1. Die Neupythagoreer


Als der erste Erneuerer pythagoreischer Philosophie unter den Rmern wird Ciceros gelehrter Freund P. Nigidius Figulus ( 45 v.Chr., seine Fragmente untersucht und herausgegeben von A. Swoboda, Wien 1889) genannt, von dem indes sehr wenig bekannt ist.

Es folgte der bereits ( 45, 2 c.) erwhnte Sotion, aus der Schule der Sextier. Zu Neros Zeit wirkte Moderatus aus Gades, whrend gleichzeitig Apollonius von Tyana als Wundertter das Rmische Reich durchzog, der dann spter (um 200 n. Chr.) bei Philostratus zu einem heidnischen Gegenbilde Christi (mit Jungfrauengeburt, wunderbaren Heilungen, Allwissenheit und Allmacht, Auferstehung, Verschwinden von der Erde u. a.) umgeformt erscheint: nebenbei gesagt, ein Beweis, wieviel nichtreligises Beiwerk damals, wie allezeit, von den Anhngern eines Religionsstifters als fr ihn unerllich angesehen wurde (vgl. Chr. Baur, Apollonius und Christus, herausg. von Zeller, 1876). Indem diese Neupythagoreer die altpythagoreische Zahlenspekulation ( 3) erneuern und erweitern und die platonische Naturphilosophie ( 23) teilweise buchstblich verstehen, teilweise umdeuten, setzen sie die Zahlen, welche zugleich die Urbilder aller Dinge sind, als Ideen, d.h. Gedanken der Gottheit. Der letzte Grund alles Geschaffenen ist die Einheit als Form, wirkende Ursache, Gottheit; ihr in schroffem Dualismus entgegengesetzt; die Materie. (Der aufmerksame Leser wird neben den pythagoreischen auch aristotelische, namentlich aber altakademische [ 26] Elemente in diesen Theoremen bemerkt haben). hnliche Entlehnungen finden sich in der Physik (Vollkommenheit der Welt von den Stoikern, Ewigkeit derselben von Aristoteles) und der Ethik der Neupythagoreer. Das eigentmliche Neue besteht eigentlich nur in ihren religisen Anschauungen. Mit einem geluterten Monotheismus, einer Verehrung Gottes als reinen Geistes durch wortloses Gebet und tugendhaftes Leben verbindet sich die phantastische Annahme einer Reihe von Dmonen oder niederen Gttern, bei denen der schwache und sndhafte Mensch in der Erfllung seiner Aufgabe, Unterdrckung der Sinnlichkeit durch den reinen Geist, Beistand findet, sei es durch unmittelbare Erleuchtung oder durch Orakel oder durch die Vermittlung besonders gottbegnadeter, gttliche Offenbarung spendender Weisen, wie des Pythagoras selbst, ber den sich jetzt zahlreiche neue Legenden bilden, und des Apollonius von Tyana. Auch asketische Tendenzen treten in Anknpfung an den Altpythagoreismus hervor: Enthaltung von Fleisch und Wein, vom Tieropfer, von der Ehe, leinene Kleidung, Gtergemeinschaft. Der letzte Neupythagoreer ist Nikomachos aus Gerasa (Arabien), der Verfasser einer theologischen Arithmetik oder arithmetischen Theologie (!), die uns der Byzantiner Photius im Auszuge erhalten hat.


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Seite zuletzt aktualisiert: 14.11.2004 
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