Phnomen

Phnomen (phainomenon, phaenomenon): Erscheinung (s. d.), Erscheinendes, d.h. etwas in der Form der Erscheinung. Phnomene sind die Objekte (s. d.) insofern sie nicht das An-sich (s. d.) der Dinge selbst sind, sondern nur deren Beziehungen zum erkennenden (sinnlichen und denkenden) Subjekt darstellen. Doch sind von den individuell-subjektiven, sinnlichen Phnomenen die objektiven (allgemeingltigen) durch das wissenschaftliche Denken begrifflich bestimmten Phnomene, die in relativem Sinne schon (erkenntnistheoretische) Noumena (s. d.) sind, zu unterscheiden. In den objektiven Phnomenen erfassen wir, auf unsere Weise, aber doch durch das An-sich der Dinge selbst bestimmt, gentigt, die Wirklichkeit auer uns. Das (denkend-wollende) Ich als solches, die Ichheit, ist nicht Phnomen, sondern das die Phnomene erkennende, setzende Subjekt, Selbstsein. Die objektiven Phnomene sind uns nicht fertig gegeben (s. d.), sondern sind schon das Produkt kategorialer (s. d.) und begrifflicher Verarbeitung des Erfahrungsmaterials (s. Erfahrung, Erkenntnis). Den Begriff des phaenomenon bene fundatum prgt LEIBNIZ (s. Erscheinung). KANT fhrt den Begriff des Phnomens als kategorial gedachten Sinnesobjekten ein (s. Erscheinung, Noumenon). BOUTERWEK erklrt: Sofern... die wahrgenommenen Dinge gedacht werden als etwas in der sinnlichen Vorstellung Vorhandenes und durch die Gesetze der Subjektivitt Modifiziertes, heien sie Erscheinungen (Phnomene). Aber der objektive Grund der Erscheinungen darf darum noch nicht Ding an sich genannt werden. denn in der sinnlichen Erscheinung ist berall nichts an sich (Lehrb. d. philos. Wissensch. I, 60). Nach TEICHMLLER sind Erscheinungen die Formen, unter denen wir in unserem Geiste das wirkliche Leben der Natur vorstellen und denken (Neue Grundleg. S. 64), alle physikalischen, chemischen und organischen Vorgnge (ib.). O. LIEBMANN erklrt: Phnomen heit eine solche Existenz, der keine absolute oder transzendente, sondern nur eine relative und bedingte Realitt zukommt, welche nmlich nur fr unser Bewutsein, unsere Intelligenz, unsere Sinnlichkeit da ist (Anal. d. Wirkl.2, S. 37). Nach FR. SCHULTZE ist Erscheinung eine notwendige Vorstellungsflle, welche von festen Gesetzen beherrscht wird das notwendige Vorstellungsbild in uns, welches aus dem Zusammenwirken eines uns nicht bekannten An-sich und unserer geistigen Organisation entsteht (Phil. d. Naturw. II, 63. wie A. LANGE). Von den Phnomenen der Sinne unterscheidet die Noumena, die wissenschaftlichen Objekte, AMPRE (vgl. ADAM, Philos. en France p. 183). Nach LEWES sind Phnomena thing in any conceivable relations to Sentience like our own (Probl. I, 183). Nach TH. COLLYNS-SIMON ist ein Phnomen das, dessen esse percipi ist (Univ. Immat. p. 198 ff.). Nach R. ADAMSON sind die Phnomene Arten, wie wir die Wirklichkeit fragmentarisch auffassen. BRADLEY versteht unter Phnomen das fr sich betrachtet Widerspruchsvolle, was daher nicht von der Wirklichkeit selbst gelten kann (Appear. and Realit.). E. BOIRAC erklrt: Le phnomne n'est qu'un des aspects sous lesquels nous envisageons toute existence, l'aspect de la diffrence, de la succession et de la multiplicit. mais par cela mme il implique l'aspect corrlatif, celui de l'identit et de l'unit (L'ide de Phnom. 1894, p. 343). Der Positivismus (s. d.): COMTE (Phnomene sind Combinationen elementarer Gesetze), J. ST. MILL, R. AVENARIUS, E. MACH, die Immanenzphilosophie (s. d.): SCHUPPE, SCHUBERT-SOLDERN u. a., auch ILARIU- SOCOLIU (Grundprobl. d. Philos. S. 159 ff.) erkennt nicht die Dualitt von Phnomenen und Dingen an sich an (s. Erscheinung). Vgl. Erscheinung, Phnomenalismus.


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