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Die wirklich dem Terminhandel als solchem ganz allgemein zu machenden Vorwrfe fhren fast alle auf die erleichterte Heranziehung urteilsunfhiger und vermgensloser Spekulanten zurck. Diese Erleichterung ist aber nur die Kehrseite der durch ihn bewirkten Markterweiterung, deren positive Bedeutung fr die nationale Volkswirtschaft wir oben in ihren Hauptzgen kennen lernten. Vom politischen und konomischen Machtinteresse einer Nation aus ist es nicht angngig, um dieser Schattenseiten willen einseitig den Terminhandel in einem Artikel bei sich zu verbieten und dadurch anstatt der erstrebten Unterdrckung der Spekulation lediglich diese, damit aber auch den fr diesen Artikel magebenden Markt ins Ausland zu drngen und dessen Finanzkraft zu strken. Die grere Versuchung zum Spiel fr das einheimische Publikum und die dadurch verschuldeten Verluste desselben mssen als Teil der Kriegskosten im Ringen der Nationen um die konomische Herrscherstellung getragen werden. Nur eine internationale Vereinbarung htte da in Frage kommen drfen, wo die Beseitigung des Terminverkehrs im einzelnen Falle erwnscht ist*).
Was eine rationelle, von den Interessen der Machtstellung Deutschlands ausgehende Brsenpolitik auf dem Gebiete der Verkehrskontrolle htte erstreben sollen, liegt m. E. soweit nicht technische Einzelheiten, wie die Art der Kursnotiz, die Regelung des Kommissionsgeschftes, die Vorschriften ber die Bedingungen des Getreideterminhandels in Frage kommen nur in folgenden ungefhren Richtungen: Unntz und schdlich ist die unmittelbare Mitwirkung kapitalloser Spekulanten am Brsenverkehr, erwnscht deshalb, wennschon gewi nicht ganz leicht durchfhrbar, das Erfordern eines Vermgensnachweises bei der Zulassung. Schdlich und zu verhindern ist die Spekulation in kleinen Papieren, aber nicht nur in Form des Terminhandels. Da die Bildung eines spekulativen Marktes, auch wo die Spekulation sich in die Form des Kassageschfts kleidet, nicht leicht dauernd verborgen bleiben kann, knnte ihr durch Versagung der Kursnotiz und Verbot aller Zeitungsberichte wirksam genug entgegengetreten werden. Streng zu verbieten wre die Wiedergabe von Kursen irgendeines an deutschen Brsen nicht zugelassenen Papiers in deutschen Zeitungen sowie Nachrichten ber dasselbe berall da, wo nach Ermessen der betreffenden Instanz der Verdacht einer irgend umfangreicheren Einschleppung dieses Papiers in den Besitz deutscher Kapitalisten unter Umgehung der deutschen Brsen begrndet erscheint. Im brigen wre den staatlichen Gewalten ein Aufsichts- und Einspruchsrecht gegen den brsenmigen Handel in jedem Objekt im allgemeinen und den Terminhandel im speziellen zuzuweisen gewesen. Bezglich des letzteren wre aber von dieser Befugnis im allgemeinen nur im Falle der Erzielung internationaler Vereinbarungen fr die einzelnen Gegenstnde, fr welche das Verbot erwnscht erschiene, Gebrauch zu machen gewesen. Im brigen htte man lediglich die Verleitung unerfahrener und leichtsinniger Personen zu Spekulationen so, wie es durch das Brsengesetz geschehen ist, unter Strafe stellen sollen.
Der Durchfhrung rein theoretisch-moralischer Forderungen sind eben, so lange die Nationen, mgen sie auch militrisch in Frieden leben, konomisch den unerbittlichen und unvermeidlichen Kampf um ihr nationales Dasein und die konomische Macht fhren, enge Grenzen gezogen durch die Erwgung, da man auch konomisch nicht einseitig abrsten kann. Eine starke Brse kann eben kein Klub fr ethische Kultur sein, und die Kapitalien der groen Banken sind so wenig Wohlfahrtseinrichtungen wie Flinten und Kanonen es sind. Fr eine Volkswirtschaftspolitik, welche diesseitige Ziele erstrebt, knnen sie nur eins sein: Machtmittel in jenem konomischen Kampf. Sie wird es gern begren, wenn auch das ethische Bedrfnis diesen Institutionen gegenber zu seinem Rechte gelangen kann, aber sie hat die Pflicht, in letzter Linie darber zu wachen, da fanatische Interessenten oder weltfremde Apostel des konomischen Friedens nicht die eigne Nation entwaffnen.
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*) Da es solche Flle gibt, ist kein Zweifel. Ich kann aber im einzelnen hier schon des Raumes wegen darauf nicht eingehen. Es gehrt dahin z.B. vielleicht der Kammzug, ein Halbfabrikat, bei dem, anders als bei Rohstoffen, deren Produktion lange Ernteperioden erfordert, jede Preissteigerung leicht eine Ueberproduktion hervorrufen kann. Getreide gehrt zur Zeit vom deutschen Interessenstandpunkt aus m. E. nicht dahin. Das Verbot, welches der Reichstag einseitig fr das Inland ohne internationale Vereinbarung aussprach, war ausschlielich auf Stimmenfang berechnet und auch unter diesem Gesichtspunkt eine Torheit.