
a. Dienstbarkeit fr einen bestimmten Zweck
Demgem, was ich mehrmals bereits angefhrt habe, besteht der Grundbegriff der eigentlichen Baukunst darin, da die geistige Bedeutung nicht ausschlielich in das Bauwerk selbst hineingelegt ist, das dadurch zu einem selbstndigen Symbol des Innern wird, sondern da diese Bedeutung umgekehrt auerhalb der Architektur schon ihr freies Dasein gewonnen hat. Dies Dasein kann zwiefacher Art sein, je nachdem nmlich eine andere, weiterreichende Kunst - und hauptschlich im eigentlich Klassischen die Skulptur - die Bedeutung fr sich gestaltet und herausstellt oder der Mensch dieselbe in seiner unmittelbaren Wirklichkeit lebendig in sich enthlt und bettigt. Auerdem knnen sodann diese beiden Seiten noch zusammentreten. Wenn also die orientalische Architektur der Babylonier, Inder, gypter einerseits, was diesen Vlkern als das Absolute und Wahrhaftige galt, symbolisch zu durch sich selber gltigen Gebilden gestaltete oder andererseits das dem Tode zum Trotz seiner ueren Naturgestalt nach Erhaltene umschlo, so ist jetzt das Geistige, sei es durch die Kunst, sei es in unmittelbar lebendiger Existenz, abgesondert von dem Bauwerk fr sich selber da, und die Architektur begibt sich in den Dienst dieses Geistigen, das die eigentliche Bedeutung und den bestimmenden Zweck ausmacht. Dieser Zweck wird dadurch jetzt das Regierende, das die Gesamtheit des Werks beherrscht, die Grundgestalt desselben, das Knochengerst gleichsam, bestimmt und weder dem materiellen Stoffe noch der Phantasie und Willkr gestattet, sich fr sich selbstndig zu ergehen wie in der symbolischen Architektur oder, wie in der romantischen, ber die Zweckmigkeit hinaus noch einen berflu mannigfaltiger Teile und Formen zu entwickeln.