Wille - Planck, Feuerbach, Natorp

Als selbstndige psychische Kraft fat den Willen FORTLAGE (Syst. d. Philos. I, 464. s. Trieb) auf. Ferner ULRICI (Leib u. Seele S. 559, 607), Der eigentliche Wille ist von Trieb und Begehren verschieden, ist Selbstbettigung, hemmende Funktion, setzt ein Unterscheiden voraus (Gott u. d. Nat. S. 577). Nach M. CARRIERE ist das geistige Wesen ein ewiges Wollen seiner selbst (sth. I, 37). Unser Wesen ist Selbstgestaltungskraft. vom Bewutsein erleuchtet, heit sie Wille (Sittl. Weltordn. S. 76). Der Wille ist das Wirkende, sich aus sich selbst Entscheidende und Bestimmende, er ist das reine Knnen, das sich durch die Vernunft erleuchten lt, dein der Gedanke Ziele setzt und Wege weist, der selber aber das Bewegende, der Quell der Tat ist (Sittl. Weltordn. S. 32). Die gttliche Urkraft ist Wille (l. c. S. 132). PLANCK bestimmt den Willen als das Beherrschende im Menschen (Testam. ein. Deutsch. S. 45). Der Wille ist eine bersinnliche, d.h. von aller unmittelbaren Beziehung auf die Nervenbestimmtheiten und die Sinnesempfindungen geschiedene Form der Selbstbestimmung (l. c. S. 325). Nach J. H. FICHTE ist der Wille die Fhigkeit des Geistes, seinen gegebenen Zustand... zu verndern oder ihn gegen die eintretende Vernderung festzuhalten, das Vermgen, aus sich selbst sich zu bestimmen (Psychol. II, 131). Er ist der gemeinsame Trger und der Grund aller Zustnde und Vernderungen im Geiste (l. c. S. 132). Erkennen, Fhlen, Wollen sind untrennbar (l. c. S. 133). Einen abstrakten Willen gibt es nicht (l. c. S. 125), auch kein Subjektloses Wollen. Jeder Wille ist Eigenwille eines Realwesens (l. c. S. 125). Im weiteren Sinne ist Wille die Selbstbehauptungsmacht in jedem Wesen (l. c. S. 124). Der Grundwille ist dasjenige, was der Mensch durch alle einzelnen Volitionen hindurch bleibend und unablassend, instinktiv oder bewut anstrebt (l. c. II, 77 f.). Nach L. FEUERBACH ist der Wille Selbstbestimmung, aber innerhalb einer vom Willen des Menschen unabhngigen Naturbestimmung (WW. X, 51 ff., 58. Ich will heit, ich will glcklich sein, S. 64 f.). Nach LOTZE kann der Wille nur jene innern psychischen Zustnde erzeugen, welche der Naturlauf zu Anfangspunkten der Wirkung nach auen bestimmt hat. die Ausfhrung der Wirkung dagegen mu er der eigenen unwillkrlichen Kraft berlassen, mit der jene Zustnde ihre Folgen herbeizufhren gentigt sind (Med. Psychol. S. 301). Der Wille enthlt ein eigentmliches Element geistiger Regsamkeit, ist nicht aus Vorstellung und Gefhl ableitbar (Mikrok. I2, 286). Die wahre Wirksamkeit des Willens besteht in der Entscheidung ber einen gegebenen Tatbestand (l. c. S. 288. vgl. S. 269 ff.). Das Gefhl, welches unsere Bewegungen begleitet, ist... nicht die Empfindung unseres Willens in dem Schwunge seiner den Erfolg erzwingenden Ttigkeit, sondern die Wahrnehmung der Effekte des Willens, nachdem sie auf vllig unwahrnehmbare Weise hervorgebracht sind (Mikrok. III2, 590). Nach v. KIRCHMANN gehrt das Wollen zu den elementaren Zustnden der Seele (Grundbegr. d. Rechts u. d. Mor. S. 6). Die Strke des Willens wird hauptschlich durch die Strke der Gefhle bestimmt, die als Triebfedern wirken. Das Wollen gehrt mit den Gefhlen zu den seienden Zustnden der Seele (l. c. S. 7). Nach B. CARNERI ist der Wille die in Ttigkeit bergehende Seele (Sittl. u. Darwin. S. 132). Nach A. SPIR ist unser Wille der Ausdruck des in unserem Wesen liegenden realen Widerspruchs (Denk. n. Wirkl. II, 152). Aller Wille entspringt aus dem innern Widerspruch, welcher als Schmerz und Mangel an Befriedigung gefhlt wird, und hat zum Ziele die Beseitigung dieses Widerspruchs, d. k. einen Zustand der Identitt des fhlenden Wesens mit sich (l. c, S. 158). Nach W. ROSENKRANTZ entwickelt sich das Wollen wie das Denken aus dem Vermgen der freien Selbstbestimmung (Wissensch. d. Wiss. I, 240). Nach GUTBERLET ist der Wille ein mit Erkenntnis sinnlicher oder geistiger Gter verbundenes Streben (Psychol. S. 172 ff.). Nach HAGEMANN setzt das Wollen eine besondere Kraft der Seele voraus. Der Wille ist das Vermgen, ungentigt sich selbst zu bestimmen (Psychol.3, S. 121 f.). - TNNIES versteht unter dem Wesenwillen das psychologische quivalent des menschlichen Leibes (Gem. u. Gesellsch. S. 99 f.). Eine Form dieses Willens ist das Gedchtnis (l. c. S. 113. s. Voluntarismus). SIGWART erklrt: Das bloe im Moment auf uere Reize entstehende Begehren erscheint als etwas Passives, was dem Subjekt angetan wird, was es in sich findet..., erst wenn die Reflexion auf das eigene Selbst dazwischen tritt, das die unwillkrlichen Regungen beherrscht und entweder hemmt oder durch eigene Ttigkeit bejaht und zu den seinigen macht, tritt das Wollen ein (Klein. Schrift. II2, 141. vgl. Log. II2, 727 f., Voluntarismus). Nach NATORP ist Wille Zielsetzung, Vorsatz einer Idee, d. i. eines Gesollten (Sozialpd.2, S. 5). Der letztbestimmende Grund einer jeden Zwecksetzung... ist nichts anderes als die jeder einzelnen Willensentscheidung vorgehende weil logisch bergeordnete Einheit, in der alle Zwecksetzung sich vereinige (l. c. S. 37). Alles Wollen setzt die formale Einheit der Idee, nmlich des unbedingt Gesetzlichen als Prinzip voraus (l. c. S. 40 f.). Alle Tendenz ist Tendenz zur Einheit (l. c. S. 46). Verstand und Wille sind nicht zwei an sich selbstndige, erst hinterher zusammenwirkende Vermgen oder seelische Krfte, sondern sie sind als verschiedene, doch notwendig zusammengehrende Richtungen eines und desselben Bewutseins nur in der Abstraktion zu unterscheiden (l. c. S. 54). Willenstendenz (Richtung, Strebung, Tendenz) ist schon in allem Wahrnehmen und Denken (l. c. S. 56 f.). Das Bewutseinsmoment: Setzung eines Objekts als sein sollend ist etwas Ursprngliches (l. c. S. 59). Nach dem Grade der Bewutheit der Tendenz ergibt sich eine Folge von Stufen der Aktivitt: Trieb (l. c. S. 62 ff.), Wille (l. c. S. 67 ff.), Vernunftwille (l. c. S. 74 ff.). Den Willen konstituiert die konzentrative Ttigkeit, die praktische Objektsetzung (l. c. S. 68 f.). Fr den reinen oder Vernunftwillen ist das reine Formgesetz des Willens magebend (l. c. S. 75). Was sich widerspricht, kann schlechterdings nicht sein. was sich nicht unter ein einstimmiges Gesetz des Wollens fgt kann nicht sein sollen (ib.. vgl. Allgem. Psychol. 1904. Grundlin. ein. Theor. d. Willensbild., Arch. f. syst. Philos. I - III, 1894 ff.). - H. SCHWARZ unterscheidet zwei Arten von Willensregungen: Begehren und eigentlicher Wille (Psychol. d. Will. S. 40 ff.). Willensziele sind vorgestellte oder unvorgestellte Gegenstnde, die, wenn sie wirklich werden, die Akte unseres Gefallens mglichst satt, unseres Mifallens mglichst ungesttigt machen (l. c. S. 181. vgl. S. 117). Das mittelbare Wollen beruht auf dem analytischen Vorziehen (s. d.), bezieht sich auf das Sein der Mittel (l. c. S. 320). Das Vorziehen ist ein Urphnomen (l. c. S. 318). Das Wollen lst sich auf in Lieberwollen, Gefallen und vorstellungsmiges Ursachbewutsein (ib.). Unter dem Namen Phnomene der Liebe und des Hasses fat BRENTANO Gefhl und Wille zur Einheit zusammen (Psychol. I, 307. Vom Urspr. sittl. Erk. S. 16). Dagegen trennt HFLER das Wollen vom Fhlen (Psychol. S. 19). Wollen ist eine Art des Begehrens (l. c. S. 20, 500 ff.. vgl. S. 520 ff.). (ber EHRENFELS s. unten.) Nach A. DRING ist der Wille das Streben unter der Leitung der timologischen Vernunfterkenntnis (Philos. Gterlehre S. 192. vgl. S. 191). - SCHUPPE betont, der Wille sei nicht eine geistige Substanz, aber das Zeitding, da diese Ereignisse, d. i. Willensregungen bestimmten Inhaltes bei gewissen Gelegenheiten ganz sicher eintreten, weil es zum Sein des Subjektes gehrt (Log. S. 128 f.). Wollen ist seine eigene Lust wollen (Grdz. d. Eth. S. 18). Nach REHMKE ist das Wollen der Kern des Seelenindividuums (Allg. Psych. S. 425). Statt Wollen sagt er urschliche Bewutseinsbestimmtheit, (l. c. S. 150, s. d.). Willensttigkeit ist das Wirken des wollenden Bewutseins (l. c. S. 360). Alles Wollen ist Wollen von Lustbringendem (l. c. S. 397). Das Wollen ist eine besondere Bewutseinsbestimmtheit neben der gegenstndlichen und zustndlichen. - Vgl. R. v. SCHUBERT- SOLDERN, Gefhl u. Wille, 1887.


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