Imperativ

Imperativ ist die Formel, der Ausdruck eines Gebotes, eines Sollens. Sittliche (ethische) Imperative sind die Gebote der Sittlichkeit (s. d.), der sittlichen Vernunft, des Gewissens. Sie verlangen unbedingte Geltung, weil es keinen Fall geben kann, wo sittliche Widervernnftigkeit statthaben darf. Will der Mensch vernnftig sein - und er will es im Grunde, der Idee nach -, so mu er dementsprechend handeln, theoretisch wie praktisch-ethisch. Der kategorische Imperativ ist die Formel des Sittengebotes, der Ausdruck der Norm des sittlichen Willens.

Der Begriff des kategorischen Imperativs stammt von KANT. Die Vorstellung eines objektiven Prinzips, so wie es fr einen Willen ntigend ist, heit ein Gebot (der Vernunft), und die Formel des Gebotes heit Imperativ (Grundleg. zur Met. d. Sitt. WW. IV, 261). Ist die Handlung zu etwas anderem gut, so ist der Imperativ hypothetisch, wird sie als an sich gut vorgestellt, ist er kategorisch. Letzterer erklrt die Handlung fr unbedingt notwendig, ist ein apodiktisches Prinzip, als Imperativ der Sittlichkeit (l.c. IV, 262 ff.). Der kategorische Imperativ ist das formale Prinzip der Sittlichkeit (s. d.), er entspringt der Wrde des Menschen, der praktischen Vernunft (s. d.) in ihm, bestimmt die Form der Willenshandlungen a priori (s. d.); er deutet darauf hin, da der Mensch an sich das Glied einer intelligiblen Welt (s. d.) ist, ist der Ausdruck des reinen Willens dieser (l.c. S. 270 ff.). Die praktische Regel ist jederzeit ein Produkt der Vernunft, weil sie Handlung, als Mittel zur Wirkung, als Absicht vorschreibt. Diese Regel ist aber fr ein Wesen, bei dem Vernunft nicht ganz allein Bestimmungsgrund des Willens ist, ein Imperativ, d. i. eine Regel, die durch ein Sollen, welches die objektive Ntigung der Handlung ausdrckt, bezeichnet wird, und bedeutet, da, wenn die Vernunft den Willen gnzlich bestimmte, die Handlung unausbleiblich nach dieser Regel geschehen wurde (Krit. d. prakt. Vern. S. 22). Der kategorische Imperativ ist derjenige, welcher nicht etwa mittelbar durch die Vorstellung eines Zweckes, der durch die Handlung erreicht werden knne, sondern der sie durch die bloe Vorstellung dieser Handlung selbst (ihrer Form), also unmittelbar als objektiv notwendig denkt und notwendig macht (WW. VII, 19). Der sittliche Imperativ gebietet kategorisch, unbedingt, ohne Rcksicht auf materiale Motive (auf Nutzen, Lust u.s.w.). Er lautet: Handle so, da die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten knne (Krit. d. prakt. Vern. S. 36). Handle nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, da die zu allgemeines Gesetz werde (WW. IV, 269). Ein praktischer Imperativ ist: Handle so, da du die Menschheit sowohl in deiner Person als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals blo als Mittel brauchst (WW. IV, 277). - Der Inhalt des kategorischen Imperativs findet sich schon bei PALEY: The general consequence of any action may be estimated by anything, what would be the consequence, if the same sort of actions were generally permitted (The princ. of moral and political philos.3, 1786, p. 62 ff., 68).

Eine Kritik des kategorischen Imperativ gibt SIMMEL (Einl. in d. Moralwiss. II, 1 ff.). Whrend sich einige Ethiker diesem Imperativ bezw. seiner Formulierung gegenber ablehnend verhalten, akzeptieren ihn andere in modifizierter Weise. H. CORNELIUS z.B. so: Handle so, da du nach dem Stande deiner bisherigen Erfahrungen die Maxime deines Wollens als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung anerkennen wrdest, oder: Handle so, da dein Ziel nach dem Stande deiner Erfahrungen als das positiv Wertvollste unter allen mglichen Zielen erscheint (Einl. in d. Philos. S. 349 f.). UNOLD: Lebe und handle so, da du dich und das Ganze (Volk und Menschheit) erhltst (Gr. d. Eth. S. 331, vgl. S. 335). R. GOLDSCHEID erweitert den kategor. Imperativ im Sinne des Evolutionismus: Handle so, da du das Offenbarwerden deiner Motive vor niemandem, nicht einmal vor dir selbst zu scheuen brauchst, das heit aber: handle so, da du nach allen dir bekannten Ergebnissen der Wissenschaft, wie nach den Indicien deines gesamten eigenen Gefhlslebens fest berzeugt sein kannst, deine Handlung sei in gleicher Weise geeignet, lebendigem Schmerz praktisch wirksam entgegenzutreten, wie sie, zur allgemeinen Maxime erhoben, einen Hherentwicklungsfaktor der menschlichen Gattung in physischer und intellektueller Hinsicht darstellt (Zur Eth. d. Gesamtwill. I, 85 f.). EHRENFELS erklrt: Ein Imperativ oder Befehl liegt berall dort vor, wo einem auf das Eintreten oder Ausbleiben einer Handlung gerichteten Begehren in der mehr oder minder sicheren Erwartung Ausduck gegeben wird, da hierdurch das Eintreten oder Ausbleiben der betreffenden Handlung tatschlich auch bewirkt werde (Syst. d. Werttheor. II, 195). Vgl. Sittlichkeit, Sollen.


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Seite zuletzt aktualisiert: 14.11.2004 
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