Ich - Fichte, Schelling, Hegel


Als Setzung des reinen, schpferischen, logischen, des absoluten Ich bestimmt das empirische, das Einzel-Ich J. G. FICHTE, der die Ichheit zum Seinsgrunde macht. Das absolute, unbegrenzte, schlechthinige Ich setzt in einer Reihe intellektueller Akte sich und sich gegenber das Nicht-Ich. Das Ich ist wesentlich setzende, d.h. fixierende, objektivierende Ttigkeit. Dasjenige, dessen Sein (Wesen) blo darin besteht, da es sich selbst als seiend setzt, ist das Ich, als absolutes Subjekt. So, wie es sich setzt, ist es; und so, wie es ist, setzt es sich, und das Ich ist demnach fr das Ich schlechthin und notwendig. Was fr sich selbst nicht ist, ist kein Ich. Das Ich ist nur insofern, inwiefern es sich seiner bewut ist (Gr. d. g. Wiss. S. 9). Das Ich ist schlechthin durch sein Sein (l.c. 10 f.), es setzt ursprnglich sein eigenes Sein (l.c. S. 11). Das Ich = Ich ist die ursprnglichste Erkenntnis, die Urquelle alles Denkens (ib.), es bedeutet erstens die rein logische Identitt von Subjekt und Objekt im Akte des reinen Selbstbewutseins, zweitens die reale metaphysische Identitt des setzenden absoluten Ich und des gesetzten begrenzten Ich, und drittens die zeitliche Identitt des Ich in zwei rasch aufeinander folgenden Zeitpunkten (E. V. HARTMANN, Gesch. d. Metaphys. II, 71). Ich und Nicht Ich sind beide Produkte ursprnglicher Handlungen des Ich (Gr. d. g. Wiss. S. 23). Ich setze im Ich dem teilbaren Ich ein teilbares Nicht-Ich entgegen (l.c. S. 28). D.h. das absolute Ich setzt in sich Innenwelt und Auenwelt in einem Akte. Das Ich als Intelligenz, als Vernunft ist ein Produkt der Setzung, eine zu realisierende Idee, ein Strebensziel (l.c. S. 224; WW. I, 463 f., 515 f.; II, 382). Einerseits setzt das Ich das Nicht-Ich als beschrnkt durch das Ich, anderseits setzt es sich selbst als beschrnkt durch das Nicht-Ich, so sich praktisch und theoretisch verhaltend (Gr. d. g. Wiss. S. 49 f.). Als den ganzen schlechthin bestimmten Umkreis aller Realitten umfassend ist das Ich Substanz (l.c. S. 73), aber nur im Sinne reiner Aktualitt, als beharrendes Tun (Tathandlung), das durch intellektuelle Anschauung sich selbst erfat (Syst. d. Sittenl. S. 110 f.). Das Ich ist das erste Prinzip aller Bewegung, alles Lebens, aller Tat und Begebenheit. Das Wirken des Nicht-Ich gegenber dem empirischen Ich ist selbst schon eine Tat des (absoluten) Ich (l.c. S. 213 u. ff.). Das Ich findet sich (praktisch) wesentlich als wollend (l.c. S. 8). SCHELLING bestimmt (in seiner ersten Periode) das absolute Ich als das, was schlechterdings niemals Objekt werden kann (Vom Ich S. 12). Das Ich bringt sich durch absolute Kausalitt denkend hervor (ib.). Es ist Anfang und Ende aller Philosophie, indem es die Freiheit ist, (l.c. S. 38 ff.). Das bewute Ich ist nicht das reine, absolute Ich; dieses wird nur in intellektueller Anschauung bestimmt (l.c. S. 44, 49). Das Ich enthlt alles Sein, alle Realitt (l.c. S. 61), ist unendlich (l.c. S. 74), wie auch seine Attribute (l.c. S. 77). Es ist die einzige Substanz, alles andere ist Akzidenz des Ich (l.c. S. 79). Es ist das Ich die immanente Ursache alles dessen, was ist (l.c. S. 84). Der Inbegriff alles Subjektiven... heie das Ich (Syst. d. tr. Ideal. S. 1). Der Begriff des Ich ist nur der Begriff des Selbst-Objekt-werdens (l.c. S. 45). Das Ich ist nur und kann nur vorgestellt werden als Akt (ib.), ist nichts auer dem Denken (l.c. S. 46), kein Ding, keine Sache, sondern das ins Unendliche fort nicht Objektive (l.c. S. 47 f.), es ist reiner Akt, reines Tun (l.c. S. 49), ein Wissen, das zugleich sich selbst (als Objekt) produziert, ein bestndiges intellektuelles Anschauen (l.c. S. 51). Das Ich als solches ist berindividuell, berempirisch (l.c. S. 59), es ist das Subjekt alles Seins. Der ewige, in keiner Zeit begriffene Akt des Selbstbewutseins, den wir Ich nennen, ist das, was allen Dingen das Dasein gibt, was also selbst keines andern Seins bedarf, sondern sich selbst tragend und untersttzend, objektiv als das ewige Werden, subjektiv als das unendliche Produzieren erscheint (l.c. S. 61). Das Ich liegt der Intelligenz zugrunde (l.c. S. 147). Nur an der ursprnglichen Kraft meines Ich bricht sich die Kraft der Auenwelt. Aber umgekehrt auch die ursprngliche Ttigkeit in mir erst am Objekte zum Denken, zum selbstbewuten Vorstellen (Naturphilos. S. 305).

Das Ich wird bei Schelling spter zu einem Entwicklungsprodukte des Absoluten. Nach CHR. KRAUSE ist das Ich ein Teilwesen der allgemeinen Vernunft. HEGEL, bestimmt das Ich als das Allgemeine, das bei sich ist (Rechtsphilos. S. 43 f.). Das Denken als Subjekt vorgestellt ist Denkendes, und der einfache Ausdruck des existierenden Subjekts als Denkenden ist Ich (Encykl. 20). Ich aber abstrakt als solches ist die reine Beziehung auf sich selbst, in der vom Vorstellen, Empfinden, von jedem Zustand,. wie von jeder Partikularitt der Natur, des Talents, der Erfahrung u.s.f. abstrahiert ist. Ich ist insofern die Existenz der ganz abstrakten Allgemeinheit, das abstrakt Freie (ib.). Das Ich (die Seele) ist der Begriff selbst in seiner freien Existenz (sthet. I, 141), es ist eine ideelle Einheit (ib.). K. ROSENKRANZ erklrt: Indem das Selbst aus dem Objektiven in sich zurckgeht, findet es sich selbst als mit ihm, dem Subjekt, identisch. Das Ich setzt sich selbst, setzt sich ihm selbst entgegen und setzt sich auch als die Einheit des setzenden und gesetzten Ich (Syst. d. Wiss. S. 411). Das Ich kann nicht Ich sein, ohne seiner selbst gewi, d.h. ohne sich selbst als Subjekt Objekt zu sein (Psychol.3, 63. 288). Das Selbst ist die sich unaufhrlich erneuernde Tat des Geistes (l.c. S. 289). Nach HEINROTH ist das Ich das Beharrliche an der Seele (Psychol S. 150), es wird als Einheit immer schon vorausgesetzt (l.c. S. 155). Die Ichheit ist der Focus aller Funktionen oder aller Radien des geistigen Menschen (Psychol. S. 8). Ichheit ist persnliche Einheit vermge des Selbstbewutseins (l.c. S. 29). Die Ichheit, das Ich ist ein unmittelbar-gewisses, unbestreitbares Grundfaktum (l.c. S. 283). Sentio, ergo sum, volo, ergo sum (l.c. S. 284). Das Ich ist das sich selbst Gleiche in allen seinen Akten, die allgemeine Gleichung fr eine unendliche Reihe von Funktionen (l.c. S. 285). Das Ich ist das Band von Wissen und Sein (l.c. S. 287), die Quelle der Kategorien (s. d.) CARRIERE betont: Wir sind nur ein Ich, insofern wir uns als solches setzen (sth. I, 42; Weltordn. S. 158). - Nach GNTHER wird das Ich nicht erlebt, sondern erschlossen. GARNIER bemerkt: Le moi est l'me se percevant ou se connaissant (Trait. I, p. 373). Nach GUTBERLET u. a. ist das psychologische Ich die Seelensubstanz (Kampf um d. Seele S. 105). Bei dem Wechsel der inneren Zustnde bleibt immer ein Element, nmlich der mir zugehrende Umstand, da es immer meine Zustndlichkeit ist. Dieses konstante Element, welches sich mit allen wechselnden Zustnden verbindet, ist das, was wir zunchst als Ich ausscheiden und auffassen (ib.). Es ist ferner auch das Subjekt, welches jene Zustnde an sich und in sich erfhrt (ib.).


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