Wer sich mit den Hymnen des Stundengebets beschÃĪftigt, wird nachvollziehen kÃķnnen, wann diese Hymnen gebetet wurden. Meist ist vom "Licht" die Rede und genau betrachtet ist nicht das geistliche, sondern schlicht das Sonnenlicht gemeint. "Praeco diei iam sonat" heiÃt es im Hymnus der laudes, "Schon ruft des Tages Herold" (gemeint ist der Hahn), und der ruft in der MorgendÃĪmmerung, also vor Sonnenaufgang; "Iam lucis orto sidere", heiÃt es in der Hymnus der Prim "Schon bricht des Tages Glanz hervor" Þbersetzt diesen Hymnus der deutsche Dichter Klepper - also ist die Sonne bereits aufgegangen; im Hymnus der Sext ist vom "ignibus meridiem", vom Feuer des Mittags die Rede; gleich dreimal kommt im Vesperhymnus in der ersten Strophe das Licht vor, das Wort Vesper selbst bedeutet sowohl Abend, wie auch Abendstern; "Te lucis ante terminum" bevor das Tageslicht verlÃķscht, also in der AbenddÃĪmmerung vor Einbruch der Dunkelheit singen wir die Komplet. Wann die Horen des Stundengebetes gesungen wurden, lÃĪÃt sich damit schon an den Texten nachvollziehen, aber auch an den Sonnenuhren, die schon im ersten Jahrtausend an Kirchen und KlÃķstern angebracht wurde. SchlieÃlich zeigen auch die groÃartigen astrologischen Uhren, die seit dem 14. Jahrhundert in den groÃen Kirchen vor allem Nordeuropas gebaut wurden, daà man sich bei den Stundengebeten noch sehr lange Zeit an der alten rÃķmischen Zeiteinteilung orientierte, den temporalen Stunden.
Die Laudes wurde in der MorgendÃĪmmerung gesungen, gehÃķrt also streng genommen noch zu den nÃĪchtlichen Offizien, die Prim zu Beginn der ersten Stunde des Tages nach Sonnenaufgang, die Sext am Mittag, zum Zeitpunkt des hÃķchsten Standes der Sonne, die Vesper bei Sonnenuntergang, die Komplet in der AbenddÃĪmmerung. Wer also das Stundengebet "zur rechten Zeit" singen will, muà sich schon eine Sonnenuhr beschaffen. Nun hatte man im von der Sonne wenig verwÃķhnten Nordeuropa aber spÃĪtestens seit der ersten Jahrtausendwende eine praktischere LÃķsung, Wasseruhren, (klepshydra), dann mechanische Uhren, schlieÃlich die groÃen astrologischen Uhren. Mit der neuen Zeiteinteilung in 24 gleich lange Stunden, war dieser Vorteil aber fÞr die Beter wieder dahin. Und mit der Umstellung auch Zeitzonen hat "12 Uhr" nun endgÞltig nicht mehr die Bedeutung, daà die Sonne in ihren Zenit steht.
Wir haben es da einfacher, dank GPS und Computer. So gibt es fÞr das IPhone zwei wundervolle Programme, mit denen man die "alten Zeiten" zurÞckholen kann. Astrock simuliert auf dem IPhone eine astronomische Uhr ganz im Stil der groÃen astronomischen Uhren (Nord)Europas. JPClock simuliert eine japanische Wadokei-Uhr der Edo-Epoche (17. - bis 19.) Jahrhundert. Auch im Japan des Barockzeitalters bevorzugte man noch die "temporale" Zeiteinteilung, Ãl fÞr Lampen war rar und teuer, die sparsamen Japaner verlegten daher ihre Arbeitszeit auf den Tag. Die Tageszeit wurde zwar in sechs "Tiden" und nicht in zwÃķlf Stunden aufgeteilt, aber fÞr unsere Zwecke genÞgt diese kleine Uhr vollkommen.
Montag, 21. Februar 2011
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