Erfahrung, Ursache und Wirkung


Aber ich bemerkte in betreff der Erfahrungen, dass sie um so notwendiger sind, je mehr man in der Erkenntnis fortschreitet. Denn fr den Anfang ist es besser, nur die Erfahrungen zu brauchen, die sich von selbst unseren Sinnen darbieten und die wir bei der kleinsten Aufmerksamkeit nicht auer acht lassen knnen, als solche aufzusuchen, die seltener und verborgener sind. Der Grund ist folgender: diese seltenen Erfahrungen tuschen oft, wenn man noch nicht die Ursachen der gewhnlichsten kennt, und die Umstnde, von denen sie abhngen, sind fast immer so eigentmlich und so klein, dass es sehr schwer ist, sie zu bemerken. Aber die Ordnung, die ich hierin eingehalten habe, war diese: zuerst habe ich versucht, im allgemeinen die Prinzipien oder ersten Ursachen aller Dinge zu finden, die in der Welt sind oder sein knnen, ohne als deren Ursache etwas anderes anzusehen als Gott allein, der sie geschaffen hat, oder die Prinzipien anderswoher zu nehmen als aus gewissen uns angebornen Wahrheiten. Dann habe ich untersucht, welches die ersten und gewhnlichsten Wirkungen wren, die sich aus jenen Ursachen ableiten lieen, und so habe ich, wie mir scheint, Himmel, Gestirne, Erde, und auf der Erde selbst Wasser, Luft, Feuer, Minerale und einige andere Dinge dieser Art gefunden, welche die allergewhnlichsten, einfachsten und folglich begreiflichsten sind. Als ich aber weiter herabsteigen wollte unter die grere Besonderheit der Dinge, bot sich mir eine so groe Mannigfaltigkeit dar, dass ich es fr Menschen unmglich hielt, die Formen oder Arten der irdischen Krper von unendlich vielen anderen zu unterscheiden, die ebensogut auf der Erde sein knnten, wenn es Gottes Wille gewesen wre, sie hierher zu setzen, also auch fr unmglich, sie von Seiten des Nutzens zu nehmen, wenn man nicht durch die Wirkungen zu den Ursachen aufstiege durch viele ins einzelne gehende Erfahrungen. Darauf ging mein Geist alle Objekte durch, die sich je meinen Sinnen dargeboten, und ich darf sagen, ich habe nichts bemerkt, das ich nicht nach den von mir gefundenen Prinzipien ohne Mhe htte erklren knnen. Aber ich mu auch bekennen, die Macht der Natur ist so umfassend und weit, jene Prinzipien sind so einfach und allgemein, dass ich im besonderen fast keine Wirkung mehr bemerke, von der ich nicht einsehe, dass sie sich auf mehrere verschiedene Arten ableiten lt, und dass meine grte Schwierigkeit darin besteht, die bestimmte Wirkungsart zu finden. Denn ich wei hier kein anderes Hilfsmittel, als wieder einige Experimente zu suchen, bei denen der Erfolg nicht derselbe ist, wenn man ihn so oder anders erklrt. brigens bin ich jetzt so weit, dass ich wohl sehe, wie man es anfangen mu, um den grten Teil jener zur Wirkung zweckdienlichen Experimente zu machen. Aber ich sehe auch, dass sie so beschaffen und so zahlreich sind, dass weder meine Hnde noch meine Einknfte, wenn ich auch tausendmal mehr htte, als ich habe, fr alle ausreichen wrden. Je nachdem ich also mehr oder weniger solche Experimente zu machen die Gelegenheit haben werde, um so mehr oder weniger werde ich auch in der Erkenntnis der Natur vorwrtskommen. Dies wollte ich in der von mir geschriebenen Abhandlung mitteilen und den ffentlichen Nutzen davon so klar dartun, dass ich alle, denen das Wohl der Menschen am Herzen liegt, das heit alle in Wahrheit Tugendhaften, die nicht flschlich so scheinen oder blo als solche gelten, dazu bringen wrde, mir sowohl die von ihnen bereits gemachten Experimente mitzuteilen als bei der Untersuchung derer, die noch gemacht werden mssen, zu helfen.


 © textlog.de 2004 06.09.2026 13:35:49
Seite zuletzt aktualisiert: 21.12.2006 
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