a. Unterirdische indische und gyptische Bauten


Ganz anderer Art aber sind die angefhrten indischen und gyptischen unterirdischen Bauwerke. Einesteils dienten sie zu Versammlungspltzen, unterirdischen Domen und sind Konstruktionen zum Zweck des religisen Staunens und der Sammlung des Geistes, mit Anlagen, Andeutungen symbolischer Art, Sulengngen, Sphinxen, Memnonen, Elefanten, kolossalen Gtzenbildern, die, aus dem Felsen gehauen, mit dem unfrmlichen Ganzen des Gesteins ebenso zusammengewachsen gelassen wurden, wie man die Sulen in den Aushhlungen aussparte. Vorn an der Felsenwandung waren diese Bauten hin und wieder ganz geffnet, andere zum Teil ganz finster und nur durch Fackeln erleuchtbar, zum Teil etwa oben offen.

Im Verhltnis zu den Bauten ber der Erde erscheinen dergleichen Aushhlungen als das Ursprnglichere, so da man die ungeheuren Anlagen ber dem Erdboden nur als Nachahmung und berirdische Erblhungen aus dem Unterirdischen ansehen kann. Denn es ist da nicht positiv gebaut, sondern nur negativ weggenommen worden. Sich einzunisten, einzugraben ist natrlicher, als auszugraben, das Material erst zu suchen, zusammenzutrmen und zu gestalten. Man kann in dieser Rcksicht die Hhle sich als frher entstehend vorstellen als die Htte. Die Hhlen sind ein Ausweiten statt Begrenzen oder ein Ausweiten, das ein Begrenzen und Umschlieen wird, bei welchem die Umschlieung schon vorhanden ist. Das unterirdische Bauen fngt deshalb mehr von dem Vorhandenen an und erhebt sich, insofern es die Hauptmasse lt, wie sie ist, noch nicht so frei als das Gestalten ber dem Boden. Fr uns aber gehren diese Bauten, wie symbolischer Art sie auch sein mgen, schon zu einer weiteren Stufe, da sie nicht mehr so selbstndig symbolisch dastehen, sondern bereits den Zweck der Umschlieung, Wandung, Decke haben, innerhalb welcher die mehr symbolischen Gebilde als solche aufgestellt sind. Das Tempelartige, Hausartige im griechischen und neueren Sinne zeigt sich hier in seiner natrlichsten Form.

Hierher sind ferner die Mithrashhlen zu rechnen, obschon sie sich in einer ganz anderen Gegend vorfinden. Die Verehrung und der Dienst des Mithras stammt aus Persien her, doch ist der hnliche Kultus auch im rmischen Reiche verbreitet gewesen. In dem Museum zu Paris z. B. gibt es ein sehr berhmtes Basrelief, das einen Jngling darstellt, wie er dem Stier einen Stahl in den Hals stt; es ist im Kapital in einer tiefen Grotte unter dem Tempel des Jupiter gefunden worden. Auch in diesen Mithrashhlen finden sich Wlbungen, Gnge, die einerseits den Lauf der Gestirne, andererseits auch (wie noch heutzutage in den Freimaurerlogen, wo man in viele Gnge gefhrt wird, Schauspiele sehen mu usf.) die Wege symbolisch anzudeuten bestimmt scheinen, welche die Seele in ihrer Reinigung durchzumachen hat, wenn auch diese Bedeutung wohl mehr in Skulpturen und anderer Arbeit als so ausgedrckt ist, da die Architektur die Hauptsache ausgemacht htte.

In der hnlichen Beziehung knnen wir auch noch der rmischen Katakomben Erwhnung tun, denen gewi ursprnglich ein ganz anderer Begriff zugrunde lag als der, zu Wasserleitungen, Begrbnissen oder Kloaken zu dienen.


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Seite zuletzt aktualisiert: 14.09.2004 
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