
Erstes Kapitel.
[Die Mitte wird durch rechte Vernunft bestimmt]
Da wir frher gesagt haben, man msse die Mitte whlen, nicht das berma und den Mangel, und da die Mitte durch die rechte Vernunft bestimmt wird, so wollen wir dieses jetzt nher erklren.
In allen habituellen Beschaffenheiten, die wir bisher behandelt haben, gibt es, wie auch bei den brigen Fertigkeiten, einen Zielpunkt, auf den hinblickend der Inhaber der rechten Vernunft seine Krfte anspannt und einhlt, und eine Grenze, jene Mitten nmlich, die nach uns, als der rechten Vernunft entsprechend, zwischen dem berma und dem Mangel liegen.
Diese Bestimmung ist nun zwar richtig, aber noch keineswegs deutlich. Ist es doch bei jedem Geschft, von dem es eine Wissenschaft gibt, richtig, zu sagen, man msse dabei der Sorge und der Zuversicht weder zu viel noch zu wenig einrumen, sondern die von der rechten Vernunft gewiesene Mitte halten; aber damit allein wei man noch nichts besonderes; so wei man noch keineswegs, was man dem Krper zukommen lassen mu, wenn einem gesagt wird: alles, was und wie die Gesundheitslehre und der mit ihr Vertraute es vorschreibt. Darum ist es auch hinsichtlich der psychischen Beschaffenheiten nicht genug, wenn der aufgestellte Grundsatz wahr ist: es mu auch genau angegeben werden, welches die rechte Vernunft ist, und wie sie sich bestimmen lt.