Prinzip (principium, arch): Anfang, Ausgangspunkt, Ursprung, Grund, Voraussetzung. Prinzip ist alles, woraus da Dasein eines Etwas ursprnglich ableitbar, begreiflich ist, woraus etwas hervorgegangen ist, sich entwickelt hat Realprinzipien sind die Grundlagen, die Urgrnde der Dinge (metaphysische Prinzipien, s. Prinzipien), Idealprinzipien die Grundvoraussetzungen, Grundsetzungen des Denkens (der Denkinhalte), Erkennens, Handelns (theoretische und praktische Prinzipien formaler und materialer Art).
Nach PLATO mu die Philosophie bis zu letzten (ersten), ursprnglichen, unableitbaren Stzen, Prinzipien (archai, Phaedr. 101 E. vgl. 107 B) zurckgehen. Vom Prinzip der Bewegung, arch kinses, spricht Plato (Phaedr. 245 D). arch geneses (Tim. 28 B, 29 E). Beweisgrund arch apodeixes (Phaedr. 245 C). ARISTOTELES versteht unter epistmonikai archai (Top. I 1, 100b 18) die selbstgewissen Anfnge, Grundlagen des Ermessens (s. Rationalismus). Das Prinzip ist die prt tn aitin (De gener. et corr. I 7, 324 a 27), das, woraus etwas ist oder wird oder erkannt wird: pasn men oun koinon tn archn to prton einai hothen estin gignetai gignsketai. dio h te physis arch kai to stoicheion kai h dianoia kai proairesis kai ousia kai to hou heneka (Met. V 1, 1012 b 34 squ.. vgl. Prinzipien). Die Stoiker unterscheiden Elemente und (ewige) Prinzipien: diapherein de phasin archas kai stoicheia. tas men gar einai agentous kai aphthartous, ta de stoicheia kata tn ekpyrsin phtheiresthai. alla kai asmatous einai tas archas kai amorphous, ta de memorphsthai (Diog. L. VII 1, 134). ALBERTUS MAGNUS erklrt: Principium est nomen significans essentiam (Sum. th. I, 41, 1). Primum principium (Urprinzip) est, quod esse non habet ab alio, sed a se ipso, et facit debere esse in omnibus, quae sunt (l. c. II, 3, 1). Nach THOMAS ist Prinzipalles, a quo aliquid procedit quocumque modo (Sum. th. I, 33, 1 C), quod est primum aut in esse rei... aut in fieri rei... aut in rei cognitione (5 met. 1 b). Es ist zu unterscheiden: principium activum, passivum, agens, finale, circa quod, ex quo (= arch peri ho te kai ex hou, Aristoteles, Anal. post. I 32, 88 b 27) (1 anal. 43 m). - Nach GOCLEN ist Prinzipprimum, unde aliquid aut est, aut fit, aut cognoscitur (Lex. philos. p. 870). Nach MICRAELIUS ist Prinzip a quo aliud procedit, seu est origo processions alterias, unde aliquid emanat (Lex. philos. p. 894). Es gibt: principia logica oder technica (cognoscendi), realia oder essendi. Die Erkenntnisprinzipien sind ratio quaedam, per quam tanquam per se totam innotescit aliud (Lex. philos. p. 894). - Nach HOBBES werden die Prinzipien der Wissenschaft constructiv aufgestellt: Principia sunt artis sive constructionis, non autem scientiae et demonstrationis. Nach CHR. WOLF ist Prinzip quod in se continet rationem alterius (Ontolog. 866. s. Grund). so auch BAUMGARTEN (Met. 307). BERKELEY versteht unter principles Grundstze, Elemente des Erkennens (Principl., Einl. IV). HUME sowohl allgemeine Stze, Einsichten als auch die realen Grnde von Erscheinungen (vgl. Treat., bers. von Lipps, Einl. S. 1). REID versteht unter principles Grundannahmen des Gemeinsinnes (s. Prinzipien). CONDILLAC erklrt: Principe est synonyme de commencement (Log. II, 6). DESTUTT DE TRACY meint: Les seuls vrais principes, ce sont les faits (El. d'idol. IV, p. 22) Nach J. BENTHAM ist principle applied to any thing which is conceived to serve as a fondation or beginnning to any series of operation in the present case (Introd. I, ch. 1, p. 3).
KANT nennt Erkenntnis aus Prinzipien diejenigen, wodurch das Besondere im Allgemeinen begrifflich erkannt wird (Krit. d. r. Vern. S. 265). Prinzipien sind synthetische Erkenntnisse aus Begriffen, comparative Prinzipien allgemeine, aber nicht letzte Stze (l. c. S. 266). Die Kritik der reinen Vernunft (s. d.) sucht die Kategorien (s. d.) nach Prinzipien auf. Subjektives Prinzip des Erkennens ist die transzendentale Apperzeption (s. d.). KRUG versteht unter den obersten Prinzipien der philosophischen Erkenntnis Grnde und Grundstze, welche unmittelbar oder durch sich selbst gewi... sind (Fundamentalphilos. S. 48. Handb. d. Philos. I, 36 ff.). Die Prinzipien werden postuliert (Handb. d. Philos. I, 37). Es gibt Real- und Idealprinzipien (l. c. S. 37 ff.), Material- und Formalprinzipien (l. c. S. 39 ff.). Oberstes Materialprinzip der philosophischen Erkenntnis ist der Satz: Ich bin ttig (l. c. S. 40). oberste. Formalprinzip die Forderung absoluter Harmonie in aller Ttigkeit des denkenden Ich (l. c. S. 42). FRIES erklrt Prinzip als hchstes Allgemeines in unsern Vorstellungen, welches nicht wieder in anderer Hinsicht ein Besonderes sein kann (Syst. d. Log. S. 268). ESCHENMAYER definiert: Prinzip ist, was ein ganzes System von Begriffen zur Einheit verknpft (Psychol. S. 106). Nach HILLEBRAND ist Prinzipder Begriff, insofern er in seiner Allgemeinheit sich zugleich als sein eigener Grund konstruiert (Philos. d. Geist. II, 89). Nach BACHMANN ist Prinzipdas Erste jeder Art fr irgend eine Reihe, insofern sie daraus entspringt und sich aus ihm herleiten lt (Syst. d. Log. S. 478 f.). K. ROSENKRANZ erklrt: Als Prinzip ist die Idee die Existenz ihrer selbst als der unmittelbaren Einheit des Begriffs und seiner Realitt. Sie ist Prinzip, weil sie nicht aus anderem, nur aus sich selber hervorgeht (Syst. d. Wissensch. S. 119 ff.). Nach HERBART sind Prinzipien diejenigen Begriffe oder Verbindungen von Begriffen, welche zu Anfangspunkten im Philosophieren dienen knnen (Lehrb. zur Einl.5, S. 53). L. GEORGE bemerkt: Die Urteilsbildung ber einen Gegenstand, welche es zu einem vollstndigen Begriff von demselben bringt, gibt die Erkenntnis des Prinzips (Lehrb. d. Psichol. S. 504). Nach VOLKMANN sind Prinzipien jene Erkenntnisse, von welchen man bei Lsung des Problems auszugehen hat (Lehrb. d. Psichol. I4, 3). Vgl. Prinzipien, Ursprung.