
Brsen in Deutschland
Die deutschen Brsen sehen sich untereinander verschieden an. Greifen wir die grten: also die Berliner, Hamburger, Frankfurter heraus, so finden wir zunchst, da die Brsen fr alle Arten Geschfte in Effekten und Produkten an demselben Ort zusammengelegt, konzentriert sind, was in Frankreich und England regelmig nicht der Fall ist. Innerhalb des Brsengebudes scheiden sich natrlich die einzelnen Mrkte. So finden die Produktengeschfte in Berlin im hintersten der drei groen Rume des Brsensaales statt, und innerhalb der Fondsbrse haben wieder die einzelnen groen Papiere: Russische Banknoten, Diskonto-Kommandit-Aktien usw. ihre Stelle, wo gewohnheitsmig sich in ihnen der Handel vollzieht. Nher zugesehen, sieht ferner die Hamburger Brse anders aus als die preuischen. Die Hamburger Brse ist ein berdeckter Markt. Das gesamte mnnliche anstndige Publikum kann sie besuchen; wem sie gerade auf dem Wege liegt, der benutzt sie als Durchgang. Schiffer und fremde durchreisende Kaufleute besuchen sie und schlieen dort Fracht- und andere Geschfte ab. An stndigen Besuchern finden wir neben den berufsmigen Brsenhndlern, die entweder fr sich oder als Kommissionre fr andere Geschfte machen, die Makler. Es existieren aber keinerlei nach Art der Pariser Agenten bevorrechtigte Vermittler, es steht jedem frei, das Maklergewerbe auszuben, er hat sich nur den allgemeinen Pflichten jedes Maklers Fhrung bestimmter Bcher, in denen er die vermittelten Geschfte notiert, Ausstellung der Schlunoten (s. o.) usw. zu unterziehen. Hier ist also das Prinzip des freien Marktes konsequent durchgefhrt. Nur die uere Leitung hat die Handelskammer, eine staatlich eingerichtete Vertretung der Kaufmannschaft. Ein eigentmliches Mittelding zwischen den streng geschlossenen Brsenkorporationen Englands und Amerikas und dem Zustand in Hamburg stellen nun die preuischen, so namentlich die Berliner Brse dar. Die preuischen Brsen sind staatlich konzessioniert und stehen unter der Leitung der Handelskammern, d.h. der gewhlten Vertretungsorgane des greren Handelsstandes, in Berlin der hnlich gearteten Aeltesten der Kaufmannschaft. Diese entscheiden in letzter Instanz ber die fr die Geschfte magebenden Usancen und bestellen (in der Hauptsache) die Organe Brsenkommissare und Deputierte , welche die uere Ordnung auf der Brse aufrechtzuerhalten haben, daneben Schiedsgerichte zur Entscheidung solcher Streitigkeiten, welche freiwillig vor sie gebracht werden, in einzelnen, hier nicht weiter interessierenden Streitfragen, sind nach den Geschftsbedingungen die Parteien verpflichtet, der Entscheidung derartiger Schiedsgerichte sich zu unterwerfen. Ein geschlossener Verein ist die Brse nicht, andererseits hat auch nicht jeder Zutritt, sondern dazu bedarf es des Besitzes einer Einlakarte. Diese aber wird gegen eine nicht erhebliche Gebhr jedem Einheimischen erteilt, der glaubhaft dartut, da er zum Zweck des Handels die Brse besuchen will und von Mitgliedern der Brse zur Aufnahme empfohlen wird eine Empfehlung, die den, der sie gibt, zu nichts verpflichtet und deshalb von jedem ohne Ausnahme erlangt werden kann. Zeitweise ausgeschlossen werden Leute, welche die Ordnung stren, Brsenmitglieder beleidigen, falsche Gerchte verbreiten und Zahlungsunfhige eine Disziplin aber von der Strenge der englischen existiert auf unserer Brse nicht. Auch frhere Bankerotteure erhalten regelmig nach einiger Zeit wieder Zutritt. Die Machtmittel der Brsenvorstnde sind gering. Andere Strafen als die zeitweise Ausschlieung gibt es gegen Hndler nicht*).
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*) Auf Grund einer rein privaten Abmachung z.B. mit einer greren Anzahl Firmen haben die Aeltesten in letzter Zeit begonnen, auf ein besonderes ehrenrhriges Verfahren: den Abschlu von Geschften mit Kommis usw. ohne Wissen des Prinzipals wodurch erstere zur Untreue geradezu verleitet werden eine Rge zu setzen. Wenn aber ein so Gergter sich die Rge einfach verbittet, wre damit die Sache erledigt, denn ein Recht dazu existiert nicht.