Zwei Krankenschwestern, gleiche Tätigkeit: Die eine erhält die Schwerarbeiterpension, die andere wird abgelehnt. Wirklich nachvollziehbar ist das nicht – und gerecht auch nicht.
Gleiche Arbeit, aber ungleiche Beurteilung: Bereits seit 1994 arbeitet eine 52-jährige Südburgenländerin im Landeskrankenhaus im steirischen Feldbach. Sie würde keinen anderen Job machen wollen, sagt sie. Als OP-Krankenschwester ist die Belastung für die Burgenländerin allerdings sehr hoch: 24-Stunden-Dienste, unregelmäßige Arbeitszeiten – auch in der Nacht und am Wochenende – und viel Verantwortung für die Gesundheit der Patienten.
Schöner, aber fordernder Job
Auch während der Bereitschaft läutet regelmäßig das Diensttelefon. Sie erkenne schon am jeweiligen Klingelton, um welchen Notfall es sich handle, meint sie. Feldbach ist ein Spital mit vielen Akutfällen, wo viel operiert wird. Sie stehe oft noch in der Nacht „am Tisch“, sagt die 52-Jährige. „Es ist ein schöner Job, aber auch körperlich sehr fordernd.“
Kein einziger Monat als Schwerarbeit anerkannt
Als Schwerarbeit wird dieser allerdings nicht anerkannt – zumindest nicht für sie. Vor einiger Zeit gab es eine Info-Veranstaltung im LKH, bei der auch die PVA vertreten war. Damals wurde der Burgenländerin geraten, um eine Schwerarbeiterpension anzusuchen – was sie gemeinsam mit einer Kollegin auch tat. Das Ergebnis: Ihre steirische Kollegin erhielt sofort eine Zusage. „Mir wurde kein einziger Monat angerechnet. Dabei arbeiten wir ident das Gleiche“, sagt die Krankenschwester.
Kalorienverbrauch nicht erreicht
Die Begründung der PVA: Die Anforderungen für das Vorliegen eines Schicht- oder Wechseldienstes seien nicht erfüllt, der erforderliche Mindestverbrauch an Arbeitskilojoule (Energieverbrauch durch die Arbeit, Anm.) werde nicht erreicht.
Kein Einzelfall
Die Betroffene versteht jetzt die Welt nicht mehr: Nicht nur wird offenbar mit zweierlei Maß gemessen. In einem Info-Schreiben der PVA stehe eigentlich, dass 24-Stunden-Dienste sehr wohl als Schwerarbeitstag berücksichtigt würden, erklärt sie. Die Frau will die Sache daher nicht auf sich beruhen lassen und hat die Arbeiterkammer eingeschaltet. Dass es daran liegt, dass sie Burgenländerin ist, glaubt die 52-Jährige übrigens nicht. Sie wisse von einem ähnlichen Fall in einer anderen Station des Spitals, wo die zwei Betroffenen Steirerinnen seien.
„Schluss mit der Pensionslotterie!“
Für den SPÖ-Landtagsabgeordneten Christian Drobits ist dies nach dem Anlagenerrichter – die „Krone“ berichtete – der nächste Fall bei dem es wieder zur „Pensionslotterie“ komme. „Es kann nicht sein, dass Menschen bei gleicher Arbeit unterschiedliche Entscheidungen bekommen. Wie sollen die Menschen da noch Vertrauen in das System haben?“, fragt der Mandatar. Er pocht erneut auf österreichweit verbindliche Beurteilungsstandards, transparente Entscheidungen und wirksame Möglichkeiten, strittige Fälle überprüfen zu lassen. Im Landtag hat er bereits einen entsprechenden Antrag eingebracht. „Die Menschen dürfen nicht zu Bittstellern werden. Die Pension ist kein Geschenk, sondern ein erarbeiteter Anspruch“, sagt Drobits.
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