Weisheit (sophia, sapientia) ist jenes Ma von theoretisch-praktischem Wissen, welches zu einer mglichst vollkommenen, rationellen Lebensfhrung befhigt. - Der Weise ist das Ideal der indischen Philosophie, er ist auch das Ideal der Stoiker. Er ist vollkommen, hat alle Tugend, ist frei, gleicht dem Gotte (vgl. Seneca, De prov. l. Plut., Adv. Stoic. rep. 33). - Das Buch der Weisheit bezeichnet die Weisheit (sophia, hagion pneuma) als das Hauchen der gttlichen Kraft (Weish. 7, 25 f.). Die Weisheit Gottes ist vor allen Dingen. Das Wort Gottes ist der Brunnen der Weisheit, das ewige Gebot ihre Quelle (Jes. Sir. 1, 4 f.). Nach BASILIDES emaniert die Sophia (s. d.) mit der Dynamis aus dem Logos bezw. der Phronesis (bei Iren. II, 24, 3). - THOMAS bestimmt: Sapientia in cognitione altissimarum causarum consistit (Contr. gent I, 94). Sapiens ist einer, inquantum ordinat humanos actus ad debitum finem (l. c. I, 1. Sum. th. I, 1, 6. vgl. AUGUSTINUS, De lib. arb. II, 9, 26). Nach LEIBNIZ ist die Weisheit eine vollkommene Wissenschaft aller derjenigen Sachen, die menschliches Gemt nur ergreifen kann (Gerh. VII, 90). Nach CHR. WOLF ist sie eine Wissenschaft, die Absichten dergestalt einzurichten, da eine ein Mittel der andern wird, und hinwiederum dergleichen Mittel zu erwhlen, die uns zu unseren Absichten fhren (Vern. Ged, I, 914). KANT definiert: Weisheit... ist die Zusammenstimmung des Willens zum Endzweck, dem hchsten Gut (Verknd. d. nah. Abschl. ein. Tract. zum ewig. Fried. in d. Philos. 1. Abschn., S. 87. vgl. W. ROSENKRANTZ, Wiss. d. Wiss. I, 5). - SCHOPENHAUER erklrt: Weisheit scheint mir nicht blo theoretische, sondern auch praktische Vollkommenheit zu bezeichnen. Ich wrde sie definieren als die vollendete, richtige Erkenntnis der Dinge, im ganzen und allgemeinen, die den Menschen so vllig durchdrungen hat, da sie nun auch in seinem Handeln hervortritt, indem sie sein Tun berall leitet (Parerg. II, 351). GUTBERLET bestimmt: Unter Weisheit versteht man einen sehr hohen Grad der Vollkommenheit im Erkennen (Log. u. Erk. S. 1). SIDGWICK erklrt: Wisdom is the faculty and habit of choosing the best means to the best ends (Meth. of Eth.3, p. 328). Vgl. Sophia, Philosophie, Wissen, Besonnenheit.