Der Motorenhersteller Steyr Motors soll in die USA verkauft werden – es wäre das nächste Kapitel einer „unruhigen“ Geschichte. CEO Julian Cassutti erzählt in der „Krone“, wie es jetzt weitergehen soll.
In Steyr könnten bald Amerikaner Einzug halten: Der US-Drohnenentwickler Red Cat will Motorenhersteller Steyr Motors übernehmen. Rund 205 Millionen Euro sollen dafür fließen. Vorbehaltlich aller Genehmigungen könnte der Deal im Frühjahr 2027 über die Bühne gehen – die „Krone“ berichtete.
Eigentümer wechselten von China nach Europa
Steyr Motors fertigt Spezialmotoren, vor allem für militärische Fahrzeuge. Die nun geplante Übernahme ist ein weiteres Kapitel in einer turbulenten Geschichte. In den 1990er-Jahren wurde zunächst aus dem ehemaligen Industriekonzern Steyr-Daimler-Puch die Motorentechnik herausgelöst und an die Magna von Frank Stronach veräußert. Danach folgten mehrere Eigentümerwechsel: 2012 ging das Steyrer Unternehmen an die chinesische Investorengruppe Phoenix Tree, 2018 nach einer Insolvenz an den französischen Rüstungskonzern Thales und 2022 an die deutsche Beteiligungsgesellschaft Mutares. 2024 folgte schließlich der Börsengang.
„Unruhige Jahre“
„Die letzten Jahre waren sehr, sehr unruhig“, räumt Julian Cassutti, CEO von Steyr Motors, ein. Und der bevorstehende Verkauf an die US-Firma Red Cat war nicht unbedingt geplant: „Wenn man an der Börse ist, kann jeder Investor ein Übernahmeangebot machen. So war es auch in diesem Fall.“ Cassutti begrüßt den Verkauf aber, denn der Markt für unbemannte Wasserfahrzeuge, in dem Red Cat aktiv ist, werde „massiv steigen“. Mittelfristig könnte so die Motorenproduktion in Steyr um 3000 Stück pro Jahr aufgestockt werden. Zum Vergleich: Im Vorjahr fertigte Steyr Motors 1200 Antriebe.
„Der Name Steyr ist bekannt“
60 Prozent seines Umsatzes von zuletzt 48,5 Millionen Euro erwirtschaftet Steyr Motors mit Militärgeschäften. In den kommenden zwei Jahren soll dieser Anteil auf 80 Prozent steigen. Kritik am umstrittenen Rüstungsgeschäft kommentiert Cassutti so: „Wir können nur in die Länder liefern, die nicht auf den Sanktionslisten stehen. Daran halten wir uns natürlich.“
Das Unternehmen hat in Steyr 150 Mitarbeiter. Die Jobs sind nach der etwaigen Übernahme zwei Jahre lang gesichert – dazu hat sich die US-Firma Red Cat verpflichtet. Cassutti will am Standort festhalten: „Die Rahmenbedingungen sind sehr gut und der Name Steyr ist bei Fachkräften über Europa hinaus bekannt.“
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