Identittsphilosophie - Fechner, Spencer


Durch FECHNER erhlt die Identittstheorie Eingang in die neuere Psychologie. Materie (s. d.) und Geist (s. d.) sind zwei Erscheinungweisen desselben Wesens (Tagesans. S. 243 ff.). In der Tat, ein gemeinschaftlich Wesen liegt der geistigen Selbsterscheinung und der leiblichen Erscheinung fr anderes, als das Selbst ist, unter. Innerlich erscheint's sich selbst so, anderem uerlich so; was aber erscheint, ist eines (Zend-Av. I, 252 f.). Es gibt einen innern und viele uere Standpunkte der Betrachtung des einen Wesens (l.c. S. 253). Dieses hat zwei Seiten, Erscheinungsweisen (l.c. S. 254 II, 135 f.). Geistiges und Materielles selbst darf man nicht identifizieren (l.c. II, 149). Auen- und Innensein verhalten sich zueinander wie die konvexe und konkave Seite eines Ringes. Das Gemeinsame beider Erscheinungsweisen liegt in nichts als der untrennbaren Wechselbedingtheit beider (b. d. Seelenfr. S. 220 f.). Was dir auf innerem Standpunkt als dein Geist erscheint, der du selbst Geist bist, erscheint auf uerem Standpunkt dagegen als dieses Geistes krperliche Unterlage (Elem. d. Psychophys. I, 4). PAULSEN erklrt: Die Wirklichkeit wendet uns zwei Seiten zu; von auen, mit den Sinnen gesehen, stellt sie sich als Krperwelt dar, im Selbstbewutsein, von innen gesehen, offenbart sie sich als seelisch-geistiges Leben (Syst. d. Eth. I5, 20.). Beide Seiten sind gleich ausgedehnt; jeder psychische Vorgang hat ein quivalent in der physischen Welt, und umgekehrt (ib.). Das Krperliche ist Erscheinung und Symbol des seelisch-geistigen Lebens, dieses ist das eigentlich oder an sich Wirkliche (ib.; vgl. Einl. in d. Philos.2, S. 115). hnlich schon F. A. LANGE, ferner HFFDING (Psychol. S. 90 ff.), G. E. MLLER, HERING, E. KNIG, K. LASSWITZ (Wirklichk. S. 114; Fechner S. 154 ff.), E. ADICKES (Kant contra Haeckel S. 65), TAINE, RAVAISSON, PAULHAN, HODGSON, A. BAIN (Mind and Body, u. Mind VIII, 402 ff.), GROT (Arch. f. system. Philos. IV, 1898), LEWES (Probl. of life and mind II, 457 ff.), P. CARUS, nach welchem Krper und Geist two aspects of one reality sind (Fundamental Problems2, 1894, p. 183), FOUILLE, H. SPENCER, nach welchem die Bewutseinsvorgnge die psychische Seite dessen bilden, was von der physischen Seite als verwickelte Gruppe von durch eine kunstvoll organisierte Reihe von Nervenplexussen fortgepflanzten Molecularvernderungen erscheint (Psychol. 469), G. HEYMANS, welcher die abgeleitete, sekundre Reihe der Naturerscheinungen von der primren Reihe der wirklichen Prozesse unterscheidet (Zeitschr. f. Psychol. XVII, 62 ff., 70). Die realen, nicht wahrgenommenen, sondern vorausgesetzten, ihrem eigenen Wesen nach vllig unbestimmt gelassenen Vorgnge, welche unter gnstigen Adaptionsverhltnissen Hirnprozesswahrnehmungen erzeugen, sind mit den entsprechenden Bewutseinsprozessen identisch (l.c. S. 72 ff.). EBBINGHAUS betont: Seele und Nervensystem sind nichts real Getrenntes und einander Gegenberstehendes, sondern sie sind ein und derselbe reale Verband, nur dieser in verschiedenen und auseinander fallenden Manifestationsweisen. Seele ist dieser reichhaltige Verband, so wie er sich gibt und sich darstellt fr seine eigenen Glieder, fr die ihm angehrigen Teilrealitten. Gehirn ist derselbe Verband, so wie er sich anderen analog gebauten Verbnden darstellt, wenn er von diesen - menschlich ausgedrckt - gesehen und getastet wird (Gr. d. Psychol. I, 42). Beide Manifestationsweisen des Realen sind gleich echt und wahr (l.c. S. 43). Die eine Reihe ist identisch mit der anderen (ib.). RIEHL erklrt: Der Gegensatz von Krper und Geist hat fr uns nur noch die Bedeutung entgegengesetzter Richtungen der Betrachtung (Philos. Krit. Il 1, 63). Dasselbe, was vom Standpunkte des Ich ein Empfindungsprozess ist, ist von dem des Nicht-Ich ein zerebraler Vorgang (l.c. S. 270). Unser empirisches Ich ist der summarische Ausdruck der Einheit des individuellen Lebens, es ist dieselbe Einheit innerlich erfat, die sich den ueren Sinnen als Organismus mit der Wechselwirkung seiner Teile und seiner Funktionen darstellt (l.c. II, 2, 198). In Wirklichkeit sind nur zwei verschiedene Betrachtungsweisen eines einzigen Vorganges gegeben, welche jederzeit auf zwei verschiedene Subjekte verteilt sind. Wir schlieen auf die Identitt des realen Vorganges, der dieser doppelseitigen Erscheinung zugrunde liegt. Die Welt ist nur einmal da; aber sie ist dem objektiven, auf die ueren Dinge bezogenen Bewutsein als Zusammenhang quantitativer physischer Vorgnge und Dinge gegeben, whrend ein Teil derselben Welt einem bestimmten organischen Individuum als seine bewuten Funktionen und deren Zusammenhang gegeben ist (philosophischer Monismus) (Zur Einf. in d. Philos. S. 164). hnlich JODL (Lehrb. d. Psychol. S. 57). C. PETERS: Was seelisch, von innen angesehen, auf der einen Seite ist, stellt sich, von auen betrachtet, als mechanisch dar (Sonne u. Seele S. 39 f.). Nach WUNDT wird die eine Wirklichkeit auf zwei Weisen erfahren: unmittelbar-anschaulich, als Geist, Seele, und mittelbar-begrifflich, als Natur, Krper (Syst. d. Philos.2, S. 147, 277, 374; 5. Erfahrung). Es ist anzunehmen, da was wir Seele nennen das innere Sein der nmlichen Einheit ist, die wir uerlich als den zu ihr gehrigen Leib erkennen (Grdz. d. physiol. Psychol. II4, 648: Philos. Stud. X 41 f.). Die Seele (s. d.) ist das Innensein des Organismus (Syst. d. Philos.2, S. 379 f.; Log. I2, 551). Das geistige Sein ist die Wirklichkeit der Dinge (Grdz. d. phys. Psychol. II4, 648). Identittsphilosoph ist auch M. PALGYI (Die Log. auf d. Scheidewege S. 253 f.). - Bedenken gegen die Identittstheorie erheben LOTZE (Med. Psychol. S. 14: Mikrok. I3, 169), REHMKE (Allg. Psychol. S. 101 f., 38), LADD (Philos. of Mind, p. 347, 350), ZIEHEN (Leitfad. d. physiol. Psychol. S. 210), L. BUSSE (Geist u. Krp. S. 130 ff.) u. a.

Nach E. DHRING entsprechen sich Denken und Sein vllig (Log. S. 207); die Naturwirklichkeit mu genau dein Gedanken entsprechen (l.c. S. 269). H. COHEN fat die Identitt von Denken und Sein so auf, es drfe im Sein kein Problem stecken, fr dessen Lsung nicht im Denken die Anlage zu entwerfen wre (Log. S. 501 f.). Vgl. Seele, Leib, Parallelismus, Psychisch, Monismus.


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