
39. Epikur und seine Schule.
1. Leben. Epikur, im Jahre 341 als Sohn eines athenischen Schullehrers anscheinend auf der Insel Samos geboren, geno eine unregelmige Jugendbildung, hrte spter zu Athen Philosophen verschiedener Richtung, besonders den Demokriteer Nausiphanes, und bezeichnete sich anfangs auch selbst als Anhnger Demokrits. 306 grndete er in seinem Garten - daher der Name Gartenphilosophen (hoi apo' tn kpn) - seine eigene Schule, die er bis zu seinem Tode 270 leitete. Mit den Studien war in dieser Genossenschaft, der auch Frauen angehrten, ein heiter- geselliger Ton verbunden, entsprechend der liebenswrdigen Persnlichkeit ihres Stifters, dessen sittlichen Charakter seine Gegner - und ihm folgend das ganze christliche Mittelalter - mit Unrecht verdchtigt haben.
2. Schriften. Epikur schrieb gern, viel und leichtverstndlich, nach den Titeln seiner zahlreichen, gegen 300 Bcher zhlenden Schriften zu schlieen ber alle philosophischen Gebiete, daneben namentlich ber naturwissenschaftliche Themata. Erhalten sind nur: 1. Drei Lehrbriefe, einen kurzen Abri der Physik, Meteorologie und Ethik enthaltend (bei Laert. Diog. X), 2. von seinen 37 Bchern ber die Natur, Buch II und IX zum Teil, auf Papyrusrollen zu Herculanum gefunden (ed. Orelli 1818), 3. die kyriai doxai, Hauptstze oder Sprche, zum Auswendiglernen fr seine Schule bestimmt, 4. eine grere Anzahl Fragmente aus seinen brigen Schriften. Eine vorzgliche Ausgabe alles Erhaltenen ausgenommen 2., mit ausfhrlicher Vorrede, besitzen wir seit 1877 in Usener, Epicurea; eine populre Verdeutschung des Wichtigsten, mit etwas zu enthusiastischer Einleitung, von A. von Gleichen-Ruwurm (Jena 1909).
3. Schule. Von seinen zahlreichen Schlern und Nachfolgern erwhnen wir als die bekanntesten: Metrodor von Lampsakus, der jedoch noch vor seinem Freund und Meister starb, Kolotes, gegen den Plutarch schrieb, den Vielschreiber Apollodor, dessen von Cicero besonders gerhmten Schler Zeno von Sidon, Phdrus (von Cicero in Rom gehrt) und Philodemus (um 50 v. Chr. in Rom), von dessen Schrift ber Zeichen und Beziehungen ebenfalls ein Teil auf herkulanischen Papyrusrollen entdeckt worden ist. Der berhmteste und glnzendste Vertreter der Schule wurde der jung gestorbene rmische Dichter Lukrez, von dem unten ( 45) noch besonders zu handeln ist. Die epikureische Schule als solche hat sich zwar nicht als langdauernd erwiesen, sondern endet mit dem letztgenannten im ersten vorchristlichen Jahrhundert, aber sie gewann einen starken praktischen Einflu (vgl. unten S. 172 f.). Ihr Lehrinhalt blieb fast unverndert. Im ganzen Mittelalter, ja bis in die neue Zeit hinein verketzert und kaum gekannt, erlebte Epikurs Philosophie eine Wiedererstehung in Gassendi (S. 349 ff.).
Auch sie gliedert sich in Logik, Physik und (als wichtigsten Teil) Ethik.
Literatur: Hauptquellen: Cicero De Natura deorum I und de Finibus I, Laert. Diogenes, Bd. X, Sextus Empirikus, vor allem aber Lukrez.
Literatur: Hirzel, Untersuchungen zu Ciceros philos. Schriften I, Natorp, Forschungen etc., S. 209-255. P. v. Gizycki, Leben und Moralphilosophie des E., Halle 1879 (Dissert.). Kreibig, Epicurus. Wien 1886.