Person (persona, urspr. Maske): vernnftige Wesenheit, selbstbewutes Individuum, selbstbewutes, Zwecke verfolgendes, frei handeln-knnendes, verantwortliches Ich. Persnlichkeit ist (bertragen) entweder so viel wie Person oder (eigentlich) die Eigenschaft, Person zu sein, selbstbewute, vernnftige, freie, zwecksetzende Ichheit, Wesenheit. Unpersnlich ist, was dieser Eigenschaft ermangelt, was nicht selbstbewutes, nur primitives, triebhaftes Subjekt oder gar nur Objekt, Sache ist. die Persnlichkeit ist etwas, was das Individuum erst in der Societt, in Wechselwirkung mit anderen, erwirbt. Besondere hervorragende, individuelle Personen sind Persnlichkeiten eminenter. berpersnlich ist, was zwar auch Persnlichkeit im Sinne vernnftiger, bewuter Ichheit hat, was aber ber den Gegensatz von Subjekt und Objekt, Ich und Nicht-Ich erhaben gedacht werden mu: das Absolute, Gott (s. d.). Whrend der Pantheismus (s. d.) in der Regel Gott als unpersnlich auffat, schreibt der Theismus (s. d.) Gott Persnlichkeit zu.
Person wird zuerst von BOTHIUS definiert: Persona est naturae rationalis individua substantia (De duab. naturis et una persona Christi C. 3). Die Formel fr Gott: una substantia, tres personae (hypostaseis) wird von TERTULLIAN u. a. aufgestellt. Nach ISIDORUS ist persona quasi per se unum est (bei Alb. Magn., Sum. th. I, 44, 1). Noch RICHARD VON ST. VICTOR sagt von der divina persona, quod sit naturae divinae incommunicabilis existentia. Persona est existens per se solum iuxta singularem quendam rationalis existentiae modum (De trin. IV, 22. 24). ALBERTUS MAGNUS definiert: Persona est ens ratum et perfectum (Sum. th. I, 42, 2). THOMAS erklrt: Omne individuum rationalis naturae dicitur persona (Sum. th. I, 29, 3 ad 2). DUNS SCOTUS betont, die Person sei auf keine Weise communicabilis (Sent. I, 23, 1. Quodlib. XIX, 22. Report. Paris. I, 23,1). Nach FR. MAYRONIS ist die Person individuum subsistens (vgl. Prantl, G. d. L. III, 291), nach anderen Scholastikern suppositum intelligens (vgl. MICRAELIUS, Lex. philos. p. 817). Nach SUAREZ bedeutet persona den modus incommunicabiliter subsistendi (Met. disp. 34, sct. 1). MICRAELIUS definiert auch: Persona est substantia intelligens, individua, incommunicabilis, non sustentata ab alio, nec in alio (l. c. p. 815).
HOBBES erklrt: Persona est is qui suo vel alieno nomine res agit (Leviath. I, 16). Nach LOCKE ist eine Person ein vernnftiges, besonnenes, selbstbewutes Wesen (Ess. II, ch. 27, 9). CHR. WOLF bemerkt: Persona dicitur ens, quod memoriam sui conservat, hoc est, meminit, se esse idem illud, quod ante in hoc vel isto fuit statu (Psychol. rational. 741). Person ist ein Ding, das sich bewut ist, es sei eben dasjenige, was vorher in diesem oder jenem Zustande gewesen (Vern. Ged. I, 924).
KANT definiert: Person ist dasjenige Subjekt, dessen Handlungen einer Zurechnung fhig sind (WW. VII, 20). Vernnftige Wesen heien Personen, weil ihre Natur sie schon als Zwecke an sich selbst d. i. als etwas, was nicht blos als Mittel gebraucht werden darf, auszeichnet, mithin sofern alle Willkr einschrnkt (WW. IV, 276). Persnlichkeit ist die Freiheit und Unabhngigkeit von dem Mechanismus der ganzen Natur (Krit. d. prakt. Vern. S. 105). Im transzendentalen (s. d.) Sinne ist Persnlichkeit Einheit des Subjekts (Krit. d. r. Vern. S. 310). SCHILLER erklrt: Der Mensch aber ist zugleich eine Person, ein Wesen also, welches selbst Ursache, und zwar absolut letzte Ursache seiner Zustnde sein, welches sich nach Grnden, die es aus sich selbst nimmt, verndern kann (b. Anm. u. Wrde, WW. XI, 223). Den Eigenwert der Persnlichkeit betont GOETHE, nach welchem die Persnlichkeit hchstes Glck der Erdenkinder ist. - KRUG bemerkt: Jedes vernnftige Wesen vermag die Zwecke seiner Ttigkeit sich selbst zu setzen und mit Freiheit zu verwirklichen und heit daher eine Person (Handb. d. Philos. II,121). - Nach STEFFENS ist die Persnlichkeit etwas Ursprngliches, Ewiges (b. d. wiss. Behandl. d. Psychol. S. 203). HEGEL bestimmt: Die Allgemeinheit dieses fr sich freien Willens ist die formelle, die selbstbewute, sonst inhaltslose einfache Beziehung auf sich in seiner Einzelheit - das Subjekt ist insofern Person (Rechtsphilos. S. 73). Nach MICHELET ist Persnlichkeit die Gleichheit des Ich mit sich selbst (Anthrop. S. 517) die sich selbst als ein Dasein anschauende Freiheit (Vorles. b. d. Persnl. Gott. S. 138), die dem Geiste angemessene Einzelheit, welche nur die Verwirklichung des Allgemeinen ist und also, ohne als sinnliches Dieses zu dauern, dennoch im allgemeinen unendlichen Geiste fortlebt (l. c. S. 140 f.). Nach HILLEBRAND ist Persnlichkeit die zum Selbstbewutsein gelangte Einheit der individuellen Bestimmtheit und der allgemeinen Selbstmchtigkeit, oder das Bewutsein der subjektiven Allgemeinheit in der Bestimmung des Individuellen (Philos. d. Geist. I, 184). Nach CHR. KRAUSE ist Persnlichkeit selbstinnige Wesenheit (Vorles. b. d. Syst. S. 383), Sich-selbst -fr-sich-selbst-Sein (Ab. d. Rechtsphilos. S. 31). HERBART definiert: Persnlichkeit ist Selbstbewutsein, worin das Ich sich in allen seinen mannigfachen Zustnden als ein und dasselbe betrachtet (WW. III, 60). Nach TEICHMLLER beruht die Persnlichkeit auf der Coordination zwischen Bewutsein und Erkenntnis und demgem Selbsterkenntnis (Neue Grundleg. S. 232 ff.). Teichmller lehrt den Personalismus. Das Ich ist Substanz, als Einheit der Persnlichkeit unmittelbar bewut (l. c. S. 156 f.). es ist das Prototyp des Substanzbegriffs (l. c. S. 171 ff.). J. H. FICHTE erklrt: Die Seele ist individuelle Substanz, die menschliche erhebt sich zugleich zur Persnlichkeit. Die hchste Form der Persnlichkeit ist die des Selbstbewutseins (Anthropol. S. 573). Persnlichkeit ist die nur dem Geiste zukommende Eigenschaft: alles ihm Angeeignete und Eingelebte mit Bewutsein zu durchdringen, es als das Seinige zusammenzufassen, damit aber auch als von ihm freies Selbst dazustehen (Psychol. I, S. XV). Persnlichkeit ist die hchste, vollkommenste Existentialform alles Wirklichen (l. c. S. XV, s. unten). LOTZE betont: Das Wesen der Persnlichkeit beruht nicht auf einer geschehenen oder geschehenden Entgegensetzung des Ich gegen ein Nicht-Ich, sondern besteht in einem unmittelbaren Fr-sich-sein (Mikrok. I, 575 ff.). HAGEMANN bestimmt: Person ist... eine subsistierende Substanz, welche vernnftig, d.h. selbstbewut und selbstmchtig ist (Met.2, S. 27). SCHOLKMANN bestimmt: Die in ihrer Weltstellung zu voller Entfaltung ihrer Naturanlagen gelangte Individualitt, die zur Selbstheit konzentrierte Ichheit heit Persnlichkeit (Grundlin. ein. Philos. d. Christent. S. 189). Und WUNDT: Wie das Ich der innere Wille in seiner Trennung von allem andern Bewutseinsinhalte, so ist die Persnlichkeit das Ich, welches sich mit der Mannigfaltigkeit jenes Inhalts wieder erfllt und damit auf die Stufe des Selbstbewutseins erhoben hat (Eth.2, S. 448). Die Persnlichkeit ist die Einheit von Fhlen, Denken und Wollen, in der wieder der Wille als der Trger brigen Elemente erscheint (ib.). REHMKE erklrt: Jede Seele ist ein eigenartiges konkretes Bewutseinsindividuum, d.h. eine Persnlichkeit (Allgem. Psychol. S. 573). Nach K. LASSWITZ ist Persnlichkeit eine Einheit welche ein Gesetz mit dem Bewutsein aufnimmt, es in sich zu vollziehen, nicht in der Zeit und im Raume (Wirkl. S. 152, 160). EUCKEN bestimmt: Persnlichkeit als Anlage bedeutet... das Gesetzsein des Ganzen in der Natur, Persnlichkeit als Entwicklung die tatschliche Belebung jenes Ganzen, was nicht mglich ist ohne eine eigene Tat, ein eigenes Ergreifen, ein Sich-identifizieren mit jenem Princip (Wahrheitsgeh. d. Relig. S. 125). RENOUVIER erklrt: La conscience prend le nom de personne, quand elle est porte ce degr suprieur, la fois de distinction et d'tendue, o elle obtient la connaisance du propre et de l'universel, et le pouvoir de former des concepts, et d'appliquer ces lois fondamentales de l'esprit qui sont les catgories. La personnalit est... la synthse ralise des lois, la relation des relations (Nouv. Monadol. p. 111). HFFDING betont: Persnlichkeit besteht vor allen Dingen in innerer Einheit und innerem Zusammenhange aller Vorstellungen, Gefhle und Bestrebungen (Philos. Probl. S. 2). Nach KREIBIG ist Persnlichkeit die Gestaltqualitt (s. d), welche die psychischen und physischen Beschaffenheiten eines Subjekts zu einem bereicherten Ganzen eint (Werttheor. S. 194). Nach RIBOT ist das Ich, die Person nur ein Komplex coordinierter Elemente des Bewutseins (Mal. de la Personnal. p. 3, 169. Mal. de la Volont. p. 87, 120, 169). hnlich DESSOIR (Doppel-Ich S. 79 f.). Vgl. PIERRE JANET, L'autom. psychol. p. 305 ff. Gott (s. d. und Theismus) ist nach JACOBI, ferner nach den Hegelianern (s. d.) der rechten Seite Persnlichkeit (s. Theismus). Nach CHR. KRAUSE ist Gott die unendliche, unbedingte Person (Abr. d. Rechtsphilos. S. 31. Vorles. b. das Syst. S. 383). J. H. FICHTE erklrt: Der hchste, wahrhaft das Weltproblem lsende Gedanke ist die Idee des in seiner idealen wie realen Unendlichkeit sich wissenden, durchschauenden UrSubjekts oder der absoluten Persnlichkeit (Specul. Theol. S. 180. Die theist. Weltans. 1873. Psychol. II, 29 ff.). Auch nach ULRICI hat Gott Persnlichkeit, so auch nach LOTZE. Gott ist reine, vollkommene Persnlichkeit (Kl. Schrift. II, 127. Mikrok. I, 181. III, 570). die endlichen Geister sind nur eine schwache Nachahmung derselben (Mikrok. III, 580). Als persnlich bestimmen Gott TRENDELENBURG, CHALYBAEUS, RAVAISSON, SECRTAN, MONRAD, BOSTRM, E. G. GEIJER, SCHOLKMANN (Grundlin. ein. Philos. d. Christent. 282). Als unpersnlich fassen Gott auf SPINOZA, SCHELLING, HEGEL, FEUERBACH, E. v. HARTMANN u. a. (s. Pantheismus, Gott), D. FR. STRAUSS (Alter u. Neuer Glaube), welcher bemerkt: Persnlichkeit ist sich zusammenfassende Selbstheit gegen anderes, welches sie damit von sich abtrennt. Absolutheit dagegen ist das Umfassende, Unbeschrnkte, das nichts als eben nur jene im Begriff der Persnlichkeit liegende Ausschlielichkeit von sich ausschliet (Die christl. Glaubenslehre I, 504). - Den Wert der Persnlichkeit fr das sittliche (s. d.) Handeln betonen die Stoiker, das Christentum und viele Ethiker. - Vgl. Paralogismus. Vgl. HFFDING, Philos. Probl. S. 12: zentrale Bedeutung des Persnlichkeitsbegriffs fr die Psychologie. Personal Identity: Identitt (s. d.) des Ich, des Selbstbewutseins (s. d.).