Luft

Luft. (Malerei) Der Landschaftmaler hat in Absicht auf die Luft oder den hellen Himmel, zu glcklicher Ausfhrung seiner Arbeit verschiedenes zu beobachten. Je reiner die Luft ist, je weniger von der Erde aufsteigende Dnste darin schweben, je dunkler und schner ist ihre blaue Farbe; die unsichtbaren Dnste geben der Farbe der Luft eine Mischung von grau und wenn sie in berfluss vorhanden sind, so verwandelt sich das Himmelblau vllig und wird hellgrau.

 Diese unsichtbaren Dnste sind nahe an der Erde am hufigsten: daraus folgt, dass die Farbe des Himmels vom Scheitelpunkt an, bis an den Horizont durch unmerkliche Grade allmhlich geschwcht und mit grau vermischt wird. Denn die aus der oberen Luft in das Auge fallenden Strahlen, mssen durch mehr und durch dichtere Dnste dringen, je nher der Punkt, aus dem sie kommen am Horizont liegt, wovon sich jeder ohne langes Nachdenken versichern kann. Doch wird der Bewei davon im folgenden Artikel gegeben werden. Darum muss das Blaue des Himmels in der Landschaft so gemalt werden, dass es vom hchsten Punkt an, bis an den Horizont immer etwas heller werde, am Horizont selbst ist es oft ganz ausgelscht und der Himmel ist hellgrau.

Aus eben diesem Grunde hat Leonh. da Vinci schon angemerkt, dass ferne Gegenstnde, die sich hoch in die Luft erheben, wie Berge, in der Hhe heller und weniger duftig mssen gehalten werden als tiefer gegen die Erde. Alle weitentfernten Gegenstnde, die nahe am Horizont sind, erfahren dieselbe Vernderung als das Blaue des Himmels; nachdem die Luft reiner oder von Dnsten mehr erfllt ist, bekommen alle Farben der Gegenstnde am Horizont eine geringere oder strkere Mischung des Grauen. Davon wird im nchsten Artikel ausfhrlicher gesprochen werden.

 Die Farbe der Luft kann vorteilhaft gebraucht werden, die Tages- und Jahreszeiten zu bezeichnen. Des Morgens ist, bei gleich hellem Wetter, die Farbe der Luft frischer als am Mittag und am Abend ist sie am schwchsten; weil des Morgens die Luft am wenigsten mit Dnsten angefllt ist, die den Tag ber bestndig von der Erde aufsteigen, folglich am Abend in grter Meng da sind.

 So ist im Winter die Luft heiterer und die Farbe des Himmels schner oder hrter als im Sommer; im Herbst aber ist sie am meisten mit grau vermischt und am sanftesten. Darum wird eine Landschaft am vorteilhaftesten im Herbst gemalt. Wer an einem recht hellen Frhlingstage nach der Natur Landschaften mahlt, wird ihnen nie die sanfte Harmonie geben knnen, die sie im Herbst haben.

 Der Landschaftmaler kann aus fleiiger Beobachtung des Einflusses, den die in der Luft schwebenden Dnste auf alle Farben der in der Natur verbreiteten Gegenstnde haben, sehr viel lernen. Er hat eben so ntig bei den verschiedenen Abnderungen der Luft, blo sein beobachtendes Auge zu brauchen als sich mit der Reifeder und dem Pensel zu ben.

 


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Seite zuletzt aktualisiert: 23.10.2004 
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