Schreibart; Stil

Schreibart; Stil. (Schne Knste) Man pflegt in den Werken des Geschmacks die Materie oder die Gedanken von der Art sie vorzutragen oder darzustellen, zu unterscheiden und das letztere den Styl oder die Schreibart zu nennen. Aber es ist schwer genau zu bestimmen, was in jedem Werk zu den Gedanken oder zur Schreibart gehre und daher auch schwer zu sagen, worin eigentlich die Schreibart bestehe. Dass beim Schriftsteller nicht blo der Ausdruck oder die Wrter, ihre Verbindung, ihr Ton und die daraus zusammengesetzten lngern oder krzern Einschnitte und Perioden, sondern auch ein Teil der Gedanken zur Schreibart gerechnet werden msse, wird jedermannn zugeben; und eben so rechnet man zum Styl des Malers nicht blo seine besondere Art der Zusammensetzung, Zeichnung und Farbengebung, sondern auch etwas von dem Materiellen des Gemldes.

 Da mir nicht bekannt ist, dass sich jemand die Mhe gegeben habe, das, was in allen Werken der Kunst eigentlich zur Schreibart gehrt, mit einiger Genauigkeit zu bestimmen, so will ich versuchen, es hier zu tun. Die Sache scheint um so viel wichtiger, da jedermannn empfindet, wie sehr viel in Werken des Geschmacks auf die Schreibart ankomme und wie wesentlich es fr den Knstler sei, eine gute Schreibart in seiner Gewalt zu haben. Aber wie kann man ihm zur Erlangung derselben den Weg zeigen, so lange man nicht recht wei, was die Schreibart ist?

 In dem der Knstler ein Werk verfertigt, bemhet er sich, gewisse Vorstellungen, die er hat, das ist, einen gewissen Gegenstand, anderen darzustellen. Indem er aber dieses tut, schildert er in dem Gegenstand auch sich selbst, die ihm eigentmliche Art die Sachen anzusehen, zu begreifen und zu empfinden oder wenigstens die, die ihm bei der Arbeit nach seiner Gemtslage eigen ist. Das besondere Geprg, das dem Werk von dem Charakter und der, allenfalls vorbergehenden, Gemtsfassung des Knstlers eingedrckt worden, scheint das zu sein, was man zur Schreibart oder zum Styl rechnet. Das Wesentliche der Materie, wird dadurch nicht verndert, sondern nur das Zufllige. Wenn viel Menschen zugleich ber einen Vorfall lachen, so drckt jeder die Empfindung der Lust aus, die wesentlich bei allen dieselbe ist; aber jeder lacht in seinem eigenen Styl, der von dem blo sanften ruhigen Lcheln, bis zum vollen Ausbruch des Gelchters mancherlei Schattierung annehmen kann. Dieses wird uns auf die Spur fhren die verschiedenen zuflligen Eigenschaften eines durch die Kunst dargestellten Gegenstandes, die zum Stil des Werks gehren, von dem Wesentlichen zu unterscheiden. Wir werden uns aber hier hauptschlich auf die Schreibart im engern Sinne, wie sie sich in den Knsten der Rede zeigt, einschrnken und knnen uns dieses Mittels den gegenwrtigen Artikel nicht ber die Schranken der Gre auszudehnen, um so viel zuversichtlicher bedienen, da sich das, was von dieser Schreibart als der wichtigsten Art des Stils, gesagt wird, leicht auf andere wird anwenden lassen.

 Hier haben wir nun vor allem anderen zu untersuchen, was fr Dinge in den Werken der redenden Knste, zur Schreibart gehren und als Eigenschaften derselben anzusehen seien.

 Um dieses zu erforschen, wollen wir uns vorstellen, dass mehrere Menschen zugleich eine Szene, einen Vorfall oder eine Begebenheit ansehen und dass jeder der Zuschauer daher Gelegenheit nehme, das was er gesehen hat, zu beschreiben. Wir wrden also in kurzem verschiedene Schriften von einerlei Inhalt zu lesen bekommen, die sich aber vielfltig durch die Schreibart von einander auszeichneten.

 Wir mssen aber, um in diesen Schriften einerlei Inhalt zu haben, damit uns das Charakteristische der Schreibart deutlicher werde, voraussetzen, dass jeder den Stoff erzhlend behandle und zur Hauptabsicht habe, seinen Leser von dem, was er gesehen hat, zu unterrichten. Denn wo sich etwa ein sehr empfindsamer und leichte feuerfangender Dichter, unter diesen Zuschauern befnde, den die Szene in die Begeisterung der Ode versetzte, so wrde sein Stoff nicht der sein, den die anderen bearbeiten und wir wrden desto mehr Mhe haben, aus Vergleichung seines Werks mit den brigen, das herauszufinden, was zur Schreibart gehrt.

 Hier knnen wir nun sogleich einiges bestimmen, was offenbar zur Materie und nicht zur Schreibart gehrt. Denn wenn wir zu dieser nur das zhlen, was von dem besonderen Charakter des Verfassers herrhrt, so kann das Materielle, das dem Orte, wo er gestanden hat, zuzuschreiben ist, nicht hierher gehren. Der, welcher die ganze Szene bersehen hat, konnte mehr davon sagen als der sie nur halb gesehen hat. Dass dieser die Sache nicht so vollstndig als jener erzhlt, kommt nicht von seinem Charakter, sondern von seiner Stellung her; und der erstere, der nun ausfhrlich ist, wrde es auch nicht sein, wenn er, auch mit Beibehaltung seines Charakters, an dem Platz des anderen gestanden htte.

 Diese und mehr hnliche Umstnde, die man sich an dem zum Beispiel gewhlten Bilde geschwinder vorstellen kann als sie sich beschreiben lassen, fhren uns auf die Spur, was man zu berlegen habe, um von dem Materiellen oder von den Gedanken das, was zum Wesentlichen der Sache und das was blo zur Schreibart gehrt, richtig zu unterscheiden.

Es ist kaum mglich hierber besondere Grundstze anzugeben; und wir mssen uns mit einem einzigen allgemeinen begngen, davon doch nur die scharfsinnigsten Beurteiler einen sichern Gebrauch machen knnen, weil die Sache an sich selbst schwer ist.

 Wer also bei jedem Schriftsteller das, was zu seiner Schreibart gehrt, es liege in den Gedanken oder in dem Ausdruck, von dem, was nicht Schreibart ist, unterscheiden will, der suche vor allen Dingen die Art des Inhalts, die Absicht des Verfassers, folglich auch den Standort und Gesichtspunkt aus denen er seinen Stoff angesehen hat, genau zu fassen. Hernach berlege er bei jedem Gedanken und Ausdruck, ob er so wesentlich zur Sache gehre oder so natrlich damit verbunden sei, dass jeder Schriftsteller von Genie, Nachdenken und richtiger Urteilskraft (dann diese werden bei jedem vorausgesetzt) der jene Absicht gehabt und aus jenem Standorte die Sache angesehen htte, ihn wrde haben finden oder bemerken knnen oder ob er natrlicher Weise nur dem scherzhaften oder dem witzigen oder dem etwas boshaften, dem kaltbltigen oder dem hizigen Mann; kurz ob er nur dem Schriftsteller von irgend einem besonders ausgezeichneten Charakter oder einer besonderen Laune, habe einfallen knnen. Alles, was zum letztern Falle gehrt, rechne er zur Schreibart; was aber zu diesem besonderen nicht gehrt, das rechne er zum Wesentlichen der Materie.

Wenn wir uns vorstellen Xenophon, Livius und Tacitus htten einerlei Stoff, die Erzhlung von irgend einer Staatsvernderung zu behandeln, sich vorgenommen, und jeder htte dabei die Hauptabsicht gehabt, seinen Lesern eine wahre und richtige Vorstellung von dem Vorfall und den Ursachen desselben zu geben; so werden wir leicht begreifen, dass jeder dieser drei Mnner, nicht nur in seiner Art zu erzhlen, sondern auch in Anordnung der Materien, in der Wahl der Umstnde, in Einfhrung oder Weglassung der Personen, in Erzhlung ihrer Handlungen und Anfhrung ihrer Reden, seinem besonderen Charakter gem, wrde zu Werke gegangen sein. Xenophon wrde nur das Nthige zum klaren und einfachen Begriff der Sache und der natrlichsten Vorstellung derselben, ohne Leidenschaft, ohne uns fr oder gegen die Sache einzunehmen, erzhlen. Livius wrde seinem ernsthaften, pathetischen und mit altrmischer Wrde bekleideten Charakter zufolge, die Sache von der groen, wichtigen Seite vorgestellt, manchen kleineren Umstand weggelassen, manches ernsthafte Wort, seinen handelnden Personen in Mund gelegt haben; so, dass wir berall an den handelnden Personen, die Patrioten oder die schlecht und eigenntzig gesinnten Brger, wrden erblickt haben. Tacitus htte auer den wesentlichsten Hauptsachen, vornehmlich solche Umstnde gewhlt, die uns tief in die Herzen der handelnden Personen htten hineinsehen lassen, nicht um sie in ihrem ffentlichen Charakter als Patrioten oder Aufrhrer, sondern als gute oder schlechte Menschen zu erkennen; er wrde einen Ausdruck gewhlt haben, der uns geflieentlich fr oder gegen die Personen htte einnehmen sollen u.s.w. Also wrden wir sowohl in der Materie als in der Form und in dem Ausdruck dieser drei Geschichtschreiber eines jeden besonderen Charakter haben erkennen knnen. Dieses aber wrde drei verschiedene Schreibarten verursacht haben.

  Dieses mag hier hinlnglich sein, den Begriff von dem, was man eigentlich Schreibart nennt, berhaupt zu bestimmen.

 Ehe wir uns in nhere Entwicklung dieses Begriffes einlassen, wollen wir anmerken, dass schon hieraus erhellt, was fr Wichtigkeit die Schreibart nach dem verschiedenen Inhalt eines Werks haben knne und was fr einen besonderen Charakter sie in besonderen Fllen vorzglich anzunehmen habe.

 

Ihr Brderchen, lat uns fein christlich leben; Wir mssen doch uns einmal drein ergeben!

dergleichen Ungereimtheiten und Unanstndigkeiten drffen eben nicht mit viel Worten gergt werden; es ist vllig hinlnglich sie blo anzuzeigen.

 Es wre zu wnschen, dass die witzigen Kpfe sich die Klugheit der alten Philosophen zum Muster vorstellten. Diese hatten einen Exoterischen Vortrag fr das allgemeine Publikum und er war vorsichtig, damit kein Ansto gegeben wrde: denn einen Esoterischen fr eine kleine Anzahl auserlesener Zuhrer, die ohne Gefahr schon mehr vertragen konnten. In Schriften die fr die kleine Zahl der Kenner geschrieben sind, hat es mit der Schreibart, wenn sie nur reizend genug ist, weniger Bedenklichkeit. Denn fr Kenner kann etwas blo belustigend sein, was dem groen Haufen schdlich wre. Man muss einen Unter

schied zwischen den Personen machen, mit denen man spricht. Ein verstndiger Mann erlaubt sich in einer Gesellschaft seines gleichen viel und kann es sich ohne Bedenken erlauben, dafr er sich in anderen Gesellschaften sorgfltig hten wrde. Warum soll man diese Klugheit nicht auch in Schriften beobachten?

 

si vis me flere, dolendum est Primum ipsi tibi.

kann ohne alle Ausnahm auf jede Art des Inhalts angewendet werden. Der Lehrer, welcher den Charakter einer inneren berzeugung, einer auf sein eigenes Herz wirkenden Kraft der Wahrheit in seiner Schreibart empfinden lsst, kann sicher sein, nicht blo den spekulativen Verstand zu berzeugen, sondern die Wahrheit auch wirksam zu machen; und wer durch seinen Stoff sanft oder lebhaft vergngen oder ergtzen will, hat den Endzweck schon zur Hlfte erreicht, wenn seine Schreibart den Charakter dieser Art des Vergngens empfinden lsst. Darum bedarf es weiter keiner Erinnerung dass bei jedem Werke des Geschmacks besondere Sorgfalt auf die Schreibart zu wenden sei.

 Wir wollen nun versuchen die verschiedenen zur Schreibart gehrigen Punkte etwas nher zu bestimmen. Hier entstehen also die Fragen: 1. wie wir in einem Werke von dem Materiellen oder den Gedanken selbst, das, was zur Schreibart muss gerechnet werden, von dem brigen unterscheiden sollen und 2. was auch im Ausdruck als eine Wirkung der Schreibart anzusehen sei? Allgemein haben wir die Fragen vorher schon beantwortet. Wir wollen hier die gegebene Regel auf jeden der beiden Punkte besonders anwenden.

  1. Man stelle sich bei jedem Werk die Materie oder den Stoff desselben und den Zweck des Verfassers, so genau und bestimmt als es mglich ist, vor und beurteile jeden einzelnen Gedanken, jeden Begriff, um zu entdecken, ob er wesentlich zum Stoff und zum Endzweck des Verfassers gehre oder doch so natrlich damit verbunden sei, dass er jedem scharfsinnigen und nachdenkenden Verfasser, dem wir jetzt keinen besonders ausgezeichneten Charakter, keine merkliche Laune zuschreiben, notwendig oder natrlich eingefallen wre. Ist dieses, so gehrt er zum Stoff und nicht zur Schreibart; finden wir ihn aber von so besonderer Art, dass er mehr aus dem besonderen Charakter des Verfassers oder aus seiner besonderen Laune entstanden ist, so mssen wir ihn zur Schreibart rechnen. Beispiele werden dieses erlutern. Cicero sagt in seiner ersten catilinarischen Rede unter anderen folgendes: Da nun die Sachen so stehen, Catilina, so fahre fort, wie du angefangen; begieb dich endlich aus der Stadt; die Tore stehen dir offen, zieh heraus Fhr auch alle deine Anhnger mit dir heraus, wenigstens die meisten davon. Reinige die Stadt Unter uns kannst du nun nicht lnger wohnen, das kann ich nicht ertragen, ich will und kann es nicht leiden1. Das Wesentliche ist hier die ernstliche Mahnung, Catilina soll mit seinem Anhang aus der Stadt weichen; weil er nach dem, was von seinem Anschlag entdeckt worden, nicht weiter darin knne gelitten werden. Dieser Gedanken fliet natrlicher Weise aus dem vorhergehenden und jeder Mann von berlegung, der die Sache aus dem Gesichtspunkt angesehen htte, aus dem der Consul sie sah, wrde denselben gehabt haben. Aber die Nebengedanken: die Tore stehen dir offen; die Wiederholung: zieh heraus; der schimpfliche Vorwurf: reinige die Stadt ; der letzte Zusatz ich will und kann es nicht leiden, sind Gedanken der Schreibart, die aus dem besonderen Charakter des Redners entstanden sind, der in allen seinen Reden etwas von diesem berfluss der Gedanken zeigt. Dergleichen Zustze zu dem Wesentlichen der Gedanken und solche Nebenbegriffe, die nicht aus genauer berlegung der Sachen entstehen, sondern in dem Charakter oder in der gegenwrtigen Gemtslage des Redenden ihren Grund haben, mischen sich meistenteils ohne sein Bewutsein unter die Hauptgedanken und gehren deswegen zu seiner besonderen Schreibart. Aufgeweckten und lustigen Personen kommen scherzhafte, lustige Nebenbegriffe, indem sie an die Hauptsache denken; dem ernsthaften etwas finsteren Manne fallen ernsthafte, auch wohl verdrieliche Nebengedanken ein; dem Wollstigen wollstige und so jedem anderen solche, die seinem Charakter oder der gegenwrtigen Laune gem sind. Diese Nebengedanken aber machen bei der Schreibart eine Hauptsache, aus. Daher kommt es, dass der spekulative, metaphysische Kopf die Hauptsache, die jeder andere blo wrde genannt haben, durch Beiwrter oder ganze Stze, nher und genauer als irgend ein anderer Schriftsteller bestimmt; dass der empfindsame Mann, Gedanken und Begriffe, die seinem gefhlvollen Herzen bei Gelegenheit der Hauptsachen eingefallen, mit einmischt; dass der witzige Kopf von sehr lebhafter Phantasie alles mit einer Menge sinnlicher Nebengedanken und kleinen Malereien ausschmckt; dass der Mann von gerader und kalter Vernunft, mehr als alle andere bei der Hauptsache bleibt und nichts einmischt, als, was gerade zur Sache gehrt; dass der pnktliche und etwas misstrauische alles durch eine Menge Nebenbegriffe auf das ngstliche zu bestimmen sucht, und mehr dergleichen Verschiedenheiten in dem was zu den Gedanken selbst gehrt. Dieses ist so offenbar, dass wir nicht ntig haben Beispiele darvon anzufhren.

 Der Schwung und die Wendung der Gedanken, die einen wesentlichen Teil der Schreibart ausmachen, kommen von dem Temperament, von dem Stand und der Lebensart des Redenden. Ein feuriger hiziger Mann gibt den Gedanken einen lebhaften Schwung, ein feiner Hofmann, der gewohnt ist berall die gefllige und angenehme Seite der Sachen zu zeigen und gleichsam immer nur auf den Zeen zu gehen, wird auch allem, was er sagt, eine solche gefllige Wendung geben.

  Ferner gehren die Einkleidung, Ordnung und Verbindung der Gedanken ebenfalls zur Schreibart. Wer mehr Verstand als Witz hat, trgt alles, so zu sagen, in seiner nakenden Gestalt vor; der, dessen Phantasie lebhaft ist, kleidet sie hufig in Bilder ein. Die Wahl dieser Bilder richtet sich wieder nach dem Charakter des Redenden, sind lustig, lieblich, von gemeinen oder seltenern Dingen hergeholt, nach der. Gemtsbeschaffenheit dessen, der sie braucht. Und so ist es mit der Ordnung und Verbindung der Gedanken. Ein heller Kopf sucht natrliche Ordnung; ein hiziger versumt sie ofte; ein etwas ngstlicher Mann sucht die pnktlichste Verbindung u.s.w. Hieraus nun ist offenbar genug, was man von den Gedanken in den Werken der redenden Knste zur Schreibart rechnen soll.

 2. Was ist aber in den Worten und Redensarten Schreibart? Um diese Frage zu beantworten, mssen wir notwendig auf das Achtung geben, was die Worte, auer dem Bedeutenden, dem Sinn und dem Geiste, der in ihnen liegt, sonst noch an sich haben, daraus man auf die Sinnesart, den Charakter, die Laune des Sprechenden schlieen kann. Und hier zeigen sich gleich mancherlei Dinge von dieser Art; denn ein Wort und eine Redensart kann bei einerlei Bedeutung edel oder niedrig, anstndig und schicklich oder unanstndig, gewhnlich und also einigermaen natrlich oder gesucht und geziert; vergrerend oder verkleinernd; frhlich oder finster, komisch oder tragisch; platt oder fein, u.s.w. sein. Auer den einzeln Wrtern sind auch die Redensarten und die daraus gebildeten Stze von verschiedenem Charakter. Sie knnen steif, gezwungen, vernachlssigt, weitschweifend, hart und holpericht, unbestimmt, u.s.w. oder flieend, leicht, kurz, wolbestimmt sein und noch auf verschiedene Weise ihre eigene Art haben. Kurz, der bloe Ausdruck kann eben so vielerlei Charakter annehmen als die Gedanken selbst. Dieses Charakteristische gehrt nun alles zur Schreibart, die durch die Art des Ausdrucks so gut als durch das besondere Geprg der Gedanken, ihren eigenen Charakter bekommt.

  Es wre ein vllig vergebliches Unternehmen und wrde sich am wenigsten hierher schicken, die verschiedenen Arten und Schattierungen des Styls beschreiben zu wollen; sie sind so mannigfaltig als die Physionomien der Menschen selbst. So weit kann sich die ausfhrlichste Theorie der schnen Knste nicht einlassen.

 Was aber bei dieser groen Mannigfaltigkeit der Schreibarten dazu gehre, dass jede in ihrer Art gut und einem Werke des Geschmacks anstndig sei und wodurch sie, von welchem Charakter sie sonst sei, schlecht und verwerflich werde, verdient besonders erwogen zu werden. Es lassen sich auch viel gute und schlechte Eigenschaften derselben berhaupt angeben.

Da wir hier in enge Schranken eingeschlossen sind, so knnen wir die Sachen blo anzeigen, ohne sie weiter auszufhren. Es ist aber sehr zu wnschen, dass diese wichtige Materie von wahren Kennern etwas umstndlich behandelt werde.

 Unsers Erachtens verdient keine Schreibart gut genannt zu werden, wenn sie nicht folgende Eigenschaften hat. 1. Anstand, Schicklichkeit oder berhaupt gut gesittetes Wesen; denn eine niedrige, pbelhafte, ausschweifende, unsittliche Schreibart, ist offenbar dem guten Geschmack entgegen. Dieses bedarf keiner Ausfhrung. 2. bereinstimmung des Charakters mit dem Inhalt. Wenn dieser ernsthaft, frhlich, rhrend, traurig, von hoher Wrde oder von geringerm Rang ist u.s.w.; so muss der ganze Charakter der Schreibart, in Gedanken und Ausdruck, eben so sein. Ernsthafte Sachen, mit scherzhaften Nebenbegriffen und einem leichtsinnigen Ausdruck vorgetragen, machen einen widrigen Gegensatz aus. 3. sthetische Kraft, von welcher Art sie sei;2 weil ohne sie die Schreibart troken, matt und vllig leblo wird. Wo nicht aus der Schreibart entweder vorzgliche Verstandeskrfte oder eine schne und lebhafte Phantasie oder ein empfindsames Herz oder gute Gesinnungen, hervorleuchten, da fehlt es ihr an Kraft und sie erweckt gar bald berdru. Solche Werke gleichen den Gesichtern ohne Physionomie: wie wohl gebildet sie auch sonst sein mgen; so haben sie doch keine Kraft zu gefallen, weil es ihnen an der Seele fehlt. Es ist dem nach eine Hauptmaxime zu Erreichung einer guten Schreibart, dass durch sie der Verstand oder die Phantasie oder das Herz in bestndiger Beschftigung unterhalten werde. Die Art dieser Unterhaltung aber muss durch den Inhalt bestimmt werden. Spricht man von Empfindung, so muss auch die Schreibart herzlich und weder witzig, noch tiefsinnig sein. Ist die Erleuchtung des Verstandes die Hauptabsicht, so muss die Schreibart weder witzig noch empfindsam sein. Einen gleichgltigen Inhalt mag man mit witzigen Einfllen beleben. 4. Auch ein gewisser Grad der Klarheit, Leichtigkeit, Bestimmtheit und Nettigkeit, muss bei jeder guten Schreibart sein. Die Rede gleicht einem Instrument, das zu einem genau bestimmten Gebrauch dient: je genauer jeder kleinste Teil desselben sich zu dem Gebrauch schickt; je leichter man aus der Form seine Tchtigkeit erkennt, je mehr gefllt es. Entdeckt man aber irgend etwas, das seinen Gebrauch unbequem macht; ist es da, wo es schneiden soll, nicht vollkommen scharf; da wo man es anfassen soll, nicht vollkommen zur Hand; sind berflssige Teile daran, deren Absicht man nicht erkennt; oder ist etwas, das feste sein soll, wankend; passen die Teile, die an einander schlieen sollen, nicht fest auf einander u.s.w. so kann nur ein Pfuscher sich damit begngen. So vollkommen, so reinlich, so richtig3 jedes Werk der mechanischen Kunst sein muss, so be stimmt, nett und klar, muss auch jeder Gedanken und jeder Ausdruck, in der Rede sein.

 Die vierte Foderung betrifft so wohl das Ganze eines Werks als jeden einzelnen, greren oder kleineren Teil. Denn jeder einzelne Satz kann Klarheit und Nettigkeit haben und doch kann dem Ganzen beides fehlen. Was wir also anderswo von der Anordnung des Ganzen und von der Gruppirung der Teile gesagt haben, gehrt notwendig hierher. Dieses ist in der Schreibart vielleicht der schwerste Punkt; weil er ohne langes Nachdenken, ohne viel Verstand, schnelle und richtige Beurteilung und ein beraus scharfes Aug, nicht kann erreicht werden. Wie bald entschlpft uns in einzelnen Stzen ein etwas unbestimmtes oder miges oder in seiner Bedeutung etwas dunkles Wort? Und was gehrt nicht dazu, das Wesentliche eines ganzen Werks sich auf einmal so vorzustellen, dass man die natrlichste Ordnung in der Materie entdecken knne?

 5. Auch die Einfrmigkeit ist eine Eigenschaft jeder guten Schreibart. In einer Rede muss man nicht von einem Charakter auf den anderen springen, jetzt gesetzt und kalt; dann lebhaft und feurig; an einem Orte scherzend; denn wieder ernsthaft oder gar strenge sein. Jede Rede hat nur einen Inhalt und dieser muss einen bestimmten Charakter haben, auf den auch die Schreibart passen muss. Darum soll sie nicht abwechselnd, bald diese bald eine andere Art annehmen.

  6. Endlich knnen wir auch den Wohlklang und die Reinheit des Ausdrucks unter die notwendigen Eigenschaften der Schreibart rechnen. Jeder Fehler gegen die Grammatik und jeder belklang ist anstig. Dieses braucht nicht weiter ausgefhrt zu werden, da es fhlbar genug ist.

 Was nun diesen verschiedenen Foderungen entgegen ist, muss notwendig die Schreibart schlecht machen. Nmlich 1. das unsittliche oder schlechte und geschmacklose in dem Charakter derselben berhaupt. Es ist aus dem vorhergehenden gar leicht zu bestimmen, wie der Charakter der Schreibart sowohl in Gedanken als Ausdruck niedrig, grob, schwlstig, ausschweifend, bertrieben, geziert, mutwillig u.s.w. werden knne. 2. Das Widersprechende zwischen dem Inhalt und der Schreibart. Wie wenn jener ernsthaft, diese leichtsinnig; jener leicht und gering, diese pathetisch und vornehm ist u. d. gl. 3. Das Kraftlose berhaupt. Die Materie kann wichtig und interessant sein und doch vllig in einer nichtsbedeutenden Schreibart vorgetragen werden, die uns klar sehen lsst, dass der Redende weder Verstand, noch Einbildungskraft, noch Gefhl hat. Man darf, um dieses zu begreifen, nur Achtung geben, wie etwa ein Idiot, ein geschmackloser und unempfindlicher Mensch spricht, wenn er auch etwas wirklich wichtiges erzhlt, das er gesehen oder gehrt hat. Aber diese Kraftlosigkeit ist vielmehr ein gnzlicher Mangel der Schreibart, als eine fehlerhafte Gattung derselben. Man muss sich aber sehr in Acht nehmen, dass man nicht die edle Einfalt der Schreibart, was die Alten den wahren Atticismus nennen und davon wir in den Schriften des Xenophons die besten Muster antreffen, fr das Kraftlose halte. Das vollkommen natrliche, sanft- und leichtflieende, ist so wenig kraftlos, dass man ihm vielmehr, ohne md oder satt zu werden, mit anhaltender Lust zuhrt; weil der Geist ohne Anstrengung durch Ordnung, natrlichen Zusammenhang, Klarheit und die hchste Richtigkeit und Schicklichkeit der Gedanken und des Ausdrucks, sich bestndig in einer angenehmen Lage findet.4 4. Auch das Dunkele, Verworrene und Unbestimmte, sind Fehler, die die Schreibart durchaus schlecht machen. Worin dieses bestehe, haben wir nicht ntig zu entwickeln. 5. Die Ungleichheit und Unbestndigkeit; wenn man nmlich bei einerlei Inhalt, bald kalt, bald warm; bald witzig, bald empfindsam, bald scherzhaft, bald streng schreibt. 6. Endlich wenn es der Schreibart an Sprachrichtigkeit und Wohlklang fehlt.

 Aber wie gelangt man dazu, dass man alle Mittel, wodurch das Gute der Schreibart erhalten und das Schlechte vermieden wird, in seine Gewalt bekomme? Eine sehr wichtige Frage! Sie ist zwar leicht zu beantworten; aber das, was die Antwort fordert, ist schwer zu erhalten.

 Es erhellt aus allem, was wir ber diese Materie gesagt haben, dass das Wichtigste davon in dem Charakter dessen, der schreibt, seinen Grund habe. Scribendi fons est sapere. Kein Mensch gibt sich seinen Charakter, man hat ihn von Natur. Aber zwei Dinge sind, die ein Schriftsteller zu Erlangung der guten Schreibart, in Absicht auf seinen Charakter zu tun hat. Das Geprge oder die Art desselben, die er von der Natur bekommen hat, kann er ausarbeiten, verbessern und zu einem gewissen Grad der Vollkommenheit bringen. Wer sicher sein will gut zu schreiben, muss seines Charakters gewiss sein. Unfehlbar malt er sich selbst in seinen Reden; darum trete er nicht eher ffentlich auf, bis er gewiss ist, dass er seinen Charakter, er sei nun von welchem Geprg er wolle, so weit bearbeitet und verbessert habe, dass der verstndigen und gesitteten Welt nichts, darin anstig sei; bis er fhlt, er knne sich mit Ehren und Beifall in derselben zeigen. Dies ist freilich eine schwere Foderung, besonders da die hizige und unerfahrne Jugend, gerade den strksten Reiz zum Schreiben empfindet. Dem, der in diesem Stck ernstlich nach Beifall und Ehre trachtet, wei ich nichts besseres ber diesen wichtigen Punkt zu sagen als dass ich ihn vermahne, ein bescheidenes Misstrauen in sich selbst zu setzen. So viel kann man von dem, der sich einfallen lsst als ein Schriftsteller ffentlich aufzutreten, fordern, dass er berlegende Blicke auf die verschiedenen Stnde der menschlichen Gesellschaft geworfen habe; dass er wisse, wie ausgedehnt oder eingeschrnkt seine Kenntnis der Menschen und jedes Standes eigener Art sei. Gehet er mit dieser Kenntnis in sich selbst, so sollte es ihm auch so sehr schwer nicht sein zu merken, wo er sich ohne Gefahr anzustoen und mit einiger Zuversicht zeigen knne und wo er vorsichtig und hchst bescheiden aufzutreten ntig habe. Dergleichen berlegungen werden ihm einiges Licht ber das geben, was etwa in seinem Charakter noch roh, ungebildet, ungesittet oder doch unzuverlssig ist. Er wird auf Mittel denken, die gefhrlichen Klippen, daran er scheitern wrde, zu vermeiden und erkennen, was ihm zu weiterer Bearbeitung und Ausbildung seines Charakters noch fehle. Ist er so weit gekommen, so ist er auf dem rechten Weg sich selbst immer mehr zu bilden und endlich dahin zu gelangen, wo er, ohne groe Gefahr sich in einer unschicklichen Gestalt zu zeigen, vor das Publikum treten kann.

 Ist der Schriftsteller sich bewut, dass er unter gehriger Vorsichtigkeit es wagen knne, durch seine Schreibart seinen Charakter an den Tag zu legen; so hat er nun auch ferner in jedem besonderen Falle ntig, das Verhltnis dieses Charakters gegen seine Materie genau zu berlegen, damit er nichts unternehme, das seiner Art zuwieder sei. Will er scherzen oder sich in ernsthafter Wrde zeigen; will er witzig oder empfindsam schreiben; so muss er auch versichert sein, dass der Charakter, den er anzunehmen gedenkt, seinem Naturell oder Temperament nicht zuwieder sei. Denn durch Zwang und Nachdenken richtet man gewiss nichts aus, wo der natrliche Trieb fehlt. Wem die Natur eine lachende Laune versagt hat, dem wird es gewiss nicht glcken, sich in seiner Schreibart als einen chten Lacher zu zeigen. Darum ist es hchst wichtig, dass jeder Schriftsteller sich selbst kenne und in seiner Art bleibe.

 Dieses sind also die zwei Hauptmaximen, die man zu Erreichung einer guten Schreibart befolgen muss. Aber allein find sie noch nicht hinreichend zum Zweck zu fhren. Zwei eben so notwendige Eigenschaften mssen noch hinzukommen, nmlich: eine vllig gelufige Kenntnis der Sachen, ber die man schreibt und der Sprache, die man zum Ausdruck braucht.

 Die gute Schreibart erfordert ein vllig freies und durch keine Art des Zwanges gehemmtes Verfahren. Wer seine Materie nicht vllig besitzt, kann nicht ohne Zwang, ohne Ungewissheit, ohne einige ngstlichkeit davon sprechen, er msste denn ein vllig leichtsinniger Kopf sein. So lange der Geist durch die Ungewissheit und Dunkelheit der Materie gehemmt ist, kann die Rede nicht frei flieen. So wie ein Tnzer die Leichtigkeit und Annehmlichkeit seiner Stellungen und Bewegungen nicht zeigen kann, wenn er einen ihm noch nicht gelufigen Tanz mitmachen soll; so kann auch ein Schriftsteller, wenn er sonst noch so gut schriebe, die Schreibart nicht in ihrer Vollkommenheit zeigen, wenn ihm seine Materie nicht gelufig ist. Darum la er es, ehe er die Feder ansetzt, seine erste Sorge sein, alles, was zu seiner Materie gehrt, zu sammeln, wohl zu berlegen, richtig zu ordnen und sich so genau bekannt zu machen, dass er ohne Zwang und mit vlliger Zuversicht davon sprechen knne.

 Eben diese vollkommene Kenntnis und Gelufigkeit, wird auch in Ansehung der Sprache erfordert. Dieses ist aber zu offenbar als dass es einer nhern Ausfhrung bedrfte. Wem nicht die Wrter und Redensarten im berflus zustrhmen, der hat auch nicht die freie Wahl, sie dem Charakter seiner Materie und seiner Gedanken gem zu whlen.

Aus diesem allen erhellt nun, was fr eine schwere Sache es sei, zu einer guten Schreibart zu gelangen; wie viel natrliche Gaben, wie viel Kenntnis, und wie viel Fertigkeit im Denken dazu erfordert werde. Und doch muss nun zu allem diesen noch die bung hinzukommen, ohne welche man nicht vollkommen werden kann. Wer noch so gebt ist im Denken und im Sprechen mit sich selbst, wird allemal noch groe Schwierigkeiten finden, das, was er sich selbst richtig und gut vorstellt, anderen eben so zu sagen. Die Ausbung hat in allen Dingen ihre eigenen Schwierigkeiten, die nur durch anhaltendes Arbeiten berwunden werden. Wer zu einer wahren Fertigkeit in der guten Schreibart gelangen will, muss sich tglich darin ben. Hierzu aber braucht er nicht notwendig Papier und Feder; es gibt noch ein bequemers Mittel dazu. Man darf nur in den stillen Unterredungen mit sich selbst oder in Gesprchen, die man blo in Gedanken mit anderen fhrt, aufmerksam auf das sein, was zur Schreibart gehrt. Da kann man in kurzer Zeit und ohne Papier zu verschwenden, seine Redensarten und Stze vielfltig ndern, bis man glaubt das beste getroffen zu haben. Es ist sehr wichtig, dass man dergleichen bungen mit sich selbst fleiig treibe. Wer mit sich nachlssig spricht und nicht bei jedem Gedanken, den er sich vorsagt, auf den besten Ausdruck sieht und so lange sucht, bis er glaubt, ihn gefunden zu haben, der wird auch schwerlich zu irgend einem betrchtlichen Grad der guten Schreibart gelangen.

 Sehr viel kann man auch durch den tglichen Umgang mit den besten Schriftstellern gewinnen, und, wer hierzu glcklich genug ist, durch den wirklich lebendigen Umgang mit Personen, die es in der Kunst zu reden, zu einem hohen Grad der Vollkommenheit gebracht haben. Wer da Gefhl genug hat, wird alle Augenblick durch vorzgliche, bisweilen hchst glckliche Wendungen der Gedanken und des Ausdrucks gerhrt. Das Vergngen, das man daraus schpfet, erweckt nicht blo kahle Bewunderung, sondern auch ein Bestreben eben so gut zu sprechen; und dann findet man sich geneigt, jene bungen zu Entdeckung des vollkommensten Ausdrucks mit sich selbst vorzunehmen.

 Ehe ich diesen Artikel beschliee, finde ich ntig zu erinnern, dass das, was hier von der Wichtigkeit der Schreibart gesagt worden, vornehmlich von den Werken des Geschmacks gemeinet sei. Zwar ist eine gute Schreibart berall etwas schtzbares, aber bei spekulativen Materien und berhaupt da, wo es blo auf Unterricht, er sei dogmatisch oder historisch, ankommt, hat die Schreibart so viel nicht auf sich als in Werken des Geschmacks. Doch auch bei diesen muss man ihr keinen hheren Wert beilegen als sie ihrer Natur nach haben kann. Sie gehrt immer zur Form und muss notwendig eine Materie zum Grund haben, die mit dieser Form bekleidet wird. Hat die Materie selbst keinen oder nur einen geringen Wert, so kann die bloe Form in den Augen der Verstndigen einem Werke wohl Annehmlichkeit, aber keinen hohen Wert, keine betrchtliche Wichtigkeit geben. Es ist damit wie mit den Manieren und dem uerlichen Be

tragen der Menschen, die bei einem recht guten innern Charakter von groem Werte sein knnen, aber da, wo dieser fehlt, wenig schtzbares auf sich haben. Ob also gleich zu wnschen ist, dass man in der deutschen Literatur mit mehr Ernst als gemeinhin geschiehet, auf die Vollkommenheit der Schreibart denke; so mchte ich doch nicht erleben, dass es bei uns dahin kme, dass man, wie jetzt in Frankreich ziemlich durchgngig geschieht, bei Beurteilung neuer Schriften zuerst und vorzglich auf die Schreibart she, und das Materielle des Werks wie eine Nebensache betrachtete.

 

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1 Qu cum ita sint Catilina, perge quo cpisti; egredere aliquando ex urbe; patent port, prosiciscere. Educ tecum etiam omnes tuos, si minus quam plurimos. Purga urbem Nobiscum versari jam diutius non potes; non feram, non patiar, non sinam.

2 S. Kraft.

3 S. Reinlichkeit; Richtigkeit.

4 Wir wollen den Charakter dieser attischen Schreibart, wie ihn Cicero zeichnet, hierher setzen. Submissus et humilis, consuetudinem imitans, ab indisertis re plus quam opinione differens. Itaque eum qui audiunt, quamvis ipsi infantes sunt, tamen illo modo confidunt se posse dicere. Nam orationis subtilitas imitabilis illa quidem videtur esse existimanti; sed nihil est experienti minus. Etsi enim non plurimi sanguinis est, habeat tamen succum aliquem oportet, ut etiamsi maximis illis viribus careat, sit ut ita dicam integra valetudine etc. Cic. Orat. c. 23.


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