Wechselwirkung, psychophysische

Wechselwirkung, psychophysische s. Influxus, Parallelismus (Anfang und gegen Ende). Zu ergnzen ist hier das Folgende.

AUGUSTINUS bemerkt: Non putandum est, corpus aliquod agere in spiritum, quasi spiritus corpori facienti materiae vice subdatur (Sup. genes. ad lit. XII). Und THOMAS: Nihil corporeum imprimere potest in rem incorpoream (Sum. th. I, 84, 6). - Nach DESCARTES wirken Seele (s. d.) und Leib (unter der Assistenz Gottes) aufeinander ein. Von der glandula pinealis (Zirbeldrse) des Gehirns erregt die Seele die Lebensgeister (s. d.) (Pass. anim. I, 34). Nur die Richtung der physischen Bewegung ndert die Seele, nicht bringt sie neue Bewegungen hervor (Resp. IV, p. 126). - Die Wechselwirkung von Geist und Krper lehrt GNTHER (Vorsch. zur spekul. Theol.2, 1846, I, 220 ff.). In anderer Weise LOTZE (Mikrok. I2, 308 ff.. Med. Psychol. S. 66 ff.). Ferner HORWICZ (Psychol. Anal. I, 22, 143 f.), HAGEMANN (Met.2, S. 125. Psychol.3, S. 21). WENTSCHER (Eth. I, 291 ff., vgl. S. 303). H. SCHWARZ (Psychol. d. Will. S,. 376. Das Verh. von Leib u. Seele, Monatshefte d. Comenius-Gesellsch. VI, 248, f.) u. a. E. MACH bemerkt: Mit der Konstanz der Energie ist der Ablauf physikalischer Prozesse beschrnkt, aber keineswegs vollkommen eindeutig bestimmt. Die Erfllung des Energieprinzips in allen physiologischen Fllen lehrt blo, da die Seele weder Arbeit verbraucht noch leistet. Darum knnte sie noch mitbestimmend sein, aber es ist kein solches Agens anzunehmen (Anal. d. Empfind.4, S. 45). L. BUSSE erklrt: Geist und Krper, Seele und Leib sind einander zugleich entgegengesetzt und stehen in Wechselwirkung, miteinander als einander ergnzende Bestandteile des absoluten, sie beide umfassenden und in sich fassenden Weltganzen (Geist u. Krp. S,. 474. s. Parallelismus). W. JERUSALEM bemerkt: Die Wechselwirkung zwischen psychischen und physischen Vorgngen ist die erste und einige Form der Kausalitt, die wir wirklich erleben. Diese Wechselwirkung ist darum nicht minder begreiflich, weil sie mehr als begreiflich ist. Sie ist aber mehr als begreiflich, weil sie unmittelbar erlebt wird und somit auch die Quelle alles Begreifens ist (Urteilsfunct. S. 261 f.). vgl. SIMMEL, Einl. in d. Moralwiss. II, 291. - Vgl. Dualismus, Parallelismus, Energie, Kausalitt.


 © textlog.de 2004 06.09.2026 15:58:59
Seite zuletzt aktualisiert: 14.11.2004 
bibliothek
text
  Home  Impressum  Copyright  A  B  C  D  E  F  G  H  I  K  L  M  N  O  P  Q  R  S  T  U  V  W  Z