen Bau, seine Pflicht und seine Aussichten (1749) alle seelischen Erscheinungen auf die Assoziation einfachster Geschehnisse und Vorstellungen zurck. So knnen aus den einfachsten die zusammengesetztesten, aus anfangs automatischen bewute, aus ursprnglich sinnlichen und egoistischen ideale, zuletzt religise Vorstellungen werden und umgekehrt. Es gilt Locke mit Newton zu verbinden, eine Physik der Seele zu begrnden. Der geistigen Verbindung der Vorstellungen entspricht die physiologische der Gehirnschwingungen; doch behauptet Hartley vorsichtigerweise nur einen Parallelismus beider an sich unvergleichbarer Reihen.
Folgerechter als er verfuhr sein Schler
b) Joseph Priestley (1733-1804), der Entdecker des Sauerstoffes und - Prediger einer Dissentergemeinde, der mit frommer Gesinnung freie politische Anschauungen (Begeisterung fr die Franzsische Revolution) und einen ausgesprochenen naturwissenschaftlichen Materialismus verband. Das Wesen der Materie liegt in der anziehenden oder abstoenden Kraft der Atome. Der nmlichen Substanz knnen - so entwickelte er in seinen Untersuchungen ber Materie und Geist (1777) - sowohl physische als psychische Krfte zukommen. Statt psychologischer Zergliederungen soll man Physik des Nervensystems treiben. Auf theologischem Gebiete dagegen lehrt er Auferstehung und Unsterblichkeit und bekmpft zwar im Namen der natrlichen Religion alle Verflschungen des Christentums, aber auch den Skeptizismus Humes und den Atheismus der franzsischen Materialisten. Wegen seines Freisinns von der Hochkirche verfolgt, verlie er England und starb in Philadelphia.
c) Whrend in Deutschland mehr die rationalistische Theologie Hartleys und Priestleys wirkte, wurde in England ihre Assoziationspsychologie aufgenommen und weiter gebildet von Charles Darwins Grovater und Vorlufer Erasmus Darwin (1731-1802), dessen Zoonomie oder die Gesetze des organischen Lebens (1794-96) die Entstehung der Instinkte durch Erfahrung und Assoziation, unter dem Einflusse des Selbsterhaltungstriebes und der Anpassung an die Verhltnisse, ja schon die Vererbung erworbener Eigenschaften lehrt und so die Assoziationspsychologie zu einer allgemein-biologischen Entwicklungstheorie erweitert. So versetzt uns die Philosophie dieser Mnner, die groen Einflu auf die englischen Philosophen des 19. Jahrhunderts (z.B. die beiden Mill) gebt haben, schon mitten in die naturphilosophischen Probleme der zweiten Hlfte des 19. Jahrhunderts.