
1. Windsor
Die Zimmer
Das Bett der Knigin ist schn mit Blumen gestickt. Eben so schne und noch schnere Blumenstickerei sieht man auf dem Thron im Drawing-room.
Die alten Zimmer enthalten allerlei Gemlde von wenig Wert. Die zwei neuen Zimmer sind sehr geschmacklos bunt. Wests Gemlde bleiben weit unter meiner Erwartung. Nur zwei sind gro: die Schlachten von Crecy und Poitiers; beide stellen den Zeitpunkt nach geendigter Schlacht vor. Sie haben hlzerne Pferde, und berhaupt eine gewisse Steifigkeit, einen gnzlichen Mangel an Haltung. Die Stiftung des Ordens ist auch ein groes Gemlde. Es sind einige schne Weiber in dem Gefolge der Knigin; allein das Ganze sieht aus, als htte der Knstler, um die Kostme der Zeit anzubringen, eine Menge Manequins gemalt.
Die brigen Stcke sind klein. Die Schlacht bei Nevils-cross finde ich schlecht erzhlt. Das Pferd der Knigin bumt sich so, dass sie wahrscheinlich, anstatt so kerzengrade zu sitzen, herunter gefallen wre. Und ein Pferd ist es dass Gott erbarme! Hinter der Knigin sieht man den Bischof zu Pferde im Harnisch. Es gibt keine heterogenere Figur in der moralischen so wohl als in der physischen Welt.
Die St. Georgs-Kapelle ist sehr schn. Prchtige Fascikel von Gotischen Pfeilern schieen auf in einer langen unabsehlichen Reihe, und breiten oben ihre Arme umher, dem schnen Gewlbe zur Sttze. Alles ist neu aufgeputzt; die ganze Kapelle neu gepflastert; auch die Orgel neu. West hat sich am Altar bertroffen. Es ist unstreitig das Schnste, was er je malte. Sein Christus hat Leben, Geist und Ausdruck; groer Adel, hoher Schwung, khner Enthusiasmus und erhabene Ruhe liegen in diesem Kopfe. Johannes ist ein vollkommen glcklicher Schwrmer, in der Demut und Hingebung; Judas ein Meisterstck von Gre und Kraft, bei seiner Bosheit: schn gedacht; edel mute er sein, wenn gleich nicht rein. Die brigen interessieren weniger.
Darber, nach Wests Zeichnung, das Fenster von Jarvis gemalt, die Auferstehung: ein weit greres Werk, was die Dimensionen betrifft; nur nicht so einfach in Gedanken und Gre des Dichters, als jenes, doch immer mit vieler Besonnenheit gemalt. Man sieht, dass diese Gegenstnde fhiger sind, diesen Knstler zu begeistern, als profane Geschichte. Seine Liebe fr den Knig, sein vertrauter Umgang mit ihm, seine eigene Neigung vielleicht und was sonst alles konnte zusammen wirken, um ihn fr diese Szenen zu begeistern, und seinen Vorstellungen ungewhnliche Energie zu verleihen! In der Flmischen Schule sucht man umsonst nach dem Edeln dieses Altarblattes. Es schadet ihm indes, wenn man in eben jenen Zimmern, die ich vorhin erwhnte, die hohe Einfalt von Raphaels Kartons bewundert hat. Ich mag diese Bilder nicht; sie sind in Absicht des Gegenstandes zum Teil widrig, wie der Tod des Ananias, wo Petrus wirklich etwas vom Giftmischer hat, und der andere mit dem Finger drohende Apostel etwas vom gemeinen Pfaffen, weil allerdings die Sache ziemlich pfffisch ist ferner die Heilung der Blinden und Lahmen im Tempel, von deren ekelhaften Gestalten ich noch jedesmal, so oft ich diese Kartons (nun zum drittenmal, und im Kupfer noch fter) betrachte, den Kopf abwenden mute. Ich sage: ich mag sie nicht; allein ich bewundere sie wegen einer Kraft, die kein anderer Knstler erreicht. Paulus, dem die Griechen in Klein-Asien opfern, ist aber auch ein schnes Bild; und Paulus, der den Athenern vom unbekannten Gotte predigt, ist eine gttliche Figur. Der Fischzug gehrt zu den minder edlen.