2. Es soll kein fr sich bestehender Staat (klein oder gro, das gilt hier gleichviel) von einem andern Staate durch Erbung, Tausch, Kauf oder Schenkung erworben werden knnen.

 

Ein Staat ist nmlich nicht (wie etwa der Boden, auf dem er seinen Sitz hat) eine Habe (patrimonium). Er ist eine Gesellschaft von Menschen, ber die niemand anders, als er selbst, zu gebieten und zu disponieren hat. Ihn aber, der selbst als Stamm seine eigene Wurzel hatte, als Pfropfreis einem andern Staate einzuverleiben, heit seine Existenz, als einer moralischen Person, aufheben, und aus der letzteren eine Sache machen, und widerspricht also der Idee des ursprnglichen Vertrags, ohne die sich kein Recht ber ein Volk denken lt.*) In welche Gefahr das Vorurteil dieser Erwerbungsart Europa, denn die andern Weltteile haben nie davon gewut, in unsern bis auf die neuesten Zeiten gebracht habe, da sich nmlich auch Staaten einander heuraten knnten, ist jedermann bekannt, teils als eine neue Art von Industrie, sich auch ohne Aufwand von Krften durch Familienbndnisse bermchtig zu machen, teils auch auf solche Art den Lnderbesitz zu erweitern. Auch die Verdingung der Truppen eines Staats an einen andern, gegen einen nicht gemeinschaftlichen Feind, ist dahin zu zhlen; denn die Untertanen werden dabei als nach Belieben zu handhabende Sachen gebraucht und verbraucht.

 

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*) Ein Erbreich ist nicht ein Staat, der von einem andern Staate, sondern dessen Recht zu regieren an eine andere physische Person vererbt werden kann. Der Staat erwirbt alsdann einen Regenten, nicht dieser als ein solcher (d.i. der schon ein anderes Reich besitzt) den Staat.


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